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Canon Explorer Quentin Caffier

Quentin-Caffier

Der Canon Explorer Quentin Caffier lebt in Paris, wo er mit einer Gruppe professioneller Künstler im Studio „Five Monkeys“ zusammenarbeitet. Beeinflusst von grossen Fotografen und Filmemachern wie Desiree Doiron, Guy Bourdin, David Cronenberg und Wes Anderson, arbeitet Quentin Caffier im Bereich Werbung und Mode und hatte bereits zahlreiche Ausstellungen in Paris (Artcurial, Galerie 13 Sévigné, Glaz’art, Salon des Miroirs). Wir sprachen mit Quentin über die Art, wie er Farbe in seinen Werken einsetzt, um damit seine einzigartige Ästhetik zu erschaffen.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Einflüsse und Inspirationen

„Als ich mit dem Fotografieren begann, habe ich nicht versucht, den Moment als solchen festzuhalten, sondern ein eigenes Universum zu schaffen. Ich wurde stark von Science-Fiction, 3D-Filmen und Videospielen beeinflusst – und bin es immernoch. Darum setze ich so viel Farbe ein. Sie gibt mir die Kreativität, Dinge visuell ansprechend zu machen – besonders in der Mode-Fotografie. Zudem habe ich ein Jahr in Japan verbracht. Auch das hat mich sehr inspiriert, weil es diesen Mix aus traditioneller Kultur, Moderne und Mythologie besitzt. Auch meine Träume inspirieren mich. Ich hatte mal einen Albtraum, dass mein ganzer Körper zu Staubbrocken zerfällt – darum habe ich eine Serie mit dem Namen 'Explosion' gemacht, um diesen ausserirdischen Moment festzuhalten.“

Was sind die Vorteile bei der Arbeit im Studio?

„Bisher habe ich die meisten meiner Arbeiten im Studio gemacht, da ich dort die nötige Kontrolle habe, um meine Werke zu erschaffen. Aber ich gehe jetzt auch zunehmend nach draussen. Als ich das Jahr in Tokio verbrachte, war es nicht immer einfach, ein Studio zu finden. Manchmal fand ich nur einen kleinen Raum, in dem man die Dinge von unterschiedlichen Blickwinkeln aus fotografieren musste. Also musste nach guten Plätzen suchen, an denen ich draussen arbeiten konnte.“

Wie nehmen Sie Ihre markantesten Bilder auf?

„Am wichtigsten dabei ist, ein hervorragendes Team zu haben, dass alles am Laufen hält. Stylisten und Make-up Artists sind für meine Arbeit enorm wichtig. Man kann der beste Fotograf der Welt sein – ohne das richtige Team ist man nicht in der Lage das beste und markanteste Bild zu machen. Auch die Kommunikation ist sehr wichtig. Darum gibt es einige Schlüsselpersonen, auf die ich mich immer verlasse.

Wenn man mit dem Shooting beginnt, bekommt man das Gefühl, das etwas passiert. Man fühlt einfach, dass sich Dinge entwickeln, von denen man nie gedacht hat, dass man soetwas aufnehmen könnte. Das ist wirklich ein tolles Gefühl. So kreiert man ganz natürlich Bilder und hat dabei das Gefühl, etwas zu tun, das viel grösser und besser als man selbst ist.“

Wie setzen Sie Farben für Ihre Bilder ein?

„Die Kultur spielt eine grosse Rolle bei der Wahl der Farben. In Japan ist Weiss die Farbe des Todes, das muss man wissen. Man muss soetwas immer im Hinterkopf haben.

Das Kreieren eines Bildes ermöglicht einem, sich in einer universell verständlichen Sprache auszudrücken. Allerdings muss man dabei verstehen, wie die Zielgruppe das Bild liest. Einige Kulturen lesen von links nach rechts – daher werden sie auch ein Bild von links nach rechts betrachten. Bilder werden in verschiedenen Orten der Welt unterschiedlich verstanden.

Grundsätzlich wähle ich gern Farben, die einen deutlichen visuellen Kontrast liefern. Ich bevorzuge kalte Schatten (blau, violett, manchmal auch grün), da sie mir mehr Kontrast bieten. Ich setze warme Farben ein, wo ich das Bild betonen möchte. Wenn ich etwas sehr Modernes schaffen möchte, würde ich versuchen, kalte Farben einzusetzen, für einen altmodischeren Look, würde ich das warme Farbspektrum wählen. Das ist die grundlegende Symbolik der Farben.“

Welche Oberflächenstrukturen können ein Bild aufwerten?

„Wenn ich Haut fotografiere, habe ich es gern, wenn sie ein wenig glänzt. Das sollte dem Bild mehr Volumen und eine schöne Reflexion geben. Ich ergänze das auch gern mit ein oder zwei matten Elementen, um den Kontrast zu verstärken. Das ist dann ein Anziehungspunkt, der das Auge auf ein spezifisches Element im Bild lenkt.

„Ich habe für Canon einmal eine Werbung mit einem sommersprossigen Mädchen gemacht. Ihre Haut war sehr glänzend und ihr Lippenstift ganz matt. Ihr ganzes Aussehen war weich – sanftblaue Augen, leichtes Haar, weiche Züge – die einzige Ausnahme war der knallrote, matte Lippenstift.

Für eine gute Aufnahme ist es auch sehr wichtig, den passenden Hintergrund zu erschaffen. Das kann manchmal Wandfarbe, Beton oder Zement sein. Ausserhalb eines Studios suche ich für meine Aufnahmen immer nach ganz besonderen Orten. Vor kurzem habe ich Modeaufnahmen in einem alten Gewerbegebiet in Paris gemacht. Hier gab es jede Menge alte Fabriken. Ich habe nach den verschiedenen Hintergrundtexturen in der Umgebung Ausschau gehalten und meine Bilder mit den unterschiedlichsten Hintergründen aufgenommen.“

Was war bisher Ihr bester Moment als Fotograf?

„Da fallen mir spontan einige ein.

Ich habe ja vor mehr als 12 Jahren mit dem Fotografieren begonnen. Ich schaute mir ein Magazin an und ich kann mich erinnern, dass ich ein Foto sah und dachte: 'Wow, ob ich soetwas jemals können werde?' Es erschien mir wahnsinnig schwierig. Ich sah einmal ein Bild von jemandem und sollte Jahre später ein Bild von genau der selben Person machen!

Ich habe auch vor Kurzem eine Serie über Männer in Frauenrollen gemacht – sie trugen typisch weibliche Kleidung und Makeup. Ich habe androgyne Models gefunden, denen ich Kimonos angezogen habe. Alle Besucher der Ausstellung meinten, dass die Frauen auf den Bildern extrem attraktiv seien und dann habe ich ihnen gesagt, dass es sich hier um Männer handelt, nicht um Frauen. Ich mag solche Reaktionen, da es manchen dazu bringt sich selbst Fragen zu stellen. Ich möchte den Menschen nicht vorschreiben, was sie zu denken haben, aber ich ermutige sie, Dinge anderes zu sehen und zu erkennen, dass vieles nicht so offensichtlich ist, wie es scheint.“

Warum ist es wichtig, immer mit der neuesten Technologie mitzuhalten?

„Die Fotografie ist eine sehr technisch orientierte Kunst. Man muss immer versuchen auf dem Laufenden zu bleiben und alles wirklich zu verstehen, da die Neuerungen so schnell kommen. Es ist wichtig, um als Fotograf mitzuhalten. Mit neuen Kameras kann man neue Bilder schaffen. Darum muss ich immer wissen, was neu rauskommt und was vor sich geht.“

Was haben Sie in Ihrer Kameratasche?

Ich habe während meiner Laufbahn schon zahlreiche Canon Kameras benutzt. Vor Jahren habe ich mit einer EOS 50D gearbeitet, stellte dann aber fest, dass sie nur bei weichem Licht gut ist. Dann entdeckte ich die EOS 5D Mark II und merkte, dass der grössere Dynamikumfang mir die Arbeit mit härterem Licht ermöglichte. Heute arbeite ich meist mit der EOS-1D X, da sie einen so grossen ISO-Bereich hat. Sie ist ideal zum Fotografieren von Farben, grossartig im und ausserhalb eines Studios und in vielen anderen Situationen.

Kameras

EOS-1D X

EOS 5D Mark II

Objektive

EF 70-200mm 1:2,8L IS USM

EF 24-70mm 1:2,8L USM

Fauve-Hautot-Quentin-Caffier

© Quentin Caffier – Canon Explorer. Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X mit einem EF 70-200mm 1:2,8L IS USM Objektiv; die Belichtungszeit betrug 1/100 Sek. bei Blende 5,6, ISO 100.

„Im November 2013 verletzte sich die französische Tänzerin Fauve Hautot während einer TV-Show ihr Knie. Im Krankenhaus sagten die Ärzte ihr, dass sie ihr Knie für die nächsten acht Monate ruhig halten musste und dass Tanzen verboten sei! Man verpasste ihr eine Schiene, damit sie sich nicht bewegen konnte.

Im März 2014, als Fauve gerade ihr ersten Schritte der Reha durchlief, schlug ich ihr vor, mit ihr eine Fotoserie zu machen, die Ihre Wiedergeburt festhält: 'Stärker!'.

Selbst bandagiert und auf Krücken kann Fauve einfach nicht mit dem Tanzen aufhören! Also habe ich – inspiriert vom Fotografie-Stil von Helmut Newton und Romain Slocombe – sowohl eine medizinische als auch glamouröse Ästhetik geschaffen, bei der Elemente des Bildes den Betrachter an den Unfall erinnern.“

Manga-Fashion-Quentin-Caffier

© Quentin Caffier – Canon Explorer. Aufgenommen mit einer Canon 5D mk II mit einem 70-200 f2.8L IS USM Objektiv; die Belichtungszeit betrug 1/125 Sek. bei Blende 14, ISO 160.

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