„Der Ort ist so gewaltig, dass es die Silhouette eines Menschen braucht, damit einem das wahre Ausmass bewusst wird. Diese Aufnahme hatte ich seit Monaten im Kopf, bevor ich endlich in ihr stand.“ – Profi-Landschaftsfotograf Luka Vunduk. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II und einem Canon RF 24-70mm F2.8L IS USM Objektiv bei 52 mm, Verschlusszeit 6 Sek., Blende 1:16 und ISO 250. © Luka Vunduk
Nur ein falscher Schritt und es würde keinen Halt geben. Ich kauerte an einer bröckelnden Kante und unter meinen Füssen tat sich ein Abgrund auf. Ich bin irgendwo im tiefsten Kasachstan, hunderte Kilometer von jeder Menschenseele entfernt – und baue meine Kamera auf.
An diese Art von Ort verschlägt dich die Landschaftsfotografie, aber nur, wenn du sie lässt. Nicht einfach ein Foto vom Dach eines Parkhauses, sondern von einem Ort, an den du laufen musst. Der dich etwas kostet, um ihn zu erreichen. Warum fangen wir also hier an, beim Scouting? Weil die Suche nach der richtigen Location in der Landschaftsfotografie kein vorbereitender Schritt für die Arbeit ist – sondern die eigentliche Arbeit selbst.
Wenn du mit eigenen Augen einen Ort entdeckst, ihn abläufst und kennenlernst, dann findest du vielleicht etwas, was dir niemand aus zweiter Hand geben kann. Da lebt die Originalität deiner Bilder, und es ist ausserdem das, was du den Betrachtern eigentlich anbietest: Keine Postkarte von einem Ort, den sie bereits kennen, sondern ein Weg heraus aus bekannten Gefilden, mit dem sie nicht gerechnet haben. Genau das zieht uns an – ein uns unbekannter Ort, so wie ihn nur eine einzige andere Person gesehen hat.
Im Scouting liegt auch etwas subtil Wertvolles. Es ist das Gegenstück zu unserem digitalen und unpersönlichen Zeitalter. Ein Abenteuer aus erster Hand: Man geht, läuft, wartet und bringt ein Erlebnis mit nach Hause, lädt nicht einfach etwas herunter. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man auf eigenen Füssen an einen Ort gelangt oder nur auf dem Bildschirm dorthin nach unten scrollt. Die mühsamen Stunden fliessen in die Fotografie ein und geben ihr Gewicht. Man hat es sich verdient, nicht nur gefunden.
Aber wo fängt man eigentlich an?
Heute erzählt er uns von seinem Prozess und der ungesehenen Arbeit, die hinter seiner beeindruckenden Landschaftsfotografie steckt.