Vor Betreten des Konferenzraums kannten sich diese beiden jungen Frauen noch nicht, doch schon nach wenigen Stunden hat man den Eindruck, dass sie schon seit Jahren befreundet seien. Beide hatten sich für die Teilnahme an der zweiten Stemettes Innovation Challenge angemeldet, die in unserem Headquarter in West-London stattfand. Damit schlossen sie sich nicht nur einer Bewegung an, sondern fanden sich auch Seite an Seite mit Menschen wieder, die dieselben Dinge lieben wie sie. Sie waren nicht die Einzigen.
Stemettes, ein preisgekröntes Sozialunternehmen, entstand – wie Gründerin und Head von Stemette Dr Anne-Marie Imafidon MBE sagt – weil sie „ein technikbegeistertes Mädchen war, das zu einer technikbegeisterten Frau heranwuchs und in der Branche nicht in der Minderheit sein wollte“. Ziel ist es, Mädchen, junge Frauen und nicht-binäre junge Menschen zu einer Karriere in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen, Kunst und Mathematik (zusammen als STEAM bekannt) zu ermutigen und sie dabei unterstützen Dazu gehören spannende, kostenfreie Events, Wettbewerbe und Hackathons für Menschen im Alter von 5 bis 25 Jahren, unabhängig von ihren jeweiligen Fähigkeiten. Auf der Webseite finden Sie eine Botschaft, die für das Besondere daran steht: „Lasst uns Spass haben, gemeinsam essen und neue Leute kennenlernen!“
Es liest sich wie eine lockere Einladung, spricht aber in Wirklichkeit etwas Tieferes an, das wir alle brauchen und das Stemettes bewusst fördert. Denn wenn es um unser Wohlbefinden, unser Selbstvertrauen, unsere Resilienz und unser Wachstum geht, spielt die Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Denn ohne wird es für alle schwerer. Und gerade jetzt ist soziale Isolation bei Jugendlichen sehr real und sorgt für einen alarmierenden Anstieg von Angstzuständen und Depressionen. „Die Gemeinschaft, die wir bei Stemettes haben, ist unglaublich stark und wächst von Tag zu Tag“, sagt Anne-Marie. „Wir freuen uns, dass nicht nur die jungen Menschen, mit denen wir arbeiten, sondern auch Lehrkräfte, Eltern, Erziehungsberechtigte und Ehrenamtliche wirklich füreinander da sind.“ Es ist dieses gemeinsame Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit, das uns als Organisationen zusammengebracht hat. Unsere Unternehmensphilosophie Kyosei – gemeinsam leben und arbeiten zum Wohle aller – schafft genau die Bedingungen der Zugehörigkeit, Akzeptanz und des Verantwortungsbewusstseins füreinander und für die Orte, die wir erreichen.
Und obwohl es bei Stemettes in erster Linie darum geht, Mädchen, junge Frauen und nicht-binäre junge Menschen bei Karrieren in den STEAM-Bereichen zu unterstützen, orientiert sich die Organisation weniger am eher unternehmerisch geprägten Konzept eines Netzwerks. Vielmehr bildet sie eine Art Teppich, der über einen einzelnen Zeitraum oder Ort hinausgeht. Eine Stemette kann an Veranstaltungen teilnehmen, bei denen ein Tag aus Lernen, Austausch von Ideen und dem Knüpfen neuer Freundschaften besteht. Doch das Besondere an der Organisation liegt darin, dass sie Menschen jeden Alters und jeder Herkunft in einem lebendigen, atmenden und unterstützenden Kreis zusammenführt.
Bei der Stemette Society handelt es sich zum Beispiel um ein geschlossenes soziales Netzwerk, das 13- bis 25-Jährigen einen sicheren Ort bietet. In diesem Alter können jüngere Mitglieder von denen lernen, die bereits Erfahrungen mit Universität, Praktika und Beruf gesammelt haben. Aber auch denjenigen, die die Schule lange beendet haben, wird eine neue Perspektive auf die Dinge vermittelt. Das Gleiche gilt für die zahlreichen Partnerschaften der Organisation mit der Industrie, in deren Rahmen renommierte Unternehmen aus dem MINT-Bereich Chancen und Wissen bieten können, aber ebenso davon profitieren, junge Köpfe und Perspektiven mit ins Boot zu holen. Den Menschen zuhören und ihre Gedanken ernst nehmen? Das ist die Basis für ein gutes Selbstwertgefühl. Die Stemettes-Gemeinschaft erkennt die Leistungen ihrer Mitglieder an und stärkt das Selbstvertrauen durch Mentorenprogramme, Praktika und Berufserfahrungen. Dadurch entstehen Rahmenbedingungen, unter denen die Mitglieder beginnen können, ihr Potenzial zu entfalten.
Das klingt alles toll, aber wie lässt sich das ausserhalb der Welt von Stemettes umsetzen? Letztendlich geht es darum, die Barrieren – Ausgrenzung, Selbstzweifel und Entfremdung – abzubauen, die Menschen von einer Karriere im STEAM-Bereich abhalten, und da es keine sofortige Lösung gibt, ist es eine Frage der Zahlen. Stemettes verschwindet nicht einfach, wenn man herauswächst – im Gegenteil, die Community wächst, indem sie (und das ist entscheidend) für sichtbare Vorbilder in Branchen sorgt, in denen es nur wenige gibt. Für die nächste Generation von Mädchen, jungen Frauen und nicht-binären Menschen ist dies eine ebenso grosse strukturelle Hürde wie jede andere auch. Wie das alte Sprichwort sagt: „Man kann nicht werden, was man nicht sehen kann.“
Lassen Sie sich jedoch nicht täuschen: Bei der Stemettes-Geschichte geht es nicht nur um Empowerment. Vielmehr soll damit der Grundstein für etwas viel Grösseres gelegt werden. „Die Gesellschaft braucht Stemettes, weil das Verhältnis von STEAM in der Industrie, Wissenschaft oder auch in Unternehmertum nicht ausgewogen ist“, erklärt Anne-Marie. „Ohne eine angemessene Vertretung spiegeln die Ergebnisse dieses Fachgebiets definitiv nicht die Gesellschaft wider, der sie eigentlich zugutekommen sollen.“ Und das schmälert die Wirksamkeit unserer Innovation.“
Bis jetzt haben wir Stemettes und das Konzept von Gemeinschaft im Hinblick auf individuelles Zugehörigkeitsgefühl, Selbstwertgefühl und Potenzial betrachtet, aber dessen Arbeit könnte kein besseres Beispiel dafür sein, wie sich Kyosei in der Praxis anfühlt. Denn auch wenn es womöglich nicht sofort ersichtlich ist, könnten auf lange Sicht Stemettes-Alumni mit an Tischen (oder in Laboren!) sitzen, an denen Entscheidungen in den Bereichen Technologie, Design, Medizin, Ingenieurwesen und sogar Klimapolitik getroffen werden. Diese Präsenz, dieses Fachwissen, diese gelebten Erfahrungen und Stimmen werden die Grundlagen für eine bessere, sicherere und gerechtere Welt für all unsere Gemeinschaften bilden.
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