A table display with cakes, meringue, iced donuts and pastries.

FOOD-FOTOGRAFIE

Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Die Kunst der Food-Fotografie

Dank Instagram hat die Food-Fotografie in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Aber jeder, der versucht hat, sein Mittagessen zu fotografieren, wird dir bestätigen, dass damit ganz eigene Herausforderungen verbunden sind. Die schwedische Food-Fotografin Linda Lomelino beherrscht diese Kunst – ihre Food-Bilder, aufgepeppt mit einem märchenhaft skurrilen Charme, und gewürzt mit einem stimmungsvollen Ambiente, haben mehr als 750.000 Follower auf Instagram angezogen.

„Vor ungefähr 11 Jahren entdeckte ich meine Leidenschaft für das Backen“, sagt Linda, die Fotografie studierte. „Cupcakes waren damals der letzte Schrei – also habe ich ein paar Fotos gemacht und sie auf Facebook veröffentlicht. Die Leute liebten sie, also dachte ich: ‚Vielleicht sollte ich einen Blog starten?‘ Dank dieses Blogs „Call Me Cupcake“ wurden Lindas köstliche Meisterwerke nun in vier Büchern zusammengefasst, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Hier gibt sie uns eine Kostprobe ihrer Geheimnisse für den süßen Erfolg ...

1. Das Beste aus dem natürlichen Umgebungslicht machen

Das natürliche Licht betont die Kanten am zartrosa Eis, während der dunklere Hintergrund die Bildwirkung verstärkt. Linda rät dazu, mit Licht zu experimentieren, um verschiedene Stimmungen zu erzeugen.

Wenn die Möglichkeit besteht, ein Canon Speedlite im Studio zu verwenden, lässt sich die Beleuchtung gezielt steuern. Mann kann selbstverständlich auch natürliches Licht verwenden. Das ist zwar schwieriger zu kontrollieren, aber bei richtiger Nutzung schmeichelt es dem Motiv. „Experimentiere mit dem Licht deiner Umgebung“, sagt Linda. „Die Größe des Fensters, die Richtung, in die es zeigt, die Tageszeit und das Wetter beeinflussen die Wirkung des Lichts“, sagt sie. „Nach Norden ausgerichtete Fenster sind in der Regel am einfachsten zu nutzen – das Licht ändert sich im Laufe des Tages weniger und du musst nie im direkten Sonnenlicht fotografieren.“

Ein bedeckter, nicht zu dunkler Tag ist ideal für Linda, die zur seitlichen Beleuchtung ihrer Bilder Vormittags in ihrem nach Westen gerichteten Studio und am späten Nachmittag und Abend in ihrer nach Osten gerichteten Küche arbeitet. Um ihren charakteristischen „stimmungsvollen“ Look zu erreichen, zieht sie die dunklen Vorhänge vor dem Fenster entsprechend zu.

„Mit etwas Übung kann man sicher mit jeder Art von Fenster arbeiten. Wenn man aber in einem meist sonnigen Land mit einem gen Süden gerichteten Fenster arbeiten muss, ist das schon eine Herausforderung“, sagt sie. „In diesem Fall sollte man vielleicht einen leichten Vorhang vor das Fenster ziehen, um das Licht weicher zu machen.“

2. Die Bildkomposition mit Farben und Texturen versehen

Das Einbeziehen von Requisiten mit ähnlichem Farben und das Hinzufügen von Komplementärfarben kann bei der optimalen Bildkomposition helfen.

Ein Qualitätsmerkmal ist sicher die Bildkomposition – Lindas Trick ist es, sich auf die Farben zu konzentrieren. „Ich verwende für gewöhnlich zwei oder drei Farben in einer Aufnahme,“ erklärt sie. Sie verwendet die Farben in unterschiedlichen Schattierungen und führt dann die Komplementärfarbe dazu – jene, die sich auf dem Farbkreis gegenüberstehen –, um einen visuellen Kontrast zu schaffen. „Wenn ich zum Beispiel einen Kuchen mit violetter Glasur gestalte, versuche ich, etwas Gelbes oder Gelbgrünes auf das Foto zu bringen. Orange und Blaugrün ist eine weitere meiner Lieblingskombinationen – sie bringen das Foto toll zur Geltung!“

Linda rät, nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Texturen zu experimentieren, um das Interesse zu steigern. „Wenn ich eine Torte mit viel Textur oder gemusterter Glasur fotografiere, würde ich mich für einen schlichten Hintergrund entscheiden, um den Fokus auf die Torte zu legen. In anderen Situationen möchte ich vielleicht, dass alles eine glatte Textur hat, oder ich füge viele verschiedene Texturen hinzu – das kann ganz einfach eine zerknitterten Leinenserviette sein.“

3. Einen Eindruck von Tiefe schaffen

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Requisiten, die hinter dem Hauptmotiv platziert sind, geben dem Bild Tiefe, während der gesiebte, in der Bewegung eingefrorene Puderzucker dem Bild mehr Dynamik verleiht.

Neben Farben und Textur rät Linda, mit Details zu spielen, um die Szene zu beleben und gleichzeitig ein Gefühl von Tiefe zu vermitteln. „Unscharfe Elemente im Vorder- und Hintergrund sind hierfür ein gutes Beispiel,“ sagt sie. „Vielleicht stelle ich eine Vase mit Blumen hinter die Speise und verstreue dann in ungerader Anzahl Rezeptzutaten wie Mehl, Beeren oder Blätter darum herum.“

Linda rät Einsteigern zur Fokussierung das dreh- und schwenkbare Touchscreen-Display einer Kamera (sofern sie eines hat) zu verwenden. „Kameras wie die Canon EOS 850D und die Canon EOS 250D, sind wegen ihrer beweglichen Displays ideal für die Food-Fotografie. Fotografiert man direkt von oben nach unten ist ein Touchscreen besonders hilfreich – befindet sich die Kamera hoch oben, kann man das Display so drehen, dass man alles sehen kann und die Fokussierung darüber steuern. Dasselbe gilt, wenn man aus einem besonders niedrigen Blickwinkel fotografiert – du musst dich nicht hinlegen, sondern kannst einfach das Display drehen, damit du alles siehst.“

4. Wähle Requisiten und Hintergrund, um eine Geschichte zu erzählen

Das Laub, die Blumen, die durchdachten Requisiten und die zurückhaltende Farbpalette bilden zusammen diese verträumte ländliche Idylle.

Wer schon einmal ein Auge auf Lindas Arbeiten werfen konnte, kennt die Liebe der skandinavischen Fotografin zu Requisiten. Sie geben den Bildern zusätzliche Texturen und Farben und tragen entscheidend zur Stimmung bei. „Ich habe so viele Requisiten“, sagt sie. „Meistens sind das ältere Gegenstände, die ich in Secondhand- und Antiquitätenläden gefunden habe – sie helfen beim Erzählen einer Geschichte. Wenn ich einen rustikalen, stimmungsvollen Look anstrebe, helfen antike Requisiten. Wenn ich einen hellen, modernen Look haben will, wähle ich Requisiten mit klareren Linien und weniger Muster und Farbe.“

Lindas Arsenal an Hintergründen ist so umfangreich wie ihre Requisitensammlung und umfasst alle möglichen Materialien wie Tapeten, Geschenkpapier, Leinenvorhänge, Holzkisten, alte Türen und Stühle und sogar alte Koffer. „Es muss nicht immer ein Holztisch sein“, sagt sie. „Du kannst aus praktisch allem einen Hintergrund machen. Vielleicht einfach mal ein paar Holzstücke anstreichen? Du kannst jede Seite in einer anderen Farbe streichen, und sie einfach umstreichen, wenn du andere Farben brauchst.“

5. Den eigenen Stil durch das Experimentieren mit Objektiven verfeinern

Das Objektiv wählst du abhängig von der Bildkomposition.

Normalerweise verwendet Linda ihre Canon EOS 5D Mark II (deren Nachfolger die Canon EOS 5D Mark IV ist) mit einem ihrer vier Lieblingsobjektiven – dem Canon EF 50mm f/1.2L USM, dem Canon EF 85mm f/1.2L II USM, dem Canon EF 100mm f/2.8 Macro USM und dem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM. Welche Objektiv sie dann jeweils wählt, hängt von der Geschichte ab, die sie gestalten möchte.

„Wenn du mit dem Fotografieren startest, ist das Canon EF 50mm f/1.8 STM eine ideal Wahl für den Beginn“, sagt sie. „Es ist preisgünstig, und die Tatsache, dass du mit einem niedrigen Blendenwert, also einer großen Blendenöffnung fotografieren kannst, hilft in Situationen mit wenig Licht. Das ist sehr wichtig, wenn du in einem Land lebst, in dem die Winter lang und dunkel sind. Außerdem hat es die perfekte Brennweite, um eine Szene einzufangen, ohne zu nah heranzugehen. Eine weitere gute Option wäre das Canon EF-S 60mm f/2.8 Macro USM – es ist vergleichbar mit meinem Makroobjektiv, das unglaublich scharf ist.

Wenn man aus mehr Entfernung fotografiert, empfiehlt Linda ein Objektiv mit einer kürzeren Brennweite. „Wenn du den ganzen Tisch fotografieren willst, solltest du ein Objektiv wie das Canon EF-S 35mm f/2.8 IS Macro STM wählen, was ich auch für Aufnahmen von oben nach unten empfehle.“ Vergiss nicht, dass bei einer Kamera mit APS-C-Sensor wie der Canon EOS 850D, ein 35mm-Objektiv einen Brennweitenumrechnungsfaktor von 1,6 hat, was bedeutet, dass derselbe Bildwinkel wie bei einem 50mm-Objektiv mit einer Vollformatkamera abgebildet wird.

6. Aus verschiedenen Positionen fotografieren

Linda wählt ihren Aufnahmewinkel je nach dem, was sie an den Speisen hervorheben will. Bei diesem Bild war es das dekorative Rhabarbermuster auf der Oberseite der Torte, so dass ein von oben nach unten gerichteter Winkel am besten funktionierte.

Während die meisten Menschen bei Food-Fotografie an Aufnahmen im Top-Down-Instagram-Stil denken, findet Linda, dass es wichtig ist, auch andere Blickwinkel auszuprobieren. „Ich wähle immer den Blickwinkel, der das, was ich ausdrücken möchte, am besten darstellt. Eine hoch aufgeschichtete Torte würde ich eher von der Seite aufnehmen und die einzelnen Stücke auf dem Teller dann von oben.“

Da die meisten Arbeiten von Linda auch in ihrem Blog erscheinen, ist sie der Meinung, dass die Menge genauso wichtig ist, wie Qualität, „Ich poste sehr viele Aufnahmen. Darum versuche ich, aus verschiedenen Blickwinkeln zu fotografieren, um mehr Abwechslung zu schaffen und die Inhalte interessant zu machen.

7. Große Blendenöffnung und niedriger ISO-Wert

Die Unterbelichtung des Bildes lässt die Requisten dunkler erscheinen und verleiht dem Bild eine stimmungsvolle, herbstliche Stimmung.

Um ihren bezaubernd atmosphärischen Stil zu schaffen, fotografiert Linda normalerweise mit einer großen Blendenöffnung und einem niedrigen ISO-Wert. „Ich arbeite meist mit F1.8 bis F3.2, selten mit einem höheren Blendenwert“, sagt sie. „Eine kleinere Blende würde ich nur für Top-Down-Fotos mit vielen Objekten auf verschiedenen Höhen verwenden, auf die ich scharf stellen möchte, aber ich gehe selten über F5 hinaus.“

„Ich empfehle auch, mit einem geringen ISO-Wert zu arbeiten, ohne dabei zu kurze Belichtungszeiten einzusetzen. Bei Aufnahmen aus der freien Hand versuche ich, um die 1/125 Sek. zu verwenden. Wenn ich mit einem Stativ arbeite und sich das Motiv nicht bewegt, kann man längere Belichtungszeiten einsetzen.“ Die ISO-Empfindlichkeit ist je nach Kameramodell unterschiedlich. Aber eine gute Ausgangseinstellung ist die niedrigste ISO, die verfügbar ist. Niedrige ISO-Werte bedeutet weniger Bildrauschen, was besonders wichtig ist, wenn du deine Bilder vergrößern oder drucken willst.

Die stimmungsvollen Bilder von Linda werden auch als Low-Key-Aufnahmen bezeichnet. Dabei wird das eigentliche Motiv korrekt belichtet, die Objektive drumherum sind jedoch dunkler. Linda bearbeitet ihre Aufnahmen, um den gewünschten Look zu erreichen, aber sie sagt, dass Einsteiger auch ohne teure Software auskommen. Die Canon Software Digital Photo Professional ist kostenlos im Lieferumfang von Canon Kameras enthalten. Außerdem gibt es jede Menge kostenlose Apps zur Fotobearbeitung auf dem Smartphone. Und damit du deine Bilder sofort bearbeiten und teilen kannst, lädst du die Aufnahmen deiner WLAN-Kamera auf image.canon.



Verfasser: Natalie Denton

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