Elisa: Denkst du, die KI fördert den Zugang zu Fotografie und Film, so wie es Smartphones gemacht haben?
Wanda: Mein Bruder ist Grafikdesigner und nutzt ebenfalls KI für seine Konzeptbilder. Er sagte, dass praktisch jeder hunderte von Bildern mit KI generieren kann. Letztendlich muss man einen Prompt schreiben können und am Ende ein Bild auswählen, und man braucht nach wie vor ein Verständnis von Licht, Komposition und Storytelling.
Einsteigern würde ich daher auch heute dazu raten, erst eine analoge Kamera in die Hand zu nehmen. Macht euch mit Blende, Verschlusszeit und Empfindlichkeit vertraut, bevor ihr den digitalen Weg geht. Und wenn man diesen Weg gegangen ist, eine eigene Ästhetik und einen eigenen Geschmack entwickelt hat, dann kann man sich vielleicht der KI zuwenden. Man braucht schon einen eigenen Geschmack, eine klare Vision und eine Ästhetik, um KI gut zu verwenden.
Elisa: Genau so habe ich es auch gemacht, ich habe erst mit analoger Technik gelernt und bin dann zur digitalen übergegangen. Ich fürchte, jüngere Generationen würden das als etwas archaisch bezeichnen. Aber du hast ja eigentlich davon gesprochen, eine eigene Stimme zu finden. Wenn man das, was andere geschaffen haben, einfach wiedergibt und daraus etwas Neues macht, fühlt sich das fast so an, als geht man in eine Galerie und betrachtet ein Werk eines anderen Künstlers. Was fehlt, ist der Prozess, die fremde Kunst selbst zu extrapolieren und dann zu kondensieren. Es scheint, dass die Menschen in Zukunft vielleicht seltener ihre eigene Stimme und Intuition entwickeln.
Clive: Es gibt da ein Wort, das ich gerne einwerfen würde: Handwerkskunst. Wisst ihr, am Ende geht es immer um Handwerkskunst.
Elisa: Ich liebe dieses Wort. Dieses Konzept, für seine Kunst zu bluten, gibt es ja aus gutem Grund. Das kennt bestimmt jeder von uns hier: Es ist fast so, als wäre es die Kunst, die dich auswählt. So, du bist ab jetzt in diesem Leben gefangen.
Clive: Bei den Objektiven haben wir heute wirklich herausragende Technologie, und ich arbeite mit den besten Kameras, die ich je hatte. Aber es geht weniger um die Technologie, als um die Menschen – das geistige Eigentum, das wir in unseren Köpfen tragen. All unser Wissen, und nicht nur das Wissen aus Fotografie und Filmproduktionen. Unsere Lebenserfahrung, und wie wir sie weitergeben, so wie im Rahmen des Canon Young People Programme.
Wanda: Es ist so wichtig, junge und aufkommende Fotografen zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, ihre Stimme zu entwickeln. Denn ja, am Ende des Tages kann das die KI nicht reproduzieren.
Tania: Ich gebe ja auch Unterricht, und versuche den Menschen immer häufiger genau das beizubringen: Ihre eigene Stimme zu entwickeln und sich darauf zu konzentrieren, was sie zum Prozess beitragen, und wer sie sind. Dann muss man sich natürlich auf die handwerklichen Grundlagen konzentrieren und üben.
Ich denke, wenn man neu in der Branche ist, hat man doch diese innere Neugierde. Einsteiger finden zum Beispiel das Genre Film interessant, weil alle anderen etwas anderes machen. Genau dieses Feuer muss man am Leben halten.