Vom kreativen Konzept zum Mode-Fotoshooting: Ein Profi-Leitfaden für rundum glückliche Kunden

Die professionelle Beauty- und Modefotografin Heidi Rondak erzählt uns, wie sie eine Idee in ein Fotoshooting verwandelt, das Kunden gefällt. Dabei gibt sie Tipps zum Aufbau eines effektiven Moodboards, zu den logistischen Feinheiten und zur Kommunikation am Set.
Eine Fern und Nahaufnahme eines Modells in High Fashion, aufgenommen von Canon Ambassador Heidi Rondak mit der Canon EOS 5D Mark IV

NAZAR für Schön! Magazine, Modell ist Wang Z. von Mirrrs Models, Styling von Izabela Macoch, Frisur und Make-up von Claudia Fischer. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV (mittlerweile ersetzt durch die EOS R5 Mark II) mit einem Canon EF 16-35mm f2.8L III USM Objektiv (äquivalent im R System ist das RF 15-35mm F2.8L IS USM), bei 16 mm, Verschlusszeit 1/200 Sek., Blende 1:6 und ISO 800. © Heidi Rondak

In Fotokampagnen beginnt die Gestaltung von Bildern selten am Set. Lange vor dem Griff zur Kamera müssen Ideen entwickelt, visualisiert, verfeinert und kommuniziert werden. Von der ersten Konzeption zur finalen Ausführung – der Erfolg eines Fotoshootings hängt von einer klaren Vision und der Zusammenarbeit mit anderen ab.

Im folgenden Artikel stellen wir die wichtigsten Phasen in diesem Prozess vor – wie du ein Moodboard aufbaust, praktische Beschränkungen berücksichtigst und bei den Aufnahmen für klare Kommunikation sorgst.

Wie sich Moodboards erstellen lassen

Vielleicht brennst du schon darauf, zu erfahren, wie du selbst ein Moodboard mit deinen Aufnahmeideen erstellen kannst. Letztendlich ist das der kreativste Teil in der Vorbereitung auf Kampagnenaufnahmen, wodurch du erst zu einem richtigen Künstler wirst. Zunächst wollen wir aber Klarheit schaffen, was das überhaupt ist, und was ein gutes von einem grossartigen Moodboard unterscheidet.

Definitionsgemäss sind Moodboards verschiedene Arten von Präsentationen, die Bilder, Texte und mehr kombinieren, um Gefühle zu einem Thema zu vermitteln. Ein solches Moodboard kann als Skript dienen, mit dem du ein gutes Fototeam von dir überzeugst. Später fungiert es wie ein Überblick, auf den sich alle bei der Vorbereitung und am Tag der Aufnahme stützen. Moodboards sind also wichtige Kommunikationswerkzeuge. Wenn sie gut gestaltet werden, können sie abgrenzen, welche Bilder verschiedene Elemente von Fotoaufnahmen darstellen.

Porträt von Fotografin und Canon Ambassador Heidi Rondak
Heidi Rondak ist auf Beauty- und Modefotografie sowie auf die Videoregie spezialisiert. Sie verspürt den einzigartigen Drang, Konzepte durch Recherche und Erkundung in Realität zu verwandelt. © Hannes Caspar

Hier erzählt sie uns im Detail von ihrem Prozess und gibt Hilfestellung für dein nächstes Mode-Fotoshooting – von der Planung bis zu den Aufnahmen.

Ein starkes Moodboard für deine Aufnahmen erstellen

Es gibt aber keine schlechten Moodboards. Wenn bei deinem Fotoshooting einfach nur ein Moodboard vorhanden ist, dann ist das viel besser, als wenn es gar keine selbsterklärenden Bilder gibt. Du solltest aber schon dafür sorgen, dass keine Missverständnisse auftreten, also investiere lieber etwas mehr Arbeit, wenn du Moodboards erstellst.

Die Idee, die dir für deine Kampagne vorschwebt, ist in deinem Kopf vielleicht völlig klar. Wir haben aber einige Fragen vorbereitet, die dir helfen sollen, deine Vision zu offenbaren und greifbar zu visualisieren. Es ist nämlich viel besser, keinen Raum für Interpretationen zu lassen.

Im Leben und in der Fotografie gibt es keine dummen Fragen. Finde Antworten auf die folgenden Punkte, und du kannst dein Konzept feiner ausarbeiten, Lücken aufdecken und schon frühzeitig Fehler beheben. Manchmal passen die Dinge in unserer Vorstellung perfekt zusammen, sind in der Realität aber inkompatibel oder erdrückend. Es bricht dir vielleicht das Herz, einige „deiner Lieblinge zu verwerfen“, doch es lohnt sich einfach, mutige Entscheidungen zu treffen und dein Konzept zu verfeinern.

Wichtige Aspekte deiner kreativen Leitung

Neben den offensichtlichen Stilmitteln (wie Hintergrund oder Ort) solltest du die folgenden Details klarstellen und idealerweise durch passende Stimmungsbilder repräsentieren:

  • Welche Arten von Kleidung passen zu deinem Stil? (Farben, Stoffe, Schnitte, Schuhe, andere Marken)
  • Welche Posen soll das Modell einnehmen? (Gestellt oder zufällig, feminin oder maskulin, dynamisch oder unbewegt)
  • Wie soll sich das Modell geben? (Lächelnd, sexy, süss, leidenschaftlich)
  • Wie viel Raum soll in deinen Fotos um das Modell herum bleiben?
  • Welche Atmosphäre wird das Licht erzeugen?
  • Welche Schatten möchtest du zulassen? (Welche Arten von Schatten sollen auf das Modell und das Produkt fallen?)
  • Verwendest du Farbe oder bevorzugst du Schwarz-weiss-Modefotografie?
  • Welche Bildelemente sollen besonders ins Auge fallen?
  • Verwendest du Requisiten, und wenn ja, welche und wie?
  • Planst du präzise gestellte Aufnahmen? (Welche Szenen brauchst du vielleicht?)

Dein Moodboard in klare Kategorien einteilen

Wenn du die allgemeinen Unklarheiten beseitigt und schlüssige Stimmungsbilder ausgewählt hast, unterteile deine Bilder in verschiedene Kategorien, statt sie zu einer einfachen Collage zusammenzufügen.

Je nach Projekt könntest du z. B diese Kategorien verwenden: „Stimmungen“, „Styling“, „Make-up“, „Frisuren“, „Licht“, „Foto-Look“ oder „Filter“, „Ort“, „Requisiten“, “Modell” oder “Modelltyp” und „Attitüde“. Einige Projekte lassen sich mit weniger Definitionen beschreiben, andere erfordern vielleicht mehr. Du musst selbst entscheiden, welche Kategorien für deine Aufnahmen relevant sind.

Wenn du dein Material strukturierst, wirst du wahrscheinlich Inkonsistenzen erkennen, falls es welche gibt. Du hast hier die Chance, redundante Elemente zu entfernen, Kategorien zu verfeinern und Defizite gezielt mit passenden Bildern zu kompensieren.

Ein Moodboard für Modefotografie präsentieren

Wenn dein Moodboard vollständig und in Kategorien unterteilt ist, wird es Zeit, die ganze Idee allen potenziellen Beteiligten an der Produktion zur Verfügung zu stellen. Ob du das Moodboard noch genauer erklären musst oder direkt dem Ausführungsteam sendest – halte die Dinge gut strukturiert und unkompliziert genug, damit deine Absichten auf einen Blick klar werden.

Wir empfehlen, Typografie nur spärlich einzusetzen und dennoch die wichtigsten Informationen zum Projekt und zu den Beteiligten zu vermitteln. Wenn du Teammitglieder angibst, ist es wichtig, ihre Portfolios und Kontaktinformationen zu verknüpfen. Eine kurze Projektbeschreibung ist optional, kann dem Publikum aber helfen, das Ganze besser zu verstehen. Gib jeder Kategorie eine klare Überschrift und ergänze die in Bildern erzählten wichtigsten Punkte mit ein paar verständlichen Worten.

Eine Serie mit 4 Design-Mustern, um Moodboards darzustellen.

Ein Beispiel eines Moodboard-Schemas © Heidi Rondak

Teste deine Idee: der Realitätscheck

Sobald es fertig und bereit ist, mit potenziellen Teammitgliedern geteilt zu werden, ist dein Moodboard das beste Tool, um deine Produktionspläne visuell zu kommunizieren. Ein gutes Moodboard kann die Crew für das Projekt begeistern, indem es dein Konzept aufzeigt.

Wenn du noch niemanden angestellt hast, ist das Moodboard unabdingbar, um Profis für deine Sache zu gewinnen. Es beantwortet viele ihrer Fragen, bevor sie gestellt werden. Worte lassen vielleicht zu viel Raum für Interpretationen, visuelle Referenzen sind meist klarer.

Passe dein Konzept an

Beim Briefing kommen vielleicht Fragen oder Zweifel auf. Teammitglieder weisen vielleicht auf Aspekte hin, die verdeutlicht werden müssen oder in der Ausführung einfach unmöglich sind. Das ist im ersten Moment vielleicht unbequem, aber dank konstruktiver Kritik kannst du Fehler schon frühzeitig beseitigen und dein Konzept verfeinern. Du erhältst damit die Chance, nicht zum Konzept passende Stimmungen mit besseren Bildern zu ersetzen.

Herausforderungen beim Modell-Casting:


Auch beim Casting des Modells musst du flexibel bleiben. Vielleicht wünschst du dir ein bestimmtes Modell, aber die Verfügbarkeit kann ein Problem sein. In diesem Fall kannst du dich nach einem ähnlichen Typ umsehen, oder du verliebst dich in einen ganz neuen. So oder so – deine ursprünglichen Pläne für Haar und Make-up müssen sich je nach dem Aussehen des Modells vielleicht ändern. Einen Look zu finden, der immer noch zu dem Konzept passt, ist keine einfache Aufgabe, aber das Team kann dich dabei unterstützen.

Beschränkungen durch den Ort:


Auch beim Erkunden von Aufnahmeorten können sich Änderungen ergeben. Der perfekte Ort ist vielleicht zu teuer, unerreichbar oder nicht sicher genug. In solchen Fällen musst du zwar vielleicht deine Erwartungen senken, aber nicht deine Ansprüche an die Qualität. Vielleicht kannst du einfach minimalistischer an das Konzept herangehen.

Vereinfache das Storytelling durch visuelle Details:


Das gilt auch für Requisiten. Die Fotografie schafft Illusionen, die uns dabei helfen, uns eine Geschichte vorzustellen. Ein einzelnes symbolisches Element kann bereits ein Narrativ aufwerfen, ohne dass du ein ganzes Setup dazu brauchst. Wenn ein Modell zum Beispiel einen Ballon, einen Muffin oder ein Glas Champagner in der Hand hält, kann das schon eine Feier andeuten, zum Beispiel ein Jubiläum.

Dein Konzept an die Realität anzupassen, muss nicht automatisch heissen, dass du deine Ideen oder Werte kompromittierst. Es hilft dir dabei, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, bevor sie zum Problem werden.

Zwei Bilder nebeneinander zeigen Porträts einer Frau in High Fashion für das FACES Magazine, aufgenommen von Heidi Rondak.

„Things I Do When No One is Watching“ für das FACES Magazine, das Modell ist Djenice Duarte Silva von ICONIC, Styling von Samir Abou-Suede, Frisur und Make-up von Ivana Zoric, Assistent für Haare und Make-up Sinan Salihovic, Location Oblik Berlin. Foto aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV (mittlerweile ersetzt durch die EOS R5 Mark II) mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv (äquivalent im R System ist das EF 24-70mm F2.8L IS USM), bei 40 mm, Verschlusszeit 1/160 Sek., Blende 1:7 und ISO 400 + 800. © Heidi Rondak

Welche Rolle die Kommunikation für ein erfolgreiches Mode-Fotoshooting spielt

Mit einem verfeinerten Konzept ist Kommunikation der Schlüssel, für deine Kampagne die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Ob Bildmaterial, Verhandlungen oder Zeitplanung, das alles dient dazu, Informationen bereitzustellen. Es kann aber zu Missverständnissen kommen, wenn es an persönlicher Kommunikation mangelt.

Die Fotoaufnahmen können nur dann nach Plan verlaufen, wenn alle Beteiligten mit jedem Aspekt in der Vorstellung vertraut sind. Wenn du Kommunikation zu einem festen Bestandteil der Vorbereitungen machst, ersparst du dir zeitraubende und stressige Diskussionen am Set. So sorgst du für einen reibungslosen Workflow, bei dem Zusammenarbeit gross geschrieben wird. Letztendlich werden Menschen, die klar kommunizieren, auch häufiger verstanden.

Halte Budget und Erwartungen frühzeitig im Zaum:


Es ist wichtig, offen über Geld zu sprechen, auch wenn es vielleicht unangenehm ist. Wenn du das Thema vermeidest, führt das später häufig zu Unsicherheit, Spannungen und Frust. Das Budget ist ein zentraler Faktor in der Produktion, weshalb du schon früh darauf eingehen solltest. Offene und freundliche Gespräche machen Verhandlungen erst möglich, um Lösungen zu finden, mit denen beide Seiten zufrieden sind.

Wenn es ums Geschäft geht, sollten Überraschungen vermieden werden. Unerwartete Änderungen, wie neue Crewmitglieder, mehr Ergebnisse als vereinbart, oder unangekündigte Produktionselemente, können die Organisation stören und wirken sich schnell auf die Atmosphäre am Set aus. Mit einer klaren Kommunikation im Voraus wissen alle Beteiligten, was passieren wird, und können sich entsprechend vorbereiten.

Mit Zusammenarbeit hältst du das Shooting auf Kurs:


Während der Aufnahmen ist Kommunikation ebenso wichtig. Die verantwortliche Person prüft laufend die aufgenommenen Bilder, gibt Feedback und bestätigt, ob die erwarteten Ergebnisse erreicht werden. Dann kann das Team weiterarbeiten. Das richtige Timing erfordert stete Aufmerksamkeit, und klares, sofortiges Feedback sorgt den ganzen Tag dafür, dass die Arbeit effizient erledigt wird.

Du kannst Verantwortung auch abgeben, zum Beispiel an eine künstlerische Leitung. Dazu ist aber ein gründliches Briefing erforderlich, um die ursprüngliche Vision zutreffend zu kommunizieren. Ganz allgemein beugt eine offene und respektvolle Kommunikation nicht nur Problemen vor, du schaffst damit eine angenehme Arbeitsatmosphäre, in der das Team effektiv zusammenarbeiten kann.

Zwei Bilder einer Studio-Location nebeneinander. Auf dem linken Bild ist ein Scrim zu sehen, und ein Assistent stellt eine Leuchte neu ein. Rechts ein Porträt von Heidi Rondak, die eine Canon EOS R6 Mark II Kamera in der Hand hält.

Hinter den Kulissen mit Heidi Rondak. © Heidi Rondak & Hannes Caspar

Damit die Vision zur Wirklichkeit wird

Vom Formen eines Konzepts zur Ausführung am Set, geht es bei der Modefotografie um Visualisierung, Anpassungsfähigkeit und Kommunikation. Ein Moodboard verwandelt Ideen in eine gemeinsame Vision, ein Realitätscheck verfeinert diese Vision, und klare Kommunikation sorgt für eine erfolgreiche Ausführung.

Heidi Rondak, Canon Ambassador
Hier geht es zu ihrer Website: https://www.heidirondak.com/

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