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7 Fallstricke beim Filmen – und wie man sie vermeidet

Filmemacher Roberto Palozzi und Juan Luis Cabellos sprechen über die größten Fehler, die sie zu Beginn ihrer Karriere gemacht haben, und erklären, wie du sie vermeiden kannst.

Mit zunehmender Erfahrung investierte Palozzi immer mehr Zeit in seine einzelnen Filmprojekte. „Zu Beginn habe ich Dokumentationen sehr schnell gedreht und dachte eigentlich, dass ich noch schneller würde, wenn ich mehr Erfahrung hätte“, erinnert er sich. „Aber genau das Gegenteil ist eingetroffen. Anfangs musste ich nur ein paar Variablen steuern. Jetzt, da ich mehr weiß, ist alles viel komplizierter.“ © Roberto Palozzi

Was würden Profis anders machen, wenn sie noch einmal von vorn beginnen könnten? Jeder fängt mal klein an, und gerade in der Filmbranche gibt es für Neulinge allerlei zu lernen – von technischen Aspekten bis zum Finden der Position, in der man sich selbst in die große Produktionsmaschinerie einfügt.

Fehler gehören bei diesem Lernprozess dazu, aber ebenso wichtig ist es, von anderen zu lernen. Der italienische Dokumentarfilmer und TV-Moderator Roberto Palozzi, der die Videoproduktionsfirma Erebus Productions leitet und Wissenschafts- und Naturfilme für das italienische Fernsehen dreht, hat sein Handwerk durch nach dem Trial-and-Error-Prinzip gelernt.

Seinen Durchbruch hatte Palozzi, als er Tiere in der Antarktis filmte, wo die atemberaubende Landschaft seine praktischen Defizite kompensierte. „Ich hatte zwar kaum Erfahrung, stand aber zusammen mit Seelöwen und Kaiserpinguinen mitten auf dem gefrorenen Meer. Es war daher ziemlich einfach, gutes Material zu sammeln – nicht, weil ich so ein guter Filmer war, sondern weil alles um mich herum einfach so fantastisch war.“

Kameramann Juan Luis Cabellos (AEC) lebt in Madrid, wo er bereits an zahlreichen spanischen Fernsehserien gearbeitet hat. Die jahrelange Erfahrung in der Fernseh- und Filmbranche hat ihn gelehrt, wie wichtig es ist, eine gute Einstellung gegenüber der Arbeit und den Kollegen zu haben.

„Als Profi in der Branche muss man zuverlässig sein“, sagt Cabellos. „Ein Filmteam ist im Grunde wie ein Boxenstopp-Team bei einem Autorennen. Wenn ein Mitglied versagt, wird das Auto nicht rechtzeitig fertig. Daher ist es besser, nicht der tollpatschige Mechaniker zu sein, der den ganzen Betrieb aufhält.“

Hier verraten Cabellos und Palozzi, was sie bei ihrer jahrelangen Arbeit am Set gelernt haben und welche sieben Fallstricke du bei deinen ersten Schritten in der Filmbranche vermeiden solltest.
Filmemacher Juan Luis Cabellos filmt mit einem Rig auf der Schulter.

Cabellos empfiehlt, Inspiration aus den Arbeiten von Fotografen und Malern zu schöpfen. „Besuche Ausstellungen, sieh dir an, wie die Bilder entstanden sind, und tüftle dann aus, wie du sie nachahmen kannst. Das wird dir bei deiner täglichen Arbeit helfen.“ Er wünschte, er hätte zu Beginn seiner Karriere verstanden, wie viel es noch zu lernen gibt. © Juan Luis Cabellos

1. Versuchen, alles selbst zu machen

Obwohl es natürlich gut ist, alle Aspekte eines Shootings kennenzulernen, kommt man leicht in Versuchung, alles selbst machen zu wollen – ein Fehler, vor dem sowohl Cabellos als auch Palozzi warnen.

„Dieser Job erfordert definitiv Teamwork“, sagt Cabellos. „Du musst unbedingt wissen, wie alles funktioniert, nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die Kommunikation mit der restlichen Crew. So kannst du besser verstehen, wie die täglichen Abläufe bei einem Film aussehen. Vor allem musst du nett zu den Leuten sein, ganz gleich, ob du der Regisseur oder ein Assistent auf unterster Ebene bist. Letztendlich sind wir alle mehr als nur ein Team, fast schon eine Familie.“

„Ich habe versucht, alles selbst zu machen“, sagt Palozzi. „Das funktioniert vielleicht für Fotografen, aber nicht für Videofilmer. All die Variablen einer Videoproduktion zu kontrollieren, geht einfach nicht alleine. Wenn du eine gute Doku drehen möchtest, dann such dir ein Team.“

2. Den Ablauf nicht verstehen

Da er ursprünglich aus der Fotografie kommt, war Palozzi zu Beginn immer auf der Suche nach dem perfekten Bild. Dieses Konzept lässt sich jedoch nicht so einfach auf Videos übertragen. „Bei der Fotografie zeigt man einen Moment, aber Videos müssen eine Geschichte erzählen. Ein wunderschöner 20-Sekunden-Ausschnitt ist wertlos, wenn ihm kein Ausschnitt vorangeht bzw. folgt.“

„Ich wünschte, ich hätte verstanden, dass jeder Ausschnitt mit denen davor und danach zusammenhängt. Ein besseres Verständnis für Videoübergänge hätte mir definitiv sehr geholfen. Wenn man eine Dokumentation dreht, muss man das finale Ergebnis schon im Hinterkopf haben, auch wenn es erst beim Editing entsteht. Und wenn man weiß, was im Editing passiert, kann man das schon beim Filmen berücksichtigen.“
Filmemacher Roberto Palozzi bei Videoaufnahmen mit einer Canon Videokamera mit dem Rücken zum Ufer.

Der italienische Dokumentarfilmer Roberto Palozzi macht Filme zu den Themen Wissenschaft und Natur für das italienische Fernsehen. „Wenn man als Fotograf in die Welt des Filmens eintaucht, muss man seine Perspektive ändern“, rät er. „Die Suche nach der perfekten Aufnahme ist nicht der richtige Ansatz für Videos. Ich hatte wunderschöne Szenen, die ich aber nicht in meine Dokumentationen aufgenommen habe, ganz einfach weil sie nicht zur Geschichte gepasst haben.“ © Roberto Palozzi

3. Denken, dass man nichts mehr dazulernen kann

„Glaub mir, niemand weiß alles“, sagt Cabellos. „Du musst so viel filmen wie möglich, besonders am Anfang. Indem du alles von Kurzfilmen über Musikvideos bis hin zu Firmenvideos ausprobierst,“ betont er, „lernst du, was an einem Set möglich ist und was du vermeiden solltest“.

Außerdem empfiehlt Cabellos, Kurse an einer Filmschule zu besuchen, um das Handwerk zu erlernen. „Das empfehle ich allen, die in die Branche einsteigen wollen. Es muss auch nicht die renommierteste oder teuerste Schule sein. Das Angebot in Europa ist breit gefächert, daher findest du sicher eine, die deinen Anforderungen entspricht. Dort triffst du Leute, die sich in der gleichen Lage wie du selbst befinden, und kannst mit deinen Kollegen an Projekten arbeiten, um Erfahrung und ‚Flugstunden‘ zu sammeln.“

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Palozzi gibt zu, dass er sich nicht sonderlich für Bitraten und Codecs interessiert. Dennoch ist ihm bewusst, dass man sie kennen und verstehen muss. „Diesen Teil der Arbeit mag ich nicht besonders, aber du solltest unbedingt wissen, wie deine Ausrüstung funktioniert. Wenn deine Kamera keine gute Leistung bei wenig Licht bietet, dann kannst du eben nicht bei wenig Licht filmen. So einfach ist das. Mit dieser Erkenntnis sparst du Zeit und Geld und ersparst dir Enttäuschung, am Ende mit leeren Händen nach Hause zurückzukehren.“ © Roberto Palozzi

Filmemacher Roberto Palozzi steht bis zur Brust mit seiner Canon Kamera in einem See.

Palozzis wichtigster Rat betrifft das eigene Verhalten und wie man sich selbst präsentiert. „Wie eigentlich überall kommt man auch in der Filmbranche nur schwer voran, wenn man arrogant ist“, sagt er. © Roberto Palozzi

4. Feldtiefe und Weitwinkel zu oft verwenden

„Zu Beginn dachte ich, dass extreme Einstellungen am besten wären“, sagt Palozzi, der früher für Weitwinkelaufnahmen ein 12-mm- anstelle eines 45-mm-Objektivs bevorzugte, extreme Teleeinstellungen wie 400 mm statt 200 mm verwendete und öfter als eigentlich nötig versuchte, eine geringe Schärfentiefe zu erreichen.

„Heute bin ich der Meinung, dass man auf Einfachheit, fließende Übergänge und einen natürlichen Look setzen sollte. Wenn du häufig von Extremen Gebrauch machst, bist du wohl auf der Suche nach etwas, um die Mängel deiner Geschichte zu kaschieren. Wenn die Geschichte aber gut ist, muss man nicht auf Extreme zurückgreifen, und wenn das Bildmaterial einfach und fließend ist, unterstützt es die Geschichte besser.“

5. Ton unterschätzen

„Ich dachte, der Ton wäre nicht wichtig“, erinnert sich Palozzi. „Ich war der Meinung, dass man sich immer noch später darüber Gedanken machen könne. Aber wenn man keine gute Audioqualität aufgezeichnet hat, lässt sich das im Nachhinein nicht mehr retten. Ein Video besteht aus Bild und Ton. Wenn die Audioaufnahme also nicht auf dem gleichen Niveau wie das Bildmaterial ist, ist das finale Video einfach nicht gut. Der Ton sollte daher nicht als zweitrangig betrachtet werden.“

Palozzi, der mit verschiedenen Canon Cinema EOS Kameras filmt, sagt, dass er besonders ihre integrierten Audiofunktionen schätzt. „Die Canon EOS C200, EOS C500 Mark II und EOS C300 Mark III sind so gut, weil sie wunderschönes, professionelles Audio in einer sehr hohen Qualität liefern“, berichtet er.

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6. Alles auf die Post-Production schieben

„Eine stimmige Belichtung entsteht am Set“, sagt Cabellos. „Das Bild muss auf dem Set-Monitor genauso schön aussehen wie beim finalen Colour Grading. Die Farbkorrektur sollte nur eine Feinabstimmung sein, bei der geringfügige Unterschiede zwischen den Einstellungen ausgeglichen, die finalen Nuancen in der Farbreproduktion herausgearbeitet und andere Anpassungen wie Masken vorgenommen werden.“

„Zu versuchen, die allgemeine Stimmung aus einer neutralen Datei im Farbraum zu bestimmen, ist nahezu unmöglich. Es gibt viele Entscheidungen, wie die Lichteinfallrichtung, die sich in der Post-Production nicht rückgängig machen lassen.“

Cabellos betont auch, dass die Belichtung sorgfältig gewählt werden muss, anstatt sich nur auf das RAW-Format zu verlassen. „RAW-Dateien sorgen für einen großen Spielraum bei der Post-Production, aber du darfst keine grenzenlose Magie erwarten. Wähle daher deine Blendeneinstellung mit Bedacht, und passe die Farbtemperatur so an, dass die Einstellungen dem gewünschten Look entsprechen.“
Roberto Palozzi steht auf einer Klippe am Ufer mit einer Canon Kamera auf einem langarmigen Rig.

„Meine erste Ausrüstungstasche war total schwer“, erinnert sich Palozzi. „Ich war so dumm zu glauben, dass ich alles mitnehmen müsse. Wenn ich heute nicht sicher bin, ob ich ein bestimmtes Teil verwenden werde, dann bleibt es zu Hause.“ © Roberto Palozzi

Filmemacher Juan Luis Cabellos filmt mit einer Kamera auf einem Stativ.

Cabellos betont, wie wichtig es ist, als Team zusammenarbeiten und zu verstehen, dass man als Kameramann oft nicht alle Aspekte selbst kontrollieren kann. © Juan Luis Cabellos

7. Die eigene Ausrüstung nicht kennen

Palozzi erinnert sich noch an seine ersten Drehs, bei denen er mit schwerem Gepäck voller Ausrüstung auftauchte. Das war teils auf seine mangelnde Erfahrung, teils auf eine unzureichende Planung zurückzuführen. Er wusste nicht, welche Kameras und Objektive für welches Szenario geeignet waren oder welche Einstellungen er einfangen wollte, daher hatte er zur Sicherheit einfach alles dabei.

„Im Laufe der Jahre wurde meine Tasche leichter und leichter“, sagt er. „Ich versuche, nur das mitzunehmen, was ich auch tatsächlich verwenden werde. Daher überlege ich mir vorab, was ich machen will, statt es einfach darauf ankommen zu lassen. Heute habe ich genaue Vorstellungen von dem, was ich filmen möchte, und kann darauf vertrauen, dass ich die richtige Ausrüstung dafür dabei habe.“

„Es ist sehr wichtig, sein Werkzeug gut zu kennen. Wenn du genau weißt, wie deine Ausrüstung funktioniert, dann weißt du auch, was du damit tun kannst und was nicht. Daher filme ich mit Canon Kameras. Sie bieten alle Merkmale, die ich für meine Videos brauche. Wenn ich mit Canon filme, kann ich auf das Ergebnis vertrauen.“

Verfasst von Lucy Fulford


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