Fashion Flip Book: Eine VR-Erfahrung hinter den Kulissen

Die Sprache der Modefotografie mit immersiver Technologie erweitern – mit Agata Serge
Eine Ganzkörperaufnahme der Mode- und Porträtfotografin Agata Serge. Auf beiden Seiten von ihr sind vollformatige Modeporträts aus ihrem Fashion Flip Book zu sehen.

Fashion Flip Book – VIP-Eröffnung in Paris, 5. März 2026. © Dorota Szulc

Die in New York ansässige, preisgekrönte Porträt- und Modefotografin Agata Serge entschied sich schon in jungen Jahren, ihre Kunstutensilien gegen eine Kamera einzutauschen, und sich die Grundlagen des Fotografierens selbst beizubringen. 2016 begann sie ihren Masterabschluss in Fotografie und ihre Arbeiten wurde schon bald weltweit veröffentlicht. 10 Jahre später findet man Agata hinter der Kamera, wie sie einige der grössten Namen aus der Kulturszene fotografiert. Es gibt für sie kein Halten, wenn es darum geht, ihre Kreativität immer ein Stück weiter zu treiben.

Heute nimmt sie uns mit hinter die Kulissen des „Fashion Flip Book“-Projekts, bei dem sie die analoge und die digitale Welt auf neuen Wegen zusammengebracht hat.

Die ursprüngliche Idee: die Standbildfotografie mit VR-Filmproduktion kombinieren

Mir war von Anfang an klar, dass das Fashion Flip Book nicht einfach nur ein Buch werden würde. Das Projekt ist hochgradig analog: alles wurde auf Film aufgenommen, von Hand in der Dunkelkammer ausgedruckt und dann sorgfältig zu einem physischen Objekt zusammengestellt. Zeitgleich habe ich aber den ganzen Prozess mit der Absicht dokumentiert, eine begleitende VR-Erfahrung zu schaffen.

Diese beiden Dinge sind zusammen gewachsen, nehmen aber verschiedene Rollen ein. Das Buch enthält die fertigen Fotografien: bearbeitet, ausgewählt und in der Zeit eingefroren. In VR haben wir alles erfasst, was um diese Bilder herum geschah: Die Bewegung, die Atmosphäre am Set, die Gespräche, die Pausen zwischen den Aufnahmen, die kleinen Anpassungen, die man vornimmt, kurz bevor die Blende klickt.

Damit zeigen wir den Teil der Fotografie, der normalerweise verschwindet.

Eine Aufnahme eines gelben Buchs, auf dem verschiedene Namen zu lesen sind, darunter auch der von Agata Serge.

Das Fashion Flip Book enthält 279 analoge Mittelformat-Fotografien ikonischer Models, darunter Helena Christensen, Anja Rubik, Lara Stone, Milla Jovovich und weiteren, aufgenommen über einen Zeitraum von zwei Jahren. Im Buch ist eine interaktive Sequenz zum Blättern versteckt.

Eine Weitwinkel-Aufnahme eines Fotostudios; drei Frauen und ein Mann stehen vor einem weissen gekrümmten Hintergrund, einer sog. „Infinity Curve“. Links bedienen ein Mann und eine Frau eine Kamera.

Amanda Jean Murphy, aufgenommen in New York – beim zweiten von den fünfzehn Shootings. Jede Session in dem Buch wurde im Laufe eines Tages fotografiert.

So wurde die Erfahrung geschaffen: VR-Kit und Workflow

Betrachter erleben die Modefotografie fast nur in Form des fertigen Bildes. Man sieht das Bild, wenn es bereits existiert, erlebt aber nur sehr selten mit, wie es entsteht. Mit VR fand ich einen Weg, diesen Prozess den Betrachtern zu offenbaren. Du stehst nicht einfach vor einem Bild, sondern betrittst selbst die Umgebung, in der es gemacht wurde. Du siehst wie sich die Modelle bewegen, wie das Licht geformt wird, kannst das Team bei der Zusammenarbeit beobachten und den Rhythmus des sich entwickelnden Shootings spüren.

In New York, London, Los Angeles und Paris sind wir von vorne herein mit dieser Absicht an die Shootings herangegangen. Mit der analogen Fotografie konzentrierten wir uns weiterhin völlig auf Standbilder, nahmen aber gleichzeitig räumliches Videomaterial mit dem VR-System von Canon für das immersive Storytelling auf. So konnten wir den Raum um die Fotografie herum dokumentieren, um ihn später in VR erlebbar zu machen. Wir mussten uns ganz andere Gedanken um die Umgebung machen – plötzlich ging es nicht mehr nur um das Bild selbst, sondern um das ganze Drumherum, den Raum, die Bewegung und die Atmosphäre.

Eine Aufnahme davon, wie Agata Serge hinter den Kulissen ein Model fotografiert. Im Vordergrund befindet sich eine Canon EOS R5 C Kamera, wobei die Ausgabe des RF 5.2mm F2.8L DUAL FISHEYE Objektivs auf dem aufklappbaren Bildschirm zu sehen ist.

Während Agata am Set für die kreative Leitung zuständig war, arbeitete sie hinter den Kulissen eng mit Profirst und mit Spezialisten von Canon Europe sowie Canon Poland zusammen, um die VR-Elemente ihrer Vision zum Leben zu erwecken. Dabei kam das VR-System von Canon zum Einsatz, speziell ein Canon Dual Fisheye Objektiv.

Eine Aufnahme einer Canon EOS R5 C auf einem Stativ hinter den Kulissen, an der ein RF 5.2mm F2.8L Objektiv angebracht ist.

Das Canon VR-Setup war kompakt und doch leistungsstark, und fügte sich nahtlos in den Modefotografie-Workflow von Agata ein. Es umfasste die Canon EOS R5 C Kamera und eine Kombination aus den RF 5.2mm F2.8L DUAL FISHEYE und Canon RF 24-70mm F2.8L IS USM Objektiven.

Das Material in eine VR-Erfahrung zu verwandeln, erforderte ein ganz anderes Herangehen an das Storytelling. Dank der immersiven Erfassungstechnologie von Canon konnten wir die Shootings in räumlichem Video aufnehmen. Die Betrachter konnten so später direkt die Umgebung betreten, in denen die Bilder gemacht wurden.

Zusammen mit Profirst, das die kreative Montage und die technische Integration anführte, formten wir, wie sich die Betrachter durch den Raum bewegen – wohin ihre Aufmerksamkeit gelenkt wird, wie nah sie sich den Motiven fühlen, und wie sich der Rhythmus der Umgebung entfaltet. Mir war sehr wichtig, dass das räumliche Video nicht versucht, das Buch zu imitieren. Das Buch ist taktil und bewegungslos. VR ist räumlich und immersiv. Die beiden Dinge sind miteinander verbunden, existieren aber als zwei separate Möglichkeiten, das gleiche Projekt zu erleben.

Der Aussenbereich einer Ausstellung in Paris mit gedruckten Modeporträts, die durch Tür und Fenster zu sehen sind. Davor läuft eine Frau vorbei.

Die Ausstellung fand vom 5. bis zum 8. März 2026 in Paris statt und brachte Kreative aus der Branche sowie Freunde zusammen, darunter Anja Rubik, Tasha Tilberg, Cristina Cordula, Cole Sprouse und Gustaf Westman. © Dorota Szulc

Eine Frau, Jean Jarvis, verwendet ein Headset, um sich VR-Inhalte anzusehen

Die VR-Erfahrung wurde zu einem der eindrucksvollsten Elemente der Ausstellung. Besucher konnten damit die Welt der Fotoshootings betreten und die Atmosphäre an einem Live-Set aus erster Hand erleben. Hier im Bild ist Jean Jarvis (1202), die Produzentin aller 15 Fotoshootings, die zum „Fashion Flip Book“-Projekt gehören. © Dorota Szulc

Das Ergebnis: Zur Premiere in Paris

Die VR-Erfahrung wurde exklusiv und ausschliesslich während der Ausstellung in Paris präsentiert. Sie wurde dazu entworfen, dass man sie nur im physischen Ausstellungsraum erleben konnte. Im Kern erkundet das Projekt, wie analoges Handwerk und digitale Technologie koexistieren können, ohne miteinander zu konkurrieren.

Das Buch bleibt physisch, langsam und taktil; die VR-Ebene öffnet den Raum um die Bilder und erlaubt es den Betrachtern, den Moment ihrer Schöpfung zu betreten.

Möglich wurde das durch die immersive Imaging-Technologie von Canon: Das Projekt verschob sich von einem rein analogen fotografischen Prozess zu einer räumlichen digitalen Erfahrung, wobei aber die Integrität und Atmosphäre der ursprünglichen Shootings gewahrt blieb.

Die Credits von Agata enthalten unter anderem:

Kreative Leitung, Kamerafrau: Agata Serge

VR-Montage, künstlerische Leitung, kreative Produktion und visuelle Inhalte für die Veröffentlichungen des Fashion Flip Book und die Ausstellungen weltweit: Profirst

Ausrüstung und technischer Support: Canon Europe und Canon Poland

Künstlerische Leitung für das Fashion Flip Book: Federigo Gabellieri

Autorin des einleitenden Essays: Alessia Glaviano

Casting für das Fashion Flip Book: Piergiorgio Del Moro, Agata Serge, Sheri Chiu

Künstlerische Leitung und kreative Produktion für die Ausstellung in Paris: Sophie Gaten und Profirst

Lead-Fotografin an den Eröffnungsabenden: Dorota Szulc

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