Konventionen hinterfragen: Neue Perspektiven für Tier- und Naturfotografie

Vier komplett unterschiedliche Fotografen sprechen über ihre verschiedenen Herangehensweisen für Naturaufnahmen und die beeindruckenden Ergebnisse, die sie mit ihren unorthodoxen Techniken erzielen können.
Markante Silhouette eines Hirschs in einem Lichtkranz auf einem ansonsten dunklen Wildlife-Foto, aufgenommen von Michel d'Oultremont mit einer Canon EOS R6 Mark III mit einem Canon EF 600mm f/4L IS II USM Objektiv und einem Canon Extender EF 2x III.

„Ich glaube, bei meiner Herangehensweise geht es vor allem um Gefühle. Manchmal bewege ich mich ein paar Zentimeter, und das verändert das komplette Bild“, sagt Naturfotograf Michel d'Oultremont. „Diese Tiere leben in freier Wildbahn, man braucht also Geduld und Glück. Ich spiele jedoch gerne mit den natürlichen Elementen.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 Mark III mit einem Canon EF 600mm f/4L IS II USM Objektiv, einem Canon Extender EF 2x III und einem Canon Bajonettadapter EF-EOS R, Verschlusszeit 1/2.500 Sek., Blende 1:8 und ISO 1000. © Michel d'Oultremont

Es ist oft schwierig einen Stil zu finden, der aus der Masse heraussticht. Einen Stil, der das Motiv aus einer ganz neuen Perspektive zeigt. Unmöglich ist es jedoch nicht. Mit der Zeit und durch Erfahrung können auch professionelle Fotografen neue Ansätze für ihre Arbeit finden.

Dani Connor ist Fotografin und Content Creator. Sie zog von England nach Schweden, um dort ihrer Leidenschaft für das Fotografieren von Wildtieren nachzugehen – vor allem von roten Eichhörnchen.

Michel d'Oultremont begann mit dem Fotografieren in Belgien auf dem Land, als er gerade einmal 13 Jahre alt war. Danach baute er sich eine Karriere auf der ganzen Welt auf. Im Laufe der Jahre hat er eine Vielzahl von Preisen gewonnen, unter anderem auch den begehrten Wildlife Photographer of the Year – Rising Star Award im Jahr 2018.

Dafna Tal ist eine Künstlerin, die in mehreren Disziplinen tätig ist. Sie hat in den Bereichen Theater, Skulpturen und Malerei gearbeitet und ihre Berufung schlussendlich als Unterwasserfotografin gefunden. Ihre Arbeiten wurden international auch im Casula Powerhouse Arts Centre in Sydney, Australien, ausgestellt.

Clement Kiragu ist ein Umweltschützer aus Kenia, der Arbeiten geschaffen hat, die unter anderem in der Financial Times und National Geographic veröffentlicht wurden. 2017 wurde er als „Africa's Photographer of the Year“ ausgezeichnet.

Hier sprechen alle vier über einige der Denkweisen, Techniken und Ausrüstungen, die es ihnen ermöglicht haben, sich fotografisch hervorzutun und ihr Genre aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Wildlife-Foto in Schwarz-Weiss eines roten Eichhörnchens im Gegenlicht, wobei die Ohrpinsel und der Körper wunderschön randbeleuchtet als Silhouette erstrahlen. Aufgenommen von Dani Connor mit einer Canon EOS R6 Mark III mit einem Canon RF 100-500mm F4.5-7.1L IS USM Objektiv.

Dani Connors Fokus liegt gleichermassen auf dem Hintergrund wie auf dem Motiv selbst. „Ich möchte eine ganz klare Silhouette, sodass man selbst die einzelnen Schnurrhaare und die Haare am Schwanz noch erkennen kann“, sagt sie. „Je nach Hintergrund bewege ich mich häufig mit der Kamera hin und her.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 Mark III und einem Canon RF 100-500mm F4.5-7.1L IS USM Objektiv bei 223 mm, Verschlusszeit 1/3.200 Sek., Blende 1:5 und ISO 2000. © Dani Connor

Ein rotes Eichhörnchen auf einem Ast, mit der Sonne im Hintergrund, die den Körper mit deutlich sichtbarem Streulicht umgibt. Wildlife-Foto, aufgenommen von Dani Connor auf einer Canon EOS R6 Mark III mit einem Canon RF 135mm F1.8 L IS USM Objektiv.

Schon eine minimale Veränderung des Aufnahmewinkels kann den Unterschied ausmachen – in diesem Fall bricht das Sonnenlicht hinter dem Eichhörnchen hervor und sorgt so für eine besonders eindrucksvolle Aufnahme. Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 Mark III und einem Canon RF 135mm F1.8 L IS USM Objektiv bei einer Verschlusszeit von 1/2.000 Sek., Blende 1:1,8 und ISO 400. © Dani Connor

Dani Connor – Ins Licht fotografieren

„Manche Tiere haben einfach besonders interessante Silhouetten“, meint Dani Connor. Als Wildlife-Fotografin und Content Creator konnte sie sich eine treue Anhängerschaft für ihre Videotagebücher aufbauen, in denen sie ihre Erfahrungen beim Fotografieren von roten Eichhörnchen dokumentiert. Sie sucht auch immer wieder nach neuen Wegen, das tägliche Leben dieser bekannten Tiere einzufangen. Eine der Techniken, mit denen sie dabei experimentiert, ist die Gegenlichtfotografie, die ihrer Meinung nach besonders gut während der „goldenen Stunde“ funktioniert. „Ich versuche, die Eichhörnchen im Gegenlicht in ihrer typischen Pose mit erhobenem Schwanz einzufangen und konzentriere mich dabei auf die charismatischen langen Ohrpinsel.“ Bei diesen schwierigen Lichtverhältnissen hat sie sich auf die schnelle und präzise Motiverkennung der Kameras der EOS R5 Reihe und die EOS R6 Mark III verlassen, um auf ihre Motive zu fokussieren. „Der Autofokus ist wirklich gut: Selbst wenn es fast dunkel ist, werden die Augen noch erkannt.“

Danis Social-Media-Follower haben sie durch Crowdfunding beim Kauf eines nahegelegenen Waldstücks finanziell unterstützt. Dort füttert und fotografiert sie die Eichhörnchen nun und kann vor Ort sein, wenn ihre Motive und die Lichtbedingungen optimal sind. Auch mit dem Blitz bei Gegenlichtaufnahmen hat sie schon experimentiert. Sie erzählt, dass sie einen Speedlite „hinter einem Ast oder einem alten Baumstumpf“ platziert, bevor sie die Tiere mit Futter auf artgerechte Weise an den gewünschten Platz lockt. „Ich versuche, die Silhouette des Eichhörnchens mit Konturenbeleuchtung seiner Umrisse einzufangen. Man muss allerdings darauf achten, was dabei sonst noch angeleuchtet wird, besonders wenn sich Äste im Vordergrund befinden.“

Danis Herangehensweise bei ihrer Arbeit ist oft, das Ergebnis der Wildlife-Fotos bereits im Vorfeld zu visualisieren, anstatt einfach nur in der jeweiligen Situation zu reagieren. „Ich zeichne ständig Ideen für neue Bilder“, erläutert sie. Dabei kann es Jahre dauern, bis das, was sie in einem Notizbuch skizziert hat, tatsächlich als Foto Gestalt annimmt. Weiter meint sie, dass sie durch das Fotografieren anderer Motive und Umgebungen Inspiration für die Eichhörnchenfotos in der Nähe ihres Zuhauses erhält. „Als ich in Mexiko Monarchfalter fotografiert habe, kamen mir dabei viele verschiedenen Ideen, die ich mir bei der Eichhörnchenfotografie zunutze machen kann. Eine lange Verschlusszeit beim Fotografieren der Falter hat zum Beispiel ein Gefühl von Bewegung in die Fotos gebracht. Ich habe nicht viele Fotografen gesehen, die dies bei Eichhörnchen angewendet haben, und so wollte ich das mal ausprobieren.“

Ein indischer Rotfeuerfisch, fotografiert von der Seite vor einem schwarzen Hintergrund. Wildlife-Foto, aufgenommen von Dafna Tal mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 24-70mm F2.8 L IS USM Objektiv.

„Wenn ich Natur und Tiere fotografiere, erlebe ich Abenteuer und mache immer neue Entdeckungen. Dabei lerne ich auch immer wieder etwas über die Welt“, sagt die israelische Künstlerin Dafna Tal. „Eine fotografische Herausforderung zu meistern, ist sehr befriedigend. Besonders bei Unterwasseraufnahmen.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 (Vorgängermodell der EOS R5 Mark II) mit einem Canon RF 24-70mm F2.8 L IS USM Objektiv bei 46 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:4,5 und ISO 320. © Dafna Tal

Ein von oben und der Seite aufgenommener, vor einem schwarzen Hintergrund beleuchteter gemeiner Riffkalmar. Wildlife-Foto, aufgenommen von Dafna Tal mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 24-70mm F2.8 L IS USM Objektiv.

„Es ist etwas ganz Besonderes, sich während der dunklen Stunden in die Tiefe des Meeres zu begeben“, sagt Dafna. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 24-70mm F2.8L IS USM Objektiv bei 70 mm, Verschlusszeit 1/250 Sek., Blende 1:3,2 und ISO 500. © Dafna Tal

Dafna Tal: Unterwasser ein Studio bei Nacht schaffen

„Ich habe kommerziell als Porträt- und Landschaftsfotografin gearbeitet. Dabei habe ich gelernt, wie das Licht aussieht, wenn es auf ein Motiv fällt, und das für beinahe jeden möglichen Winkel“, erklärt Dafna.

Durch dieses Grundwissen in Sachen Fotografie verfügte Dafna über die Fähigkeiten und das Wissen, eine Art Studio zu schaffen und Tiere im Dunkel des Meeres zu fotografieren. Bei der Suche nach einem Stil und einer Perspektive, die Anklang finden, geht es ihr vor allem darum, sich selbst gegenüber als kreative Person ehrlich zu sein. „Du muss herausfinden, was dir selbst gefällt, und dich davon leiten lassen. Beim künstlerischen Ausdruck geht es nämlich vor allem darum, dass Künstler sich selbst treu bleiben und offen sind“, erklärt sie.

Für Dafna bedeutet das, dass sie sich ihr technisches Wissen über Licht und ihre Fähigkeiten als gelernte Taucherin zu Nutze machte, um ungewöhnliche Meeresbewohner im Dunkel der Nacht zu fotografieren. „Manchmal kommt es einem so vor, als wäre man im All. Im Wasser schwimmen Teilchen umher, und man bemerkt all diese besonderen Tiere, die man bei Tag vielleicht nicht sehen würde“, sagt sie. „Zu diesem Zeitpunkt kannst du die Belichtung auch ganz stark steuern. Du kannst das leuchtende Tier vom schwarzen Hintergrund abheben.“

Für diesen Aufnahmestil benötigt man nicht nur ganz besondere Fähigkeiten, man muss auch einige Dinge berücksichtigen. Ihr Motiv ist nicht das einzige, das sich bewegt. Auch Tal bewegt sich die ganze Zeit. „Mit der Canon EOS R5 kann ich in beinahe jeder Situation Fotos machen. Die AF-Verfolgung von Gesichtern und Tieren ist sehr ausgeklügelt. Damit kannst du komplexere Szenen als je zuvor meistern“, sagt sie. „Sie ist von entscheidender Bedeutung, wenn sich sowohl der Fotograf als auch das Tier ständig bewegen.“

Um diese Aufnahmen machen zu können, nutzt Dafna ihre EOS R5 mit einem Blitz, einem Canon RF 15-35mm F2.8 L IS USM, einem RF 24-70mm F2.8 L IS und einem RF 100mm F2.8 L MACRO IS USM Objektiv sowie einem Unterwassergehäuse.

Ein Techniker mit lilafarbenen Handschuhen arbeitet an einem Tisch an der Schaltung einer Canon Kamera.

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Schwarz-Weiss-Foto eines von unten aufgenommenen Löwen. Das Tier ist beinahe vollständig vom Laub verborgen, das im Vordergrund vom Wind verweht wird.

„Sobald du dich mit dem Auto in ihre Gefilde begibst, bist du bereits ein Eindringling. Indem du immer näher an die Tiere herangehst, erhältst du also nicht unbedingt natürlich aussehende Bilder“, meint der Fotograf und Umweltschützer Clement Kiragu. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 (Vorgängermodell der EOS R5 Mark II) mit einem Canon Bajonettadapter EF-EOS R und einem Canon EF 24-105mm f/4L IS USM Objektiv bei 40 mm, Verschlusszeit 1/400 Sek., Blende 1:7,1 und ISO 200. © Clement Kiragu

Clement Kiragu: Von unten nach oben fotografieren

„Menschen machen Fotos immer vom Dach eines Safari-Fahrzeugs aus. Fotografierst du jedoch einen Löwen, möchtest du dem Betrachter dessen majestätisches Erscheinen vermitteln. Begib dich also etwas weiter nach unten, um eine realistischere Perspektive zu erzielen“, sagt Clement, der seine enorme Erfahrung nutzt, um im Naturschutzgebiet Masai Mara in Kenia Tiere auf ehrliche und provokative Weise zu fotografieren. Dabei stört er die Tiere so wenig wie möglich. „Wenn du Grosskatzen fotografierst, musst du Abstand halten, ein langes Objektiv nutzen und geduldig sein“, erklärt er. „Vielleicht fangen sie sogar an, zu spielen, unternehmen etwas mit ihren Jungtieren, jagen... So erhältst du Fotos des natürlichen Verhaltens.“

Lange Zeit setzte Clement die Canon EOS-1D X Mark III ein. Nun hat er sich auf eine neue kreative Reise begeben, die nur dank der Funktionen der Canon EOS R5 möglich wurde. Mit der Augenerkennung des EOS iTR AFX-Systems war Clement in der Lage, Aufnahmen aus einem besonders niedrigen Blickwinkel zu machen. In vielen der Aufnahmen passiert etwas im Vordergrund. So hat der Betrachter das Gefühl, als wäre er ein kleines Beutetier, das die Szene aus der Ferne beobachtet.

„Ich habe ein Foto [oben], bei dem Gras durch die Gegend geweht wird. Dennoch hat die Canon EOS R5 die Augen des Löwen erkannt. Das hat mich wirklich umgehauen! Mit früheren Kameramodellen wäre das praktisch unmöglich gewesen“, meint Clement. „Ich glaube, damit möchte ich mich noch genauer befassen.“

Der Erfolg von Clements genau geplanten Fotos ist teils auf seine Geduld und teils auf die von ihm gewählte Ausrüstung zurückzuführen. „Deshalb liebe ich die Kombination aus dem Canon RF 100-500mm F4.5-7.1L IS USM und dem Canon Extender RF 1.4x“, sagt er. „Damit habe ich genug Abstand, um Fotos zu machen, ohne dass ich die Tiere störe.“

„Meine Aufnahmen sind eher künstlerisch als dokumentarisch. So werden die Bilder kunstvoller und cleverer. Ich möchte, dass sich Menschen für die Tiere interessieren und sich vielleicht im Kampf engagieren.“

Ein Hirsch, klein im Bild, verschmilzt mit der Umgebung am Waldesrand. Wildlife-Foto, aufgenommen von Michel d'Oultremont mit einer Canon EOS R6 Mark III mit einem Canon RF 400mm F2.8 L IS USM Objektiv.

„Mir gefällt es sehr, wenn die Tiere mit der Umgebung verschmelzen und ich die wunderschönen Aspekte der Natur festhalten kann. Mir ist es besonders wichtig, dass ich den Moment würdige“, sagt Michel. Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 Mark III mit einem Canon RF 400mm F2.8 L IS USM Objektiv, Verschlusszeit 1/640 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 5000. © Michel d'Oultremont

Michel d'Oultremont: Das grosse Ganze erkennen

„Mir ist es wichtig, die Umgebung zu zeigen. Ich mag keine Bilder, auf denen die Tiere ganz klar zu sehen sind“, meint Michel. „Mir gefällt es, wenn sich inmitten einer wunderschönen Umgebung etwas Lebendiges befindet. Ich versuche immer, meine Bilder an einem malerischen Ort aufzunehmen.“

Michel hat eine erstaunliche Möglichkeit entdeckt, um einem Ort die Dominanz zu nehmen. In einigen Bildern sind die Tiere kleine, aber dennoch klar erkennbare Elemente der Umgebung. Andere Bilder belichtet er über, um die Tiere zu isolieren – und sie so als kleines Teil eines grösseren Puzzles zu begreifen. „Das Tier kam vor mir ins Bild gelaufen, und es ist das Tier, das letzten Endes seine Position im Bild festlegt“, meint Michel.

Um solche Bilder fotografieren zu können, verwendet Michel eine Canon EOS R5 Mark II, eine EOS R3 oder eine EOS R6 Mark II zusammen mit einem Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM, einem Canon EF 400mm f/2.8L IS II USM und einem Canon EF 600mm f/4L IS II USM Objektiv, die er mithilfe eines EF-EOS R Bajonettadapters anbringt.

„Die EOS R5 Mark II hilft mir wirklich sehr. Der geräuschlose Modus eignet sich wirklich hervorragend für diese Art der Fotografie“, so Michel. „Ich verwende immer eine weit offene Blende. So kann ich mein Motiv hervorheben. Ich verwende eine Mehrfeldmessung und steuere die Belichtung über die Lichtwerte. Tatsächlich bin ich kein grosser Techniker. Ich nutze viele automatische Einstellungen, damit ich mich voll und ganz auf die wilden Begegnungen mit den Tieren konzentrieren kann.“

Schwarz-Weiss-Foto von drei Zebras, die über eine weitläufige Ebene galoppieren und dabei eine Staubwolke hinterlassen. Wildlife-Foto, aufgenommen von Clement Kiragu mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM Objektiv.

„Damit du bereit bist, musst du mit den Tieren im Einklang sein“, meint Clement in Bezug auf das Fotografieren von fliehenden Tieren. „Du musst wissen, welches Licht dir gefällt, welche Position du einnehmen möchtest. Diese Entscheidungen musst du nämlich innerhalb des Bruchteils einer Sekunde machen, und du hast nur wenige Sekunden Zeit, um es richtig zu machen. Du musst bereit für den Moment sein, da sich die Momente in der Natur nur einmal ereignen!“ Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 (Vorgängermodell der EOS R5 Mark II) mit einem Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM Objektiv bei 170 mm, Verschlusszeit 1/30 Sek, Blende 1:14 und ISO 100. © Clement Kiragu

Clement Kiragu: Bewegungen meistern

Mit seinem künstlerischen Ansatz setzt Kiragu nicht wie herkömmlich auf Schärfe und Klarheit, sondern nutzt Bewegungsunschärfen, um Bewegungen festzuhalten. Für Clement ist dies jedoch mehr als nur eine künstlerische Note. „Ich verwende Bewegungsunschärfen für Tiere, die Menschen weniger interessant finden. Tiere wie Zebras und Gnus. Mit dieser Technik lenke ich die Aufmerksamkeit auf diese Tiere“, sagt er.

Solche Aufnahmen gelingen nicht so leicht, aber wenn man es richtig macht, so Clement, dann lohnt es sich. Clement hat mittlerweile seine Vorgehensweise gefunden, um diesen magischen Moment zu erzielen. „Ich verwende die Canon EOS R5 meistens zusammen mit dem Canon RF 100-500mm F4.5-7.1L IS USM Objektiv“, erklärt er. „Ich stelle den ISO-Wert immer auf 100, setze die Verschlusszeit auf 1:25 herunter und passe dann die Blende an. Man muss also etwas mit den Einstellungen herumexperimentieren. Passen sie? Sie passen wunderbar.“

Mehr über die Technik, die hinter der Wildlife-Fotografie steckt, erfährst du in dieser Episode des Canon Podcasts „Shutter Stories“:

Nahaufnahme von Wasserblasen in verschiedenen Blautönen unter der Wasseroberfläche des Roten Meers. Foto, aufgenommen von Dafna Tal mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 24-70mm F2.8 L IS USM Objektiv.

„Zweifellos verdient jeder natürliche Lebensraum eine eigene Reihe von Nahaufnahmen, in denen die unglaublichen Details, die diese Umgebung ausmachen, genau unter die Lupe genommen werden“, so Dafna. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 (Vorgängermodell der EOS R5 Mark II) mit einem Canon RF 24-70mm F2.8 L IS USM Objektiv bei 70 mm, Verschlusszeit 1/800 Sek., Blende 1:5 und ISO 125. © Dafna Tal

Unzählige kleine Wasserblasen, die unterhalb der Wasseroberfläche des Roten Meers fotografiert wurden. Foto, aufgenommen von Dafna Tal mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 15-35mm F2.8 L IS USM Objektiv.

„Wenn ein professioneller Fotograf sich für Unterwasserfotografie interessiert, muss er sich bewusst sein, dass er dafür eine ganz neue Fähigkeit erlernen muss: Gerätetauchen oder Apnoetauchen. Ich empfehle, zuerst tauchen zu lernen, um als Fotograf zu erproben, ob es dir überhaupt gefällt, und erst dann weiterzumachen.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 15-35mm F2.8 L IS USM Objektiv bei 35 mm, Verschlusszeit 1/250 Sek., Blende 1:3,5 und ISO 100. © Dafna Tal

Dafna Tal: Schönheit in der Natur entdecken

Obwohl Dafna vor allem ungewöhnliche Tiefseetiere fotografiert, ist sie auch der Meinung, dass die Umgebung genauso schön sein kann wie die Tiere, die darin leben. Deshalb ist auch das Meer selbst ein tolles Motiv. „Mich faszinieren einfach alle Details der Natur, von den kleinsten bis hin zu den grössten“, erklärt sie.

Dafna ist Taucherin und begeistert sich für Natur und Fotografie. Daher ist es nicht überraschend, dass sie sich dazu berufen fühlt, die Schönheit des Meeres zu fotografieren. In einer Reihe von kleineren, aber detailreichen Bildern (wie die obigen) gelingt es ihr, diese breite Welt auf charakteristische Weise festzuhalten.

„Ich glaube, dass du bei Wasseraufnahmen und speziell bei Unterwasseraufnahmen besonders viel mit Licht, Farben und Texturen experimentieren kannst. Die Transparenz von Wasser, Wind und Wellen sowie das sich verändernde Licht schaffen unendlich viele, wunderschöne Formen“, meint Dafna. „Durch die geringe Schärfentiefe erhält das Bild mehr Tiefe, und es entsteht ein interessanter Effekt. Zudem wirkt sich die Qualität des Objektivs auf das Bokeh aus. Dabei kann ich besonders die Canon RF Objektive nicht genug anpreisen, da diese besonders schöne Texturen erzeugen.“

Dafna hat festgestellt, dass bei diesen kreativen Bildern weniger Präzision und dafür mehr Experimentierfreudigkeit notwendig ist, um das gewünschte Bild zu erzielen. „Ich möchte betonen, dass es hier keine „richtigen“ Kameraeinstellungen gibt. Probiere so viele wie möglich aus. Teste verschiedene Belichtungen, versuche die Bilder unter- und überzubelichten. Nutze verschiedene Verschlusszeiten usw. Nur so findest du heraus, was am besten funktioniert und was dir gefällt“, stellt Tal fest.


Geschrieben von Jack Fittes und Marcus Hawkins

Jack Fittes and Marcus Hawkins

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