Im Englischen gibt es den Ausdruck „what the eyes don’t see, the heart can’t feel“ (Was das Auge nicht sieht, kann das Herz nicht fühlen), der perfekt erklärt, warum so viele Naturschützer, Wissenschaftler und Umweltaktivisten sich auch der Fotografie bzw. Videografie verschrieben haben. Das ist sinnvoll – schliesslich werden die meisten Menschen niemals die Gelegenheit bekommen, Korallenriffe persönlich zu erleben. Auch die ausgedehnten Seegraswiesen der Ostsee werden den meisten verborgen bleiben. Sie sind bezaubernd, aber auch bedroht.
Es liegt also noch viel Arbeit vor uns, wenn es um den Schutz dieser essenziellen Meeresökosysteme geht und darum, von ihnen zu berichten, in der Hoffnung, dass sie so für die Zukunft zu bewahrt werden können. Meeresfotografen wie Pekka Tuuri und Canon Ambassador
Meeri Koutaniemi
leisten einen bedeutenden Beitrag für den Schutz der Meere weltweit. Meeri mit ihren aktuellen Arbeiten zur Zerbrechlichkeit der Korallenriffe im Indischen Ozean und Pekka, die seit dreissig Jahren unter Wasser fotografiert, um von der Arbeit der
John Nurminen Foundation
zu berichten. Vor kurzem fand zu diesem Zweck eine von
Canon Finnland
unterstützte Ausstellung im Musiikkitalo – Helsinki Music Centre mit dem Namen
World Unseen – Geschichten der Meere statt.
In Finnland kämpft die John Nurminen Foundation an vorderster Front, wenn es um den Schutz der Meere geht, und führt bereits seit 2005 Projekte zum Schutz der Ostsee durch. „Zunächst konzentrierten wir uns darauf, die vom Land verursachte Nährstoffbelastung zu verringern“, erklärt Miina Mäki, Programmmanagerin für Projekte zur Erhaltung lebensfähiger Meeresökosysteme. „Es gibt einen Überschuss an Nährstoffen, der aus kommunalen Abwässern, Industrien, der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und anderen stammt.“
Diese überschüssigen Nährstoffe führen zur sogenannten „Eutrophierung“, was bedeutet, dass Gewässer mit Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor angereichert werden. In erster Linie liegt es an Abschwemmungen von landwirtschaftlichen Flächen und Waldgräben, wodurch Nähstoffe leider ins Meer getragen werden. In vielerlei Hinsicht ist die Eutrophierung in der Ostsee das Gegenstück der Korallenbleiche, da auch hier die Ursache menschlichen Ursprungs ist und sie den Zusammenbruch lebenswichtiger Unterwasserlebensräume verursachen kann. Im Falle der Ostsee sind es ihre Seegraswiesen.
Aber es reicht nicht, nur darüber zu lesen. Erst wenn das erstickende Seegras sichtbar gemacht wird, werden jedem die Auswirkungen der Eutrophierung wirklich klar. Denn dieser Überfluss an Nährstoffen, der ins Meer gelangt, wirkt wie ein Dünger für Algen, die sich explosionsartig vermehren, das Sonnenlicht blockieren und das Wachstum von Unterwasserpflanzen verhindern. Und ohne Licht sterben sie natürlich. Dadurch gehen Lebensräume verloren und der Sauerstoffgehalt sinkt so stark, dass Meereslebewesen fliehen – oder ebenfalls sterben. Langfristig gesehen wird das Ökosystem zusammenbrechen. Ähnlich wie die Korallenbleiche sorgt die Eutrophierung dafür, dass das Meer weniger gesund und weniger sicher ist und die Fähigkeit verliert, das von ihm abhängige Leben – einschliesslich des menschlichen Lebens – zu erhalten.
Im letzten Jahrzehnt jedoch gab es immer mehr Positives zu berichten, was wir den zahlreichen Projekten u.a. der John Nurminen Foundation – nicht nur in Finnland, sondern im gesamten Ostseeraum – zu verdanken haben. Ein Grossteil ihrer Arbeit findet über Wasser statt, um überschüssige Nährstoffe direkt an der Quelle zu reduzieren. „Zunächst haben wir uns auf den Abwasserbereich konzentriert, weil diese Massnahme am kostengünstigsten war“, erklärt Miina. „Aber später haben wir unsere Tätigkeit auf die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, den Schiffsverkehr und den Schutz der Biodiversität der Ostsee ausgeweitet.“
Ähnlich wie die Reef Rescuers von Nature Seychelles konnte die Stiftung in Finnland mithilfe von Tauchern zur Wiederherstellung von Seegraswiesen für transplantierte Seegrasaustriebe geeignete Standorte kartieren. „Wir pflanzen sie in ihren angestammten Gebieten ein, von denen sie aber inzwischen verschwunden waren“, sagt Miina. „Und wenn die Wasserqualität jetzt ausreichend verbessert wird, könnte es möglich sein, die Seegraswiesen wiederherzustellen, die sich einst dort befanden. Es ist eigentlich wie Unterwassergärtnern durch Taucher. Es ist wirklich harte Arbeit.“ Es werden nur kleine Mengen gepflanzt, die sich zu einer riesigen, lebendigen Seegraswiese ausbreiten sollen.“ Auf diese Weise hat die Stiftung Seegraswiesen an der finnischen Küste, sowohl in Helsinki als auch in Raseborg, wiederhergestellt.
Doch obwohl die Ausstellung sich auch hoffnungsvoll zeigt, ist sie kompromisslos in ihrer Erzählweise – sei es nun in der Ostsee oder im Indischen Ozean. Mit den visuellen Beiträgen junger Kreativer aus dem Canon Young People Programme sehen die Besucher/-innen nicht nur eine Vielzahl von Perspektiven, sondern bekommen auch ein Gefühl für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Vor allem aber vermitteln uns diese Bilder und Videos eine andere Sichtweise auf uns selbst und unsere Beziehung zum Ozean. Auf gewisse Weise die Kehrseite. Denn bei all seiner Macht und Kraft – das tosende Meer, die brandenden Wellen – ist es zugleich zerbrechlich und verletzlich. Durch die Unterwasserlinse engagierter Naturschützer zeigen Pekka und Meeri uns eine Wahrheit, die zu wichtig ist, um sie zu beschönigen: Die Gesundheit unserer Ozeane beginnt und endet bei uns.
Erfahren Sie mehr darüber, wie unsere Technologie Experten und Expertinnen bei der Wiederherstellung der Korallenriff unterstützt.
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