Egal, wie sie heissen – Soap Opera, Drama, Feuilleton, Seifenoper, مسلسل – sie werden auf der ganzen Welt geliebt. „Aber wir nennen sie Telenovelas“, sagt Njoki Muhoho entschieden. Und wer nach einer Expertin sucht, die sich im afrikanischen Storytelling auskennt, ist bei ihr an der richtigen Adresse. Eigentlich ist Njoki die Gründerin und Executive Producer von Zebra Productions Kenya, einem für Fernseh- und Filmproduktionen bekannten kenianischen Unternehmen mit ausschliesslich weiblicher Belegschaft. Allerdings werden Ihnen alle in der Branche bestätigen, dass Njoki so viel mehr ist, als ihr Titel vermuten lässt.
Denn darüber hinaus ist sie die mehrfach preisgekrönte Produzentin von Erfolgsserien für das ostafrikanische Fernsehen wie „Changes“ und „Mama Duke“, sowie Gründerin und ehemalige Leiterin von
MultiChoice Talent Factory, einer vollständig durch Spenden finanzierte Filmakademie in Ostafrika. Seit 2023 arbeitet Zebra Productions Kenya mit dem
Programm Canon Miraisha zusammen, das die nächste Generation afrikanischer Filmemacher:innen und TV-Produzent:innen aller Geschlechter ausbildet und begleitet. Allerdings zeigt erst ein Blick zurück in die 1970er Jahre, was die Förderung von Fähigkeiten im Gebiet der Filmproduktion in dieser Region tatsächlich kulturell bedeutet. Und ein unternehmensfreudiges Dorf…
Auf der Suche nach einem Standort für ihre Büroräume und ihr Studio entdeckte Njoki etwa zwanzig Minuten vom Stadtzentrum entfernt das Dorf Nderi. Es ist typisch afrikanisch, aber ungewöhnlich ehrgeizig. „Ich nenne es das ‚Filmdorf‘, weil dort die echte Filmindustrie Kenias ihren Anfang nahm“, erklärt sie. „Die jungen Männer arbeiteten alle in Nairobi in einer Einkaufsstrasse voller Elektronikgeschäfte, in denen es Videorekorder, VHS-Kassetten und solche Sachen zu kaufen gab. Und Kameras. Damals waren die Kameras natürlich noch Camcorder.“
Für diese jungen Männer waren die Geräte aufgrund der hohen Preise unerschwinglich – doch sie hatten Träume. Also mieteten sie das, was sie brauchten, liehen es sich aus oder sparten dafür. „Dann drehten sie One-Shot-Filme – ohne technische Ausbildung, ohne Drehbücher, ohne alles. Innerhalb von nur wenigen Wochen dachten sie sich ein paar Themen aus, machten daraus einen Film, schnitten diesen und brannten ihn auf CDs oder DVDs. Dann verkauften Sie ihn!“
Damit legten diese entschlossenen kreativen Köpfe den Grundstein für die sogenannte Riverwood Industry – Ostafrikas Antwort auf Nollywood. „Weshalb River?“ Weil die Einkaufsstrasse River Road heisst – der Nairobi River fliesst nah daran vorbei.“ In den darauffolgenden Jahren wurde das Dorf Nderi zum Synonym für das Filmemachen und fühlt sich selbst etwas wie eine lebende Filmkulisse an. „Ich sage immer: Wenn Sie mit einer Kamera einen Dorfweg entlanggehen, einen Esel oder einen Hund sehen und ‚Cut!‘ rufen, dann bleiben sie tatsächlich stehen!“, sagt sie lachend.
Njoki stellte fest, dass sich dort zahlreiche Immobilien befanden, die sich hervorragend zu Drehorten für Telenovelas umbauen liessen – der ideale Ort, um Land zu erwerben. „Ich hatte gerade den Auftrag erhalten, eine südafrikanische Telenovela an kenianische Verhältnisse anzupassen. Es war ein unerwarteter Erfolg, was daran lag, dass sie während der Corona-Pandemie ausgestrahlt wurde.“ Es war ein Langzeitformat und es wurde ganzjährig produziert. Nderi Village war dafür der ideale „ständige Drehort“. Es sprach sich herum, und schon kamen Leute zu ihr, um ihr das eigene Land zum Kauf anzubieten. Dabei zeigte sich, dass Familien dringend Geld aufbringen mussten, um ihre Kinder auf die Universität schicken zu können. „Eltern kamen zu mir und sagten: ‚Mein Kind hat keine staatliche Förderung bekommen‘“, erklärt sie. „Ich brauche schnell das Geld für die Gebühren, sonst haben sie keine Chance mehr.“
Sie begann zu erkennen, dass um sie herum etwas Besonderes geschah. Ein Dorf, dem das Filmemachen im Blut liegt, der Wunsch der Familien, ihre Kinder zu fördern, sowie eine enorme Anzahl junger Menschen voller Talent und Ehrgeiz. Und ihr Unternehmen war genau mit der Produktion einer Fernsehsendung beauftragt, die perfekt auf Nderi und seine Menschen zugeschnitten war. Sehr zum allgemeinen Erstaunen eröffnete sie ein öffentliches Büro im örtlichen Einkaufszentrum und lud zu Castings ein. „Ich habe ein Whiteboard und Marker gekauft und darauf geschrieben: ‚Bist du zwischen 18 und 26 Jahren? „Hast du Interesse an der Schauspielerei? Keine Vorkenntnisse erforderlich.' Mehr als hundert Interessierte kamen.“
Wenn ich wissen möchte, ob eine Folge ein Erfolg war, muss ich nur fünf Minuten nach der Ausstrahlung in die sozialen Medien gucken.“
Zur gleichen Zeit führte sie Gespräche mit Canon Central & North Africa, die zu einer Einigung führten. Damit begann die Zusammenarbeit mit Miraisha, das Mentoring-Programme zu Video- und Fotografie anbieten sollte. Damit bot sich jungen Menschen eine einmalige Gelegenheit und eine unglaubliche Chance, das Handwerk zu erlernen – besonders mit dem Wissen, dass jede Folge, an der sie mitwirken, ein grosses Publikum erreichen könnte. „Viele Kenianer schauen sich solche Serien an“, sagt Njoki. „Und das Feedback kommt sofort. Wenn ich wissen möchte, ob eine Folge ein Erfolg war, muss ich nur fünf Minuten nach der Ausstrahlung in die sozialen Medien gucken.“
Tatsächlich bietet das Format optimale Bedingungen für diese Art zyklischen Portfolioaufbaus, da „diese beauftragt werden“, wie sie erklärt. „Im Gegensatz zu Filmen fliessen hier ständig Gelder.“ Ihre Teilnehmenden, die Teil des Miraisha-Programms sind, arbeiten mit dem Zebra-Team in dreimonatigen Blöcken, nutzen Canon-Technologie und werden von Canon Certified Trainers angeleitet. Sie erwerben Fähigkeiten hinter der Kamera, aber auch entscheidende kommerzielle Kompetenzen wie Pitching, Repräsentation und Ethik – alles im Kontext der kenianischen Filmindustrie. Nach ihrem Abschluss bleiben einige bei Njoki, um mehr zu lernen und an ihrer Karriere zu arbeiten. Andere setzen ihre Fähigkeiten in der Branche ein. Einige Alumni aus 2023 fanden sogar einen Platz in dem Team, das die renommierte kenianische Fernsehserie „Salem“ dreht.
„In Afrika sagen wir immer: ‚Ich werde Euch eine Geschichte erzählen‘.“ Daraufhin muss das Publikum antworten: ‚Erzähl sie uns' – sie müssen Dir dazu die Erlaubnis geben“, lächelt Njoki. „Denn in Afrika wurden Geschichten ursprünglich nicht niedergeschrieben. Sie wurden mündlich weitergegeben.“ Und bei genauer Betrachtung beginnen auf diese Weise die besten Geschichten – in den Worten, Wahrheiten und Leben von Menschen („Die gelebte afrikanische Erfahrung“). Deshalb sind Njoki und ihre Schüler:innen so grossartig in dem, was sie tun. „Telenovelas sollen inspirieren. Je härter das Leben ist, desto mehr wollen Menschen einfach nur Dinge sehen, die ihnen ein gutes Gefühl geben“, fügt sie hinzu. Und aus dieser Perspektive heraus fühlt es sich fast so an, als könnte die Welt von Zebra Productions und Miraisha eine eigene Telenovela-Story sein – junge Afrikaner:innen, die davon träumen, Filme zu machen, treffen auf eine Frau, die ihr Leben verändert.
Erfahren Sie mehr über unser Programm Miraisha.
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