Wenn wir etwas Neues lernen, fällt es uns oft schwer, das Konzept dahinter zu verstehen, es sei denn, wir können es mit etwas Greifbarem, etwas Bedeutsamem in Verbindung bringen. Als wir also den Fotografen, Meeresbiologen und ausgewiesenen Korallenexperten Martin Colognoli baten, an unserem „Canon Young People Programme“ teilzunehmen und neun Jugendlichen aus der Stadt etwas über den Schutz der Korallen sowie zur Ökologie der Meere beizubringen … gab es nicht viele Möglichkeiten.
So kamen Ali, Ouways, Enes, Awa, Mariame, Pranitha, Ramata, Kandioura und Mansour zum Cap Blanc-Nez in der Nähe von Calais, wo sie auf das Meer blicken konnten. „Was ist das für ein Land dort drüben?“, fragte einer von ihnen. „Das ist die englische Küste“, erwiderte Martin zum Erstaunen aller.
An drei aufregenden Tagen nahm er sie mit auf Entdeckungstour entlang der Küste und zeigte ihnen, wie wir uns mithilfe von Bildern mit der Welt um uns herum verbinden können. Die meisten von uns werden die aussergewöhnliche Schönheit eines Korallenriffs wohl nie mit eigenen Augen sehen können – und doch ist ihr Schutz für unsere Jugendlichen in Paris genauso wichtig wie für die Bewohner Londons, die Bauern in Westafrika sowie für Familien überall auf der Welt, deren Überleben direkt von
der Gesundheit der Ozeane abhängt. Diese Reise erweiterte ihren Horizont in vielerlei Hinsicht, und zwar nicht nur dadurch, dass sich ihnen eine Welt ausserhalb der Hauptstadt eröffnete.
Denn diese Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren kommen aus Goutte-d'Or im 18. Arrondissement von Paris. Es gehört zu den vielfältigsten und lebendigsten Vierteln der Stadt (der Name „Goutte-d'Or“ bedeutet wörtlich „Goldtropfen“), aber es ist auch seit jeher ein komplexes Viertel mit echten sozialen Problemen. Aus diesem Grund wurde
Les Enfants de la Goutte d'Or (EGDO)
gegründet, eine Organisation, die Kinder und Jugendliche in allen Belangen unterstützt – von Bildung, Sport und Kultur bis hin zu Verhaltensstrategien. Dank der guten Kontakte zum
Young People Programme
von Canon France, lernte die Gruppe Martin kennen.
Ihren ersten Tag verbrachten sie in Boulogne-sur-Mer, wo sich das grösste Aquarium Europas, das Nausicaá, befindet. Dort kamen sie zum ersten Mal sowohl mit Korallen als auch mit Kameras in Berührung. „Das war etwas ganz Neues für sie“, erinnert sich Martin. „Denn einige von ihnen hatten vorher noch nie das Meer gesehen. Und nun standen wir da, beobachteten die Fische, sprachen über den Ozean und erfuhren etwas über Korallen. Das Erstaunen stand ihnen ins Gesicht geschrieben! Sie waren begeistert und so glücklich, dort zu sein.“
Es gibt kaum etwas Berührenderes als staunende Kindergesichter, ganz besonders wenn diese prägenden Augenblicke genau in dem Moment passieren, in dem sie fast erwachsen sind. „Sie wussten nicht, was ein Hostel ist. Und es war für sie ungewohnt, im Restaurant zu essen. Viele waren noch nie zuvor von ihren Familien getrennt gewesen. Alles, was sie erlebten, war für sie völlig neu“, sagt er und fügt hinzu: „Und darüber hinaus haben sie auch noch so Einiges über Korallen gelernt.“
Da „selbst Erwachsene keine Verbindung zu Korallen haben“, wusste Martin, dass er einen Ansatz brauchte, der bei den Jugendlichen ankam. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Aquariums erinnerte er die Jugendlichen daran, dass Korallen nicht nur in tropischen Regionen, sondern an den unterschiedlichsten Orten zu finden sind. Weiter erzählte er ihnen von seinen Erfahrungen bei der Gründung der NGO Coral Guardian. Mithilfe des von ihm initiierten künstlerischen Projekts
WE ARE CORALS
versinnbildlichte er die sehr menschlichen Eigenschaften der Korallen. „Sie arbeiten unter Wasser im Team zusammen und könnten uns so als Vorbild dienen.“ Wir haben uns auch angeschaut, wie Korallen auf lange Sicht Raum für sich beanspruchen – genau wie wir.“
Aber erst am zweiten Tag standen einige von ihnen zum ersten Mal direkt am Meer und richteten von der Klippe aus ihre Kameras auf Dover („Es war richtig windig, bewölkt und regnerisch – dann beruhigte sich das Wetter plötzlich und wir hatten zwei Stunden lang Sonne!“). Und in diesem Augenblick, mit den tosenden Wellen unter ihnen, bot sich der perfekte Zeitpunkt, um die wirklich grossen Fragen anzugehen – „Warum ist das Meer salzig? Wie steuert der Mond die Gezeiten?“ Anschliessend besuchten sie ein örtliches Museum, das noch mehr Fragen zum Ökosystem an der Küste beantwortete. Dann ging es zurück nach Paris, wo sie ihr neues Wissen für ein ganz besonderes Fotoprojekt nutzen konnten.
Am nächsten Tag wurden sie in den Büros von Canon France herzlich empfangen, wo sie nach einer VIP-Führung durch das Customer Experience Centre an einem Fotoworkshop mit Martin teilnahmen. Darin erstellten sie von WE ARE CORALS inspirierte Porträts für eine Ausstellung im FGO-Barbara, einem riesigen Kulturzentrum im Herzen von Goutte-d'Or. Es war eine ganz neue Erfahrung für sie, im Studio zu sein und zu lernen, wie ein Porträt professionell ausgeleuchtet wird. Doch darin vereinte sich alles, was sie gemeinsam erlernt hatten – es zeigte sich später im Gespräch, in dem die Jugendlichen von Journalisten nach ihren Erfahrungen gefragt wurden. „Sie haben ihnen Dinge erzählt, von denen sie zwei Tage zuvor noch nichts wussten!“, lacht Martin. „Zusammenarbeit, Symbiose, das Zusammenleben von Korallen und Algen – sie haben viel gelernt!“
Daher fieberten alle Beteiligten voller Vorfreude der Ausstellung entgegen. Freunde und Familie waren zu einer exklusiven Vorbesichtigung eingeladen, was unglaublich aufregend war, und wie Martin sagt, waren sie alle wirklich glücklich, als Künstlerinnen und Künstler im Mittelpunkt zu stehen.“ Es wurden Reden gehalten, die Eltern waren begeistert und die Fotografien wurden in den höchsten Tönen gelobt.
Sie waren auch sehr davon berührt, dass ihre Fotografien Seite an Seite mit einer ganz besonderen Auswahl an Porträts von Martin ausgestellt waren. Er setzte die Gesichter der Jugendlichen so in Szene, dass sie mit den Bildern der wunderschönen Korallen harmonisierten, über die sie drei Tage viel Wissenswertes gelernt hatten. Auf diese Weise erzeugte er ein tiefes Gefühl der Verbundenheit – „nicht getrennt zu sein von der Natur, sondern Teil desselben lebenden Systems“.
Die Fotografien zeugten zudem auf kraftvolle Weise davon, wie intensiv diese drei Tage voller neuer Erfahrungen für sie waren und wie Gespräche über die Ökologie von Korallenriffen einen verändern können – selbst wenn man das Meer noch nie gesehen hat. Für Martin war es etwas, an das er sich sein ganzes Leben lang erinnern wird: die staunenden Kinderaugen, als sie neue Dinge entdeckten, und ihre grosse Lernbereitschaft. Vielleicht können sich die Jugendlichen aus der Goutte d’Or jetzt als Teil einer Zukunft sehen, die wir uns alle wünschen.
Wir unterstützen Bemühungen zur Bewahrung der verborgenen Korallenwelt. Verfolgen Sie den Fortschritt unserer Arbeit hier.
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