GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE

Die Natur geniessen: 5 Techniken für die Wasserfotografie

Von verschwommenen Wasserfällen bis hin zu herabfallenden Tropfen – entdecke mit diesen fünf Top-Tipps, wie man Wasser fotografieren kann.
Canon Camera
Auf der Suche nach einer entspannenden Auszeit vom Alltag spielt Wasser sicher oft eine Rolle – von einem Familientag am Strand bis hin zur Wanderung entlang eines mäandernden Flusses geniessen viele Menschen die beruhigende Wirkung von Wasser in der Natur. Egal, ob es sich um eine brechende Welle, den verschwommenen Dunst der Gischt eines Wasserfalls oder die Spiegelungen in einem stillen See handelt, es ist sehr wahrscheinlich, dass in diesem Sommer das Wasser bei deinen Aufnahmen eine Rolle spielt. Aber wie macht man starke Bilder von einem so abwechslungsreichen und dynamischen Motiv? Es gibt viele kreative Möglichkeiten, um deine Sommerfotos zu verschönern.

Diese fünf Techniken der Wasserfotografie helfen dabei, deine Bilder auf die nächste Stufe zu bringen, ganz gleich, ob man bei sommerlichem Wetter auf Entdeckungsreise geht oder in den kälteren Monaten im heimischen Umkreis fotografiert.

1. So fotografier man Reflexionen im Wasser

Ein Mann hält seine Kamera über den Kopf, um einen Aussichtspunkt am Strand zu fotografieren.

Experimentiere bei der Aufnahme mit der Höhe, in der du die Kamera positionierst, wenn eine Reflexion erfasst werden soll: Aus einer erhöhten Perspektive kann sie deutlicher gezeigt werden, während du aus einer niedrigen Perspektive aus Bodennähe eine dynamischere Bildwirkung erhältst.

Eine Aufnahme einer Strandlandschaft mit einem Aussichtspunkt, der sich im Wasser auf dem Sand spiegelt.

Der optisch reizvollste Aspekt des Wassers ist seine reflektierende Eigenschaft. Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 und einem Canon RF 24-105mm F4-7.1 IS STM Objektiv bei 31mm, 1 Sek., F16 und ISO 100.

Ein grosses stehendes Gewässer ist ideal, um klare Spiegelungen einzufangen, die eine ansonsten eintönige Landschaft optisch aufwerten. Achte unterwegs auf Wasser – fliessende Bäche sind gut für abstrakte Reflexionseffekte, während die glatte Oberfläche einer Pfütze eine ruhigere Spiegelung erzeugt. Wenn du das möchtest, suchst du einen geschützten Platz oder wartest mit den Aufnahmen, bis der Wind nachlässt.

Wenn du an der Kamera den Modus Zeitautomatik (Av) einstellst, lässt sich die gewünschte Blende wählen und die Kamera passt dann automatisch die Belichtungszeit für die richtige Belichtung an. Um sicherzustellen, dass sowohl der Vordergrund als auch die reflektierten Details in der Ferne scharf bleiben, wählst du eine kleine Blende (hohe Blendenzahl) und verwendest den Rechner für die Schärfentiefe (DOF) und die hyperfokale Distanz in der Photo Companion App. Die hyperfokale Distanz hilft dir, einen grösseren Teil des Bildes scharf abzubilden, indem sie den nächstgelegenen Punkt findet, an dem du fokussieren kannst und der Hintergrund akzeptabel scharf bleibt.

Als Alternative zu einer kleinen Blende kannst du auch eine sehr grosse Blende wählen (niedrige Blendenzahl), um entweder den Vordergrund oder die Reflexion selbst für einen abstrakten Effekt unscharf zu machen.

2. So fotografiert man Wasserfälle

Ein überbelichteter Wasserfall mit Bewegungsunschärfe.

Um das herabfallende Wasser mit einer beeindruckenden Bewegungsunschärfe darzustellen, musst du eine lange Belichtungszeit einsetzen. Aufgenommen mit einer Canon EOS 850D und einem Canon EF-S 18-135mm f/3.5-5.6 IS USM Objektiv bei 64mm, 15 Sek., F20 und ISO 100.

Ein Fotograf steht mit einer auf dem Stativ befestigten Kamera vor einem Fluss mit einem Wasserfall.

ND-Filter (Neutral Density) sind zwar grossartig, um das Licht zu blockieren, aber sie machen es auch schwieriger, durch den Sucher zu sehen. Verwende den Live-View-Modus für Bildkomposition und Fokussierung, und stelle dann den Zwei-Sekunden-Timer ein, um ein Verwackeln der Kamera bei der Aufnahme zu vermeiden.

Wenn du das nächste Mal beim Wandern einen Wasserfall entdeckst und fotografieren möchtest, gelingt das am einfachsten mit einem ND-Filter (Neutraldichtefilter). ND-Filter begrenzen das durch das Objektiv einfallende Licht in definierter Menge (Stufen) – das gibt dir mehr Möglichkeiten bei der Wahl der Belichtungszeit. Ein ND-Filter mit 6 Stufen (Belichtungsstufen) ist ideal für Wasserfälle – und wohl der beste Allround-Filter, um Wasser unscharf wirken zu lassen. Vor der Aufnahme solltest du den Verlauf des Wasserfalls erkunden und auf die Stelle achten, wo die Gischt durch das auftreffende Wasser entsteht. Dies ist der Bereich, in dem sich schön verschwommene Schlieren bilden werden.

Am einfachsten wählst du an der Kamera den manuellen Modus (M) mit einer ausreichend kleinen Blende, um eine grosse Schärfentiefe zu gewährleisten. Dann wählst du ISO 100 und passt die Belichtungszeit an, bis dir das Ergebnis gut gefällt. Als nächstes montierst du den ND-Filter und passt die Belichtungszeit entsprechend an. Mit jeder zusätzlichen ND-Filter-Stufe kann die Belichtungszeit verdoppelt werden. Bei der Neuberechnung der Belichtungszeit hilft dir das Zählen der „Klicks“, die das Hauptwahlrad gemacht hat – jede ND-Stufe entsprecht 2 oder 3 solcher Klicks (abhängig von den im Kameramenü vorab definierten Stufen).

3. So glättet man das Meer

Ein Mann hockt an einem steinigen Strand neben einer Kamera und einem Stativ.

Wenn du deine Kamera mit der Canon Camera Connect App koppelst, lassen sich minutenlange Belichtungen im Modus Langzeitbelichtung (B) über das Mobilgerät starten und stoppen – man kann also den Verschluss so lange geöffnet halten wie man möchte.

Eine Langzeitbelichtung vom Meer, das sich bei Sonnenuntergang unscharf gegen die Felsen einer Küstenlinie abzeichnet.

Bei Belichtungszeiten von bis zu einer Minute lässt sich eine markante milchige Unschärfe im Meer und den sanften Bewegungen der Wolken einfangen. Aufgenommen mit einer Canon EOS 850D und einem Canon EF-S 18-135mm f/3.5-5.6 IS USM Objektiv bei 24mm, 2,5 Sek., F16 und ISO 100.

Ein Strandspaziergang ist eines der grössten Vergnügen des Sommers und das hält man auch gerne für das Album fest. Obwohl das Meer eines der spektakulärsten Naturschauspiele ist, sieht die unruhige Wasseroberfläche manchmal unnatürlich aus, wenn sie im Bild eingefroren wird. Mit einer sehr langen Belichtungszeit wird die Bewegung der Meeresoberfläche unscharf abgebildet und das schäumende Wasser in eine seidenglatte, detailfreie Oberfläche verwandelt. Wenn du bei Tageslicht fotografierst, brauchst du einen starken ND-Filter, der etwa 10-16 Stufen Licht blockiert. In der Dämmerung ist dafür möglicherweise ein schwächerer oder gar kein ND-Filter erforderlich – das lässt sich an einem frühen Morgenspaziergang am besten ausprobieren. Nebenbei kann man die Ruhe am menschenleeren Strand geniessen und sich optimal auf die Aufnahme vorbereiten.

4. So fotografiert man brechende krachende Wellen

Ein Fotograf, der mit Stativ und Kamera auf den Felsen neben den plätschernden Wellen hockt.

Das Timing kann bei der Aufnahme von Wellen problematisch sein. Stelle daher den Modus High-Speed-Reihenaufnahmen ein und mache eine Reihe von Aufnahmen, während die Welle hereinbricht.

Kleine Wellen schlagen gegen Steine am Ufer eines Strandes.

Nichts demonstriert die majestätische Kraft des Wassers so sehr wie eine brechende Welle – experimentiere mit verschiedenen Belichtungszeiten, um das Ergebnis zu vaiieren. Aufgenommen mit einer Canon EOS 850D und einem Canon EF-S 18-135mm f/3.5-5.6 IS USM Objektiv bei 27mm, 1/20 Sek., F25 und ISO 100.

Wenn man die dramatische Bewegung des Meeres einfrieren möchte, benötigt man eine kurze Belichtungszeit von etwa 1/500 Sek. Alternativ kann eine längere Belichtungszeit dazu beitragen, ein Gefühl von Bewegung zu vermitteln, weil die Spritzer und Tropfen als explosive Unschärfe-Streifen dargestellt werden. Wähle den Modus Blendenautomatik (Tv) und dann eine Belichtungszeit von etwa 1/20 Sek. bei ISO 100. Bei dieser Belichtungszeit ist es am besten, ein Stativ zu verwenden, aber du kannst auch aus der Hand fotografieren, wenn du einen festen Stand hast.

Wenn du ein Objektiv mit Bildstabilisator (IS) oder eine EOS R5 oder R6 mit kamerainternen IS und einem Weitwinkelobjektiv verwendest, kann nach der „Umkehrregel“ eine Belichtung von 1/20 Sek. aus der Hand mit einem 20mm Objektiv aufgenommen werden.

Wenn du am oder im Wasser etwas aktiver werden möchtest, ist die Canon IVY REC ein toller Begleiter. Sie ist stossfest und wasserdicht bis zu einer Tauchtiefe von 2 Metern für ca. 30 Minuten. Weitere Tipps zum Fotografieren von Wassersportarten findest du in unserem Leitfaden, mit dem du das Beste aus der Wasser-Action herausholst.

5. So friert man Wassertröpfchen ein

Ein Mann hält seine Kamera über einen Becher mit Wasser, der auf einem blauen Laken steht, während er einen herabfallenden Tropfen fotografiert.

Durch die Positionierung des Blitzes hinter einer blauen Kunststoffplatte entstehen auf dem Wasser farbige Reflexionen.

Ein Wassertropfen plätschert und erzeugt kleine Wellen.

Mit einem Makro-Objektiv wie dem RF 35mm F1.8 Macro IS STM, das James für dieses Foto verwendet hat, lassen sich Wassertropfen in Nahaufnahme mit feinen Details aufnehmen. Fokussiere vorher manuell auf die Stelle, auf die der Tropfen fallen wird. Aufgenommen mit einer Canon EOS RP und einem Canon RF 35mm F1.8 Macro IS STM Objektiv bei 2 Sek., F16 und ISO 100.

Leider spielt das Wetter nicht immer so mit, wie wir das gerne hätten. Wenn das der Fall ist, kannst du die Wasserfotografie in deiner näheren Umgenung ausprobieren – Wassertropfen sehen z.B. aus der Nähe betrachtet ganz unglaublich aus. Um einen herabfallenden Wassertropfen optimal einzufangen, solltest du ein externes Blitzgerät verwenden, z.B. das Canon Speedlite EL-100, und an einem dunklen Ort fotografieren. Auf diese Weise lässt sich die Leuchtdauer des Blitzes nutzen, um die Bewegung einzufrieren, wenn der Tropfen auf die darunter liegende Wasseroberfläche trifft.

Du kannst diese Technik üben, indem du ein Pipette oder eine Spritze über einem Glas Wasser aufstellst und einen Blitz so positionierst, dass der Tropfen von hinten angestrahlt wird. Stelle die Kamera auf den manuellen Modus (M) mit F8, ISO 100 und einer Belichtungszeit von etwa zwei Sekunden ein. Starte die Belichtung, lasse dann das Wasser fallen und löse den Blitz manuell aus, wenn der Tropfen auf die Oberfläche trifft – alternativ kannst du mit einem Fernauslöser den Blitz auch automatisch auslösen. Das ist zwar eine grosse Herausforderung für dein Talent im Umgang mit der Kamera – aber die Ergebnisse können spektakulär sein.
Verfasst von James Paterson

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