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Einstieg in den Fotojournalismus: Experten verraten ihre Geschäftstipps

Fotografen der Spitzenklasse teilen ihre Erfahrungen und bieten erstklassige Tipps für eine erfolgreiche Karriere als Fotojournalist.
Das Spiegelbild einer Frau ist in einem Schlafzimmerspiegel zu sehen, ihr Besitz befindet sich gestapelt auf einem Tisch; aufgenommen von Angela Jimu.

Für Angela Jimu, Mitbegründerin und Leiterin der Zimbabwe Association of Female Photographers (ZAFP), war es wertvoll, mit anderen Frauen aus der Branche in Verbindung zu stehen. Sie ist an einer Vielzahl von Projekten beteiligt. Ihre Fotos sind beispielsweise Teil von „Fast Forward: Women in Photography“. Dieses Bild zeigt Maria Khoza im Schlafzimmer einer kleinen Blechhütte, in der sie lebte, während sie ihr eigenes Zuhause im kleinen Ort Clarens in Südafrika baute. Aufgenommen mit einer Canon EOS 500D (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgermodell Canon EOS 850D) mit einem Canon EF 18-55mm f/3.5-5.6 IS Objektiv (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgermodell Canon EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 IS II), bei 18 mm, Verschlusszeit 1/5 Sek., Blende 1:3,5 und ISO 1600. © Angela Jimu

Der Fotojournalismus spielt eine wichtige Rolle dabei, die sich stets verändernde moderne Welt zu verstehen. Durch ihn sind einige der aufsehenerregendsten und einprägsamsten Bilder aller Zeiten entstanden.

Eine Karriere als Fotograf aufzubauen, kann jedoch hart sein. Die Konkurrenz ist gross und es gibt weniger bezahlte Aufträge, da traditionelle Medien einen Rückgang verzeichnen und Redaktionen geringere Budgets zur Verfügung haben. Es ist wichtig, dass Fotografen, die neu in diesem Bereich sind, die Arbeitsrealität kennen, wissen, wie sich ihre Bilder vom Rest abheben können, und wie sie sich als Fotografen gut verkaufen.

Es ist ausserdem entscheidend, Geschichten zu erzählen, die für dich persönlich wichtig sind. So sieht es Top-Fotojournalist Mads Nissen, der Studenten des Canon Student Development Programme (CSDP) 2023 einen Vortrag hielt: „Ich versuche, mich immer daran zu erinnern, warum ich auf dieser Welt bin. Was möchte ich tun? Was ist mir wichtig? Und an was glaube ich?“

Wir haben Mads und einige weitere Weltklassefotografen, die als CSDP-Mentoren fungiert haben, um Tipps und Ratschläge dazu gebeten, wie ein Einstieg in den Fotojournalismus und eine erfolgreiche Karriere in diesem Bereich möglich sind.

Die Hände zweier Personen ergreifen sich gegenseiten durch ein Fenster, während eine weitere Person zusieht; Foto aufgenommen von Mads Nissen.

„Bleibe dir selbst treu“, sagt Mads Nissen, dessen Ziel, die Wahrheit zu erzählen, ihn in alle Ecken der Welt geführt hat. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 24-70mm F2.8L IS USM Objektiv bei 62 mm, Verschlusszeit 1/320 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 1600. © Mads Nissen

Bleibe wissbegierig

„Du musst neugierig sein“, sagt Francis Kohn, ehemaliger Fotojournalist und Photo Director von Agence France-Presse. „Natürlich möchtest du etwas vermitteln, denn das ist schliesslich deine Aufgabe. Aber du musst auch neugierig sein. Diese Neugier ist etwas, das man erst lernen muss. Neugier und Offenheit führen zu besseren Geschichten und einem besseren Verständnis für dich selbst als Fotograf.“

Dein soziales Umfeld auszuweiten, ist eine gute Möglichkeit, deinen Horizont zu erweitern und neue Geschichten zu entdecken. „Viele junge Fotografen ziehen in eine Stadt wie New York und umgeben sich ausschliesslich mit anderen Fotografen, wodurch ihr Weltbild eingeschränkt wird“, sagt Laura Morton, Gewinnerin des Canon Female Fotojournalist Award 2018. „Mit [meinem Projekt] ‚Wild West Tech‘ habe ich begonnen, weil ich mit Start-up-Gründern in der frühen Gründungsphase in Kontakt stand und bemerkt habe, dass sich daraus eine Story ergibt, die rund um das Narrativ des Tech-Booms noch nicht erzählt wurde.“

Halte durch

Fakt ist und bleibt, dass diese Art der Karriere herausfordernd sein kann und manchmal der einzige Weg zum Erfolg darin besteht, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

„Was mir ins Auge gefallen ist, war, wie stark der Bereich des Fotojournalismus von Männern dominiert wurde“, so Angela. „Das war überwältigend. Einige von uns weiblichen Fotojournalistinnen haben sich zusammengetan, um die ZAFP zu gründen, die zur Unterstützung dienen sollte und uns gleichzeitig die Möglichkeit geben sollte, unsere eigene Plattform zu erschaffen.“

Ein Techniker mit weissen Handschuhen reinigt den Sensor einer Canon Kamera.

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Der irische Fotojournalist Ivor Prickett nimmt ein Foto eines irakischen Jungen auf einem Lastwagen mit Tomaten auf.

Der irische Fotojournalist und Canon Ambassador Ivor Prickett sagt, dass eine „natürliche Fähigkeit, Menschen Sicherheit zu vermitteln“, eine nützliche Fähigkeit für angehende Fotojournalisten ist.

Sei respektvoll

„Eine natürliche Fähigkeit, Menschen Sicherheit zu vermitteln“, und ein „ruhiger, nicht zu forcierender Ansatz“ öffnen dir Türen, so der Kriegskorrespondent Ivor Prickett. „Vieles von dem, was ich erreicht habe, gelang mir nur, weil ich beim Fotografieren von Menschen einen behutsamen Ansatz gewählt habe. Schliesslich bitte ich sie um einen grossen Gefallen.“

Lerne, technischer zu sein

„Ich war nicht gerade der technisch talentierteste Schüler in meiner Klasse“, sagt Ivor. „Ich gehörte wahrscheinlich sogar zu den schlechtesten, aber man sagte mir, dass das etwas sei, was ich erlernen kann. Dein natürliches Können, deine zwischenmenschlichen Fähigkeiten und deine Arbeitsmoral hingegen lassen sich nicht so einfach entwickeln. Die technische Seite der Dinge ist einfacher zu beherrschen, aber das braucht Zeit, und sie ist wirklich wichtig, um schnelle Entscheidungen treffen und gute Arbeit vor Ort leisten zu können.“

Das bedeutet aber nicht, dass man jeden technologischen Trend mitmachen muss. Man kann auch grossartige Ergebnisse mit älteren Kameras erzielen. „Es gibt immer etwas, das neu und besser ist“, so Angela. „Ich sage: Arbeite mit dem, was du hast, beherrsche es und dadurch wirst du in der Lage sein, tolle Arbeit zu leisten.“

Eine weinende Trauergemeinde mit Blick auf eine Person, die in einem Sarg liegt; ein Foto von Mads Nissen.

„Du solltest nicht daran denken, der Beste sein zu wollen, sondern daran, eine positive Veränderung zu erwirken“, sagt Mads. „Es gibt wenige Menschen, die zu den Besten gehören können, aber wir alle können die Dinge in die eine bessere Richtung lenken. Für mich ist das wesentlich bedeutsamer.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 24–70mm F2.8L IS USM Objektiv bei 24 mm, Verschlusszeit 1/80 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 3200. © Mads Nissen

Eine Karriere als Fotograf aufbauen

Eine Karriere als Fotograf kann sich in viele verschiedene Richtungen entwickeln. Mads rät, zu Beginn der Karriere Dinge auszuprobieren und sich nicht zu sehr auf eine Denkweise einzuschiessen. „Wenn du gerade am Anfang stehst, bist du noch dabei Fuss zu finden. Hab Spass dabei. Mache Dinge, die dir etwas bedeuten.“

Eine tolle Möglichkeit, dich weiterzuentwickeln, hast du im Rahmen von ehrenamtlicher Arbeit bei einschlägigen Organisationen. „Ehrenamtliche Tätigkeiten können viele Türen öffnen“, sagt Angela. „Ich selbst war für das Madsoc Theatre in Lilongwe in Malawi ehrenamtlich tätig und habe Videos und Fotos aufgenommen. Dort habe ich Menschen kennengelernt, die mir später bezahlte Aufträge haben zukommen lassen. Ich habe ein gutes Netzwerk, das ich mir durch diese Erfahrung aufgebaut habe.“

Die niederländische Fotojournalistin und Canon Ambassador Ilvy Njiokiktjien hat einige praktische Tipps zu diesem Thema. „Übe jeden Tag“, sagt sie. „Gehe zu Fotofestivals. Mache Praktika. Versuche, einen Mentor zu finden. Setze dich mit Redakteuren vor Festivals in Verbindung, um zu erfahren, ob sie Portfolios bewerten, oder melde dich zu Portfoliobewertungen an. All das sind Möglichkeiten, einen Fuss in die Branche zu bekommen. Schlussendlich geht es darum, Kontakte zu Personen zu haben, die deine Arbeit veröffentlichen.“

Ein Mann und seine Frau stehen vor einem Regal voller bunter Teller in ihrem Zuhause, das mit Biogas versorgt wird; Foto aufgenommen von Angela Jimu.

Dieses Bild zeigt Matthias Nyanhete und seine Frau Wenias Chifamba, die ihr Zuhause durch nachhaltiges Biogas mit Strom versorgen. „Höre in dich hinein“, sagt Angela. „Welche Geschichten und Gründe liegen dir am Herzen, sodass du sie mit der Welt teilen möchtest?“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 600D und einem Canon EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 IS II Objektiv bei 24 mm, Verschlusszeit 1/40 Sek., Blende 1:6,3 und ISO 3200. © Angela Jimu

Dich selbst als Fotograf gut verkaufen

Es gibt viele Methoden, deine Arbeit zu bewerben. Selbstverständlich sind die sozialen Medien eine davon. „Die sozialen Medien sind ein sehr hilfreiches Mittel, wenn man keine Website hat“, merkt Angela an. „Die Mitgliedschaft in der African Photojournalism Database (APJD), einer Initiative der World Press Photo Foundation, empfinde ich ebenfalls als sehr nützlich, um die eigene Arbeit zu bewerben. Die Stiftung stellt die Arbeit ihrer Mitglieder online vor und ihre Plattform hat Millionen von Followern.“

Ilvy glaubt, dass die Präsentation bei Redakteuren unerlässlich ist, damit eben diese auf Geschichten aufmerksam werden. „Frage andere Fotografen, wie sie es machen, und frage Redakteure, auf welche Weise sie Geschichten gern bei sich eingehen sehen“, sagt sie. „Wenn du weisst, wie du eine Story präsentierst, kannst du die Fotografie zu einer ernstzunehmenden Karriere machen.“

Ivor spornt aufstrebende Fotojournalisten an, den Fokus auf die Arbeit über alles andere zu stellen und beim Networking einen gezielten Ansatz zu verfolgen. „Networking ist ein wichtiger Teil der Arbeit als freiberuflicher Fotograf, aber auf Platz eins befindet sich immer noch gute, individuelle Arbeit“, erklärt er. „Sprich die Personen an, für die du wirklich arbeiten möchtest, und konzentriere dich auf bestimmte Zeitschriften, Zeitungen und Institutionen, da nicht jeder für jede Publikation oder Organisation geeignet ist. Wir alle haben unseren Stil und unsere Spezialität, also finde heraus, wo du hineinpasst, und bemühe dich darum.“

Laura rät dazu, Motive ausserdem zu variieren. „Finde etwas abseits des redaktionellen Marktes, das dir gut liegt, und entwickle daraus eine Paralleltätigkeit.“ Für Laura schliesst das das Aufnehmen von Fotos bei Meetings und Konferenzen mit ein. „Wenn ich einen Grossauftrag für ein Unternehmen in einem Monat habe, kann ich es so finanzieren, mir Zeit für meine persönlichen Projekte zu nehmen.“

Einblicke aus der Branche: Präsentation bei Fotoredakteuren

Tipps von Profis für die Präsentation eines Fotojournalismus-Projekts, damit du hervorstichst und von einem Fotoredakteur engagiert wirst.
Zwei Personen mit Brillen und Kopfhörern, die die AZoth Pyramid beim Futurismus-Festival „Worlds Fair Nano“ im Jahr 2018 ausprobieren; Foto aufgenommen von Laura Morton.

Laura fotografiert als Paralleltätigkeit bei Konferenzen und anderen Veranstaltungen und ist dafür in die Tech-Community eingetaucht. Dabei ist sie bei Events wie dem Futurismus-Festival „Worlds Fair Nano“ in San Francisco in Kalifornien tätig. Dort testen Besucher die AZoth Pyramid, eine interaktive Unterhaltungsmaschine für das Gehirn, bei der LED-Lampen so abgestimmt sind, dass sie Gehirnwellenmuster auslösen, die für Euphoriegefühle sorgen sollen. Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X Mark II (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS-1D X Mark III) mit einem Canon EF 35mm f/1.4L II USM Objektiv mit einer Verschlusszeit von 1/800 Sek., Blende 1:4,5 und ISO 3200. © Laura Morton

So hebst du dich als Fotograf ab

„Lass dir nicht von anderen sagen, dass du über das berichten sollst, worüber alle berichten“, sagt Laura. „Mein Erfolg kam, als ich damit begann, über Dinge zu berichten, über die sonst niemand berichtete. Viele Leute dachten, ich sei verrückt, Menschen zu fotografieren, die im Grunde nur an Computern sitzen, aber genau damit kam meine Karriere wirklich ins Rollen.

„Der beste Weg, um sich von anderen Fotografen abzuheben, besteht darin, einzigartige Ideen für Storys zu haben. Wenn du etwas fotografierst, das niemand anders fotografiert, hast du einen Vorteil.“

Dein Motiv kann in einem anderen Land liegen oder auch einfach nur ein, zwei Strassen von deinem Zuhause entfernt. Es ist wichtig, dass du in deine Community eintauchst und im Hinterkopf behältst, dass Ideen aus allem in deinem Alltag hervorgehen können. Der Schlüssel liegt darin, neugierig auf die Welt zu sein.“

Immer auf dem neuesten Stand zu sein, ist eine weitere Möglichkeit, deine Arbeit herausstechen zu lassen. „Ich führe unglaublich viel Hintergrundrecherche zu meinen Projekten durch“, erklärt Laura. „Ich lese stapelweise Bücher über ein Thema, bevor ich mit dem Fotografieren beginne. Hintergrundwissen trägt nicht nur dazu bei, bessere Fotos aufzunehmen, sondern auf diese Weise kannst du den Personen, die du fotografieren möchtest, zeigen, dass du deine Hausaufgaben gemacht hast und erhältst so Zugang zu einem bestimmten Bereich.“

Zwei Personen tragen einen Reifen, während drei Männer ein südafrikanisches Jugend-Camp im Blick behalten; Foto aufgenommen von Ilvy Njiokiktjien.

Ihre Arbeit in einem Jugend-Camp in Südafrika hat Ilvy zwei World Press Photo Awards eingebracht. In diesem Foto aus dem Camp sehen der selbsternannte Kolonel Franz Jooste und seine Sergeants dabei zu, wie die Jungs im Camp Reifen heben. „Die Story ‚Afrikaner Blood‘ war mein erster Versuch einer Mischung aus Videografie und Fotografie“, so Ilvy. „Wir haben uns für Videoaufnahmen entschieden, weil es uns wichtig war, all die rassistischen Dinge, die der Leiter des Camps gesagt hat, genau wiederzugeben.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 5D Mark IV) und einem Canon EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM) bei 25 mm, Verschlusszeit 1/400 Sek., Blende 1:4,5 und ISO 400. © Ilvy Njiokiktjien

Eine einzigartige Geschichte kann alles verändern

„‚Afrikaner Blood‘ war eine Story, die ich im Jahr 2010 in einem Jugend-Camp in Südafrika gedreht habe, in dem eine rassistische Gruppe agierte“, sagt Ilvy. „Ich war gemeinsam mit einem Autor dort und zusammen haben wir ein kurzes Video erstellt und es in der Multimediakategorie bei den World Press Photo Awards eingereicht. Es hat den ersten Platz belegt. Das war irre. Ich habe ausserdem den zweiten Platz in einer der anderen Kategorien mit einem meiner Bilder aus dem Camp belegt.“

Der Gewinn dieser Awards hat Ilvy neue Türen geöffnet und ihre Karriere so über Nacht verändert. „Ich habe für eine lokale niederländische Zeitung gearbeitet, als plötzlich die New York Times und andere internationale Zeitungen angerufen haben“, erzählt sie. „Mein Beitrag wurde in Deutschland, Italien, Dänemark, Japan, England und einfach überall veröffentlicht. Ich denke, dass ich heute kein Canon Ambassador wäre, wenn das nicht passiert wäre.“

Viele Fotografen berichten ähnliches. Das zeigt sehr gut, dass du nie wissen kannst, wann dein grosser Durchbruch kommt. Arbeite also weiter, bewirb deine Arbeit und gib nicht auf.

Matthew Bowen and Will Salmon

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