Man sagt ja, man kann zu viel des Guten haben. Wer diesen Ausdruck geprägt hat, der hat mit Sicherheit noch nie versucht, Widescreen-Aufnahmen in 16:9 zu einem vertikalen Clip in 9:16 für die sozialen Medien zuzuschneiden.
Beim Thema Video-Auflösung kann man es kaum übertreiben. In der Nachbearbeitung kann man niemals zu viele Pixel haben, nur zu wenig Festplatten- oder Arbeitsspeicher. Beispielsweise ermöglichen sowohl die Canon EOS R50 V als auch die PowerShot V1 Videoaufnahmen in 4K UHD. Das gibt dir viermal so viele Pixel wie Full HD (1080p) und damit Bilder mit deutlich mehr Detailreichtum. Unter den Kameras von Canon findest du auch Modelle, die in höheren Auflösungen als 4K aufnehmen können. Die EOS R6 V ermöglicht z. B. Videoaufnahmen in bis zu 7K.
Wenn du nur YouTube-Videos und Clips für die sozialen Medien in 4K oder Full HD ausgibst, kommt dir eine höhere Auflösung vielleicht unnötig vor. Vielleicht sogar verschwenderisch. Schliesslich belegen höher aufgelöste Aufnahmen auch mehr Speicherplatz und verlangsamen die Übertragung und Verarbeitung der Videos.
Dafür erhältst du aber unglaublich viel Flexibilität beim Bearbeiten deiner Inhalte. Wenn du eine 7K-Aufnahme auf 4K oder Full-HD zuschneidest, gibt dir das bei der Nachbearbeitung den Spielraum, Bildausschnitte neu zu gestalten – ohne Abstriche bei der Qualität machen zu müssen. Du kannst engere Ausschnitte von einer einzigen Kameraposition aus erstellen, digital zoomen oder über ein breiteres Bildfeld schwenken. Ausserdem wird es dadurch einfacher, eine digitale Bildstabilisierung auf Aufnahmen aus freier Hand anzuwenden.
Kameratechnologie entschlüsseln: die Video-Auflösung
Mit der Open Gate-Aufzeichnung kannst du einen grösseren Bildbereich einfangen, als mit traditionellen Video-Seitenverhältnissen. Das gibt dir die Möglichkeit, aus einer einzigen Aufnahme eine vertikale und eine horizontale Videoaufnahme zu erstellen. Mit den Markierungen zum Seitenverhältnis auf dem Bildschirm behältst du beides bei der Komposition deiner Aufnahmen im Auge.
Welche Vorteile bieten Open Gate-Aufzeichnungen?
Open Gate-Aufnahmen heben Video auf das nächste Level. Diese Technologie ist in der Canon EOS R6 V und anderen ausgewählten Canon Kameras verfügbar. Bei der Open Gate-Aufzeichnung wird der gesamte Sensor im Format 3:2 erfasst, anstatt ihn direkt auf ein vorausgewähltes Seitenverhältnis wie 16:9 zu begrenzen.
Das gibt dir nicht nur mehr Freiheit beim Reframing, sondern lässt dich mehrere Seitenverhältnisse aus einem einzigen Clip zuschneiden. Gleichzeitig holst du so das Meiste aus der Auflösung des Sensors heraus. Du kannst eine Widescreen-Aufnahme in 16:9 und einen vertikalen Zuschnitt in 9:16 aus dem gleichen Take erstellen, ohne, dass der Kino-Look deiner Bilder verloren geht.
Vertikale und horizontale Bilder aufnehmen zu können, ohne die Ausrichtung der Kamera zu ändern, spart dir eine Menge Zeit. Das gilt ganz besonders, wenn du Ereignisse filmst, die nicht wiederholbar sind, oder an Orten unterwegs bist, die zu schwierig oder zu teuer zu erreichen sind, um dorthin zurückzukehren.
Das ist ein echter Vorteil für Reels und Shorts, sagt Filmemacher Daniel Ernst, der seine kinoreifen Dokumentarvideos häufig in der Wildnis und an abgelegenen Orten aufnimmt. „Die Menschen möchten sich vertikale Inhalte in den sozialen Netzwerken ansehen, aber ich nehme nicht gerne vertikal auf. Da ist es toll, horizontale Bilder aufnehmen und sie dann einfach zuschneiden zu können.“
Daniel verwendet Open Gate auch, um kreativ Ergebnisse zu erzielen. „Wenn du eine Szene mit einer auf ein Stativ montierten Kamera aufnimmst, kannst du beim Nachbearbeiten etwas Bewegung hineinbringen“, sagt er. „Du hast oben und unten so viele Videoinformationen, dass du die Kamera praktisch hoch- oder herunterschwenken kannst, obwohl es sich um eine stationäre Aufnahme handelt. Du kannst zoomen und das Bild nach links oder rechts bewegen – für meine Arbeit ein riesiger Vorteil.“
Das ist ein nützlicher Trick für Solo-Creator: Wenn du subtile Kamerabewegungen hinzufügst oder den Bildausschnitt in der Nachbearbeitung vergrösserst/verkleinerst, wird eine statische Aufnahme dynamischer. Mit dem zusätzlichen Bildbereich ist es fast so, als hast du lange nach Drehschluss einen zweiten Kamerawinkel zur Hand. So holst du viel mehr aus einer einzigen, fest installierten Aufnahme heraus.
Was versteht man unter Oversampling?
Doch die Verwendung von 6K, 7K oder sogar 8K-Videoaufnahmen in einem 4K-Workflow eröffnet dir nicht nur kreative Chancen. In einer höheren Auflösung gefilmte 4K-Aufnahmen können manchmal besser aussehen, als nativ aufgenommenes 4K.
Das liegt an einem Prozess namens Oversampling, einer Funktion, über die viele Canon Kameras verfügen – so auch die EOS R6 V und die EOS R50 V. Die Kamera beginnt mit einem Bild in einer höheren Auflösung als die endgültige Aufnahme. Dann werden die zusätzlichen Bilddaten verwendet, um die endgültige Ausgabe in einer niedrigeren Auflösung zu erstellen. Stell dir vor, du schrumpfst ein grösseres, detailliertes Bild auf ein kleineres zusammen. Das Ergebnis hat mehr Klarheit, mit weniger Rauschen und Moiré.
Um Oversampling in kompatiblen Kameras des Canon EOS R Systems zu aktivieren, wähle einfach die Option „Fine“ oder „HQ (Hohe Qualität)“ unter der Movie-Aufnahmegrösse aus („Movie Rec. Size“).
Die EOS R6 V ermöglicht die Aufnahme auf zwei Speicherkarten. Du kannst gleichzeitig eine 4K-Videodatei auf der CFexpress-Karte und eine Proxy-Datei (in 2K oder Full HD) auf der SD-Karte aufnehmen, um mit den Proxy-Aufnahmen in niedrigerer Auflösung schneller loslegen zu können.
Aufnehmen von Videos mit Standardauflösungen
Einer der Nachteile von Aufnahmen bei einer höheren Auflösung, ist die zusätzliche Arbeit, die der Prozessor der Kamera leisten muss, insbesondere bei RAW-Aufnahmen. Daher sind die EOS R6 V und einige Canon Profi-Kameras mit einer aktiven Kühlung ausgestattet, um die Hitze zu regulieren, die sich bei anspruchsvollen Aufgaben wie 7K RAW Open Gate entwickelt.
Speicherkapazität und Dateimanagement sind weitere Faktoren, die du bei der Arbeit mit hochauflösenden Inhalten bedenken solltest. Die EOS R6 V verfügt über zwei Steckplätze für Speicherkarten. Sie lässt sich so einstellen, dass deine hochauflösenden Master-Dateien auf einer Karte und die Proxys in niedrigerer Auflösung auf der anderen Karte gespeichert werden.
Das Bearbeiten von Proxy-Dateien beschleunigt deine Arbeit erheblich. Proxys sind viel kleiner und damit leichter hochzuladen und zwischen Laufwerken zu übertragen. Und deine hochauflösenden Bilder bleiben sicher gespeichert, bis du sie brauchst.
Das heisst aber nicht, dass du immer die grösstmögliche Auflösung wählen solltest. Wenn du ein ganztägiges Ereignis filmst oder dein Speicherplatz auf Reisen begrenzt ist, bietet dir Standard 4K eine praktische Wahl mit immer noch hervorragender Bildqualität.
Daniel Ernst war mit derEOS C50 in Patagonien unterwegs – einer Kamera mit ähnlichen 7K Open Gate Aufnahmefunktionen wie bei der EOS R6 V. Dort hob er sich 7K für die wichtigsten Aufnahmen auf. „Alles andere filmte ich in 4K“, sagt er. „Ich musste den Speicher im Auge behalten. Beim Wandern musste ich meine ganze Ausrüstung tragen, einschliesslich Zelt, Gaskocher und Verpflegung. Daher hatte ich nicht einmal meinen Laptop mit.“
Am Ende geht es bei einer höheren Auflösung nicht nur darum, mehr Pixel einzufangen. Du eröffnest dir damit mehr kreative Möglichkeiten bei der Bearbeitung: Du kannst Aufnahmen neu ausrichten, aus einem einzigen Take mehrere Formate erhalten und die Qualität durch Oversampling maximieren. Wenn du diese Flexibilität aber nicht benötigst, lässt sich die Kamera für einen leichteren Workflow ganz einfach auf 4K umschalten.
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