So machst du aus deinen Reisefotos eine Erzählung

Reisefotograf Cuno de Bruin erzählt von sieben Techniken, mit denen er den Betrachtern hilft, in die Szene zu treten, als wären sie wirklich dort.

Gute Reisebilder gehen über die klassischen Postkartenansichten hinaus und vermitteln ein Gefühl davon, wie es ist, wirklich vor Ort zu sein. Die eigentliche Kunst ist es, den Charakter und die Seele eines Ortes in eine visuelle Story zu verwandeln – nimm die Betrachter mit auf die Reise, und hilf Ihnen, bekannte Orte auf ganz neue Art und Weise zu entdecken.

Der niederländische Fotograf Cuno de Bruin verfeinert diesen narrativen Ansatz seit Jahren. Er hat sich auf Reise-, Landschafts- und Abenteuerfotografie spezialisiert, und bereits Orte für internationale Marken und Tourismusbehörden zum Leben erweckt, unter anderem in Peru, in der Schweiz und in Südtirol.

Von der richtigen Komposition über veränderliche Wetterverhältnisse bis hin zum Einsatz von Vollformat-Kameras und Smartphone-Apps, um eine Szene einzufangen: Cuno gibt uns heute seine sieben Top-Tipps für Reisebilder, bei denen Betrachter in die Szene treten, den Moment erleben und sich so fühlen, als wären sie wirklich dort.

Ein Mann wandert bei goldenem Licht über einen Strand voller Dünen, während überall in der Szene die Schatten wachsen. Reisefoto, aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II.

„Das Licht hat mich begeistert“, sagt Reisefotograf Cuno de Bruin. „Wenn die Sonne so tief steht, ist das meine liebste Tageszeit. Dann kann man mit den Schatten und dem Licht auf den Dünen und Gräsern spielen.“ Das Streiflicht fällt schräg in die Szene ein, gibt ihr eine dreidimensionale Qualität und zieht Betrachter regelrecht in das Bild hinein. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II und einem Canon RF 70-200mm F4L IS USM Objektiv bei 200 mm, Verschlusszeit 1/500 Sek., Blende 1:4 und ISO 100. © Cuno de Bruin

Eine Landschaft mit mehreren Ebenen zeigt vier Menschen am Strand bei Sonnenuntergang. Durch die Sonne, die Dünen, den Strand und das Meer erscheinen sie winzig klein. Reise-Landschaftsfoto, aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II.

Beim Vergrössern mit einem Teleobjektiv wird der Bildwinkel geschmälert, weshalb Details im Hintergrund grösser und näher an den Motiven im Vordergrund erscheinen. Cuno verwendete diese Technik, um die Szene in dramatische Ebenen zu komprimieren, fast wie gezeichnet. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II und einem Canon RF 70-200mm F4L IS USM Objektiv bei 200 mm, Verschlusszeit 1/100 Sek., Blende 1:4 und ISO 320. © Cuno de Bruin

1. Nach Ebenen für deine Komposition suchen

Ebenen geben einem Bild eine gewisse Tiefe und helfen, Betrachter in die Szene zu ziehen. Einige Szenen bieten sich natürlich für Kompositionen mit verschiedenen Ebenen an – so z. B. Landschaften und Stadtkulissen, wo du mit dem richtigen Framing das Auge durch Vordergrund, Mitte und Hintergrund der Aufnahme führen kannst. Cuno hat diese Technik auch bei den Aufnahmen auf der niederländischen Insel Terschelling eingesetzt. „Ich liebe diese Landschaften, wo Himmel, Meer, Strand und Dünen verschiedene Ebenen bilden“, sagt er.

Indem er eine Person in die Aufnahme einbezieht, schafft Cuno noch eine weitere Ebene, mit der das Publikum die Aussicht hautnah erleben kann. Wenn er alleine auf Reisen ist, muss er dazu häufig die Kamera auf ein Stativ montieren und selbst zum Motiv in der Aufnahme werden. Mit den Kameras aus dem Canon EOS R System, die Cuno verwendet, wie der EOS R5 Mark II, ist das aber schnell und einfach erledigt. Der intelligente Autofokus ermöglicht es der Kamera, ihn im Fokus zu halten, während er sich durch die Szene bewegt. Währenddessen kann er mit der Canon Camera Connect App auf dem Smartphone ganz einfach die Kamera fernbedienen.

2. Die Camera Connect App für einfachere Fernaufnahmen verwenden

Die Canon Camera Connect App erspart dir das Rätselraten bei Fernaufnahmen. Sie verwandelt dein Smartphone in einen unauffälligen Fernauslöser, den du einfach in deiner Hosentasche verstecken kannst. Das ist ein unheimlich nützliches Tool, wenn du vor der Kamera stehst, da du damit alles Mögliche steuern kannst – von Belichtung, Weissabgleich und Betriebsart über die Fokus-Feineinstellung bis hin zum Betrachten der Bilder auf der Speicherkarte der Kamera.

Um die volle Kontrolle über die Belichtung zu behalten, verwendet Cuno den manuellen Modus und passt immer wieder Einstellungen wie Verschlusszeit und Blende über die App an, während er selbst Teil der Szene ist.

„Dass ich mir die Live-Ansicht in der App ansehen kann, macht es mir leicht, Aufnahmen zu komponieren und genau die richtige Position im Bild zu finden.“

Cuno sagt, er verlässt sich ständig auf die Canon Camera Connect App, da er häufig selbst zu einem Motiv in seinen Bildern wird, wenn niemand da ist, um ihm eine helfende Hand zu reichen. „Insbesondere, wenn ich mit meiner Frau und den Kindern auf Reisen bin“, sagt er. „Ich hole sie nicht für Aufnahmen bei Sonnenaufgang frühmorgens aus dem Bett, das würde ihnen gar nicht gefallen.“

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Reisefotograf Cuno de Bruin hält eine Canon EOS R5 Mark II an sein Auge.

Für die meisten seiner Reisestories verwendet Cuno drei Canon Objektive: das RF 70-200mm F4L IS USM, das RF 24-70mm F2.8L IS USM und das RF 50mm F1.4L VCM. „Zusammen ergeben sie eine tolle Mischung“, findet er. Die Zoomobjektive sind ideal, um in einer Komposition verschiedene Ebenen zu schaffen. Das 50-mm-Hybridobjektiv verwendet er für kleine Details und dokumentarische Aufnahmen.

3. Nutze den intelligenten Autofokus

Wenn du selbst in deine Szene treten möchtest, stelle den Autofokus auf kompatiblen Kameras aus dem EOS R System so ein, dass er Personen priorisiert. Dadurch bleibt dein Gesicht, Kopf oder Körper scharfgestellt, wenn du dich in der Aufnahme positionierst. Aktiviere die Augenerkennung für noch mehr Präzision. „Das verwende ich, um in einem Bild im Fokus zu bleiben“, sagt Cuno. „Ausserdem kannst du eine Menge der Autofokus-Einstellungen von der App vom Smartphone aus vornehmen.“

Die Funktion „Personen-Priorität registrieren“ steht bei den Vollformat-Kameras EOS R8 Mark II und EOS R6 Mark III sowie einer wachsenden Zahl spiegelloser Canon Kameras zur Verfügung – eine tolle Option zum Beispiel für belebte Orte voller Touristen. Wenn du dein Gesicht auf der Kamera registrierst, bleibst du im Fokus, auch wenn andere Menschen im Bild sind.

Wenn Cuno nicht selbst das zentrale Motiv ist und als unscharfes Element im Vordergrund erscheinen möchte, dann legt er mit der Camera Connect App den Spot-AF auf einen bestimmten Punkt in der Ferne fest. Durch diese selektive Fokussierung und eine grosse Blendenöffnung wie F2,8 erscheint er im Bild unscharf.

4. Über die Schulter einer Person fotografieren

Wenn du über die Schulter einer Person aufnimmst, die etwas in der Ferne betrachtet (oder über deine eigene Schulter), dann erhältst du eine Point-of-View-Perspektive, bei der dein Publikum in die Szene eintaucht. Diese Technik verwendet Cuno sehr häufig. „Wenn du dir mein Instagram ansiehst, wirst du merken, wie häufig ich über die Person einer Schulter fotografiere, oder ich verwende Menschen im Bild, um Perspektive und Grössenverhältnisse zu verdeutlichen“, sagt er. „Meine Betrachter sollen sich vorstellen, anstelle der Person dort zu sein.“

Wenn du dein Motiv absichtlich in eine Unschärfe tauchst, können Betrachter sich leichter in die Szene hineinversetzen. Cuno sagt, die schnelle Blende und Vielseitigkeit seines Canon RF 24-70mm F2.8L IS USM Objektivs gibt ihm in Kombination mit einer Vollformat-Kamera eine Menge kreativer Kontrolle über die Schärfentiefe für diese Art von Aufnahmen. „Bei einem unscharfen Vordergrund und einer Lichtstärke von 1:2,8 entsteht fast der Eindruck, als läufst du direkt hinter der Person“, sagt er. „Dann kannst du die Szene bei 70 mm komprimieren, um Ebenen in dem Bild zu erzeugen, oder bei Bedarf eine Weitwinkelaufnahme machen.“

„Ein 70-200-mm-Objektiv lässt dich die Szene noch stärker komprimieren“, fügt Cuno hinzu, „sodass der Hintergrund näher an deinem Motiv erscheint und du die Grössenverhältnisse übertreiben kannst. Ein 24-70-mm-Objektiv gibt dir dagegen ein natürlicheres Feeling.“

Ein Mann an Deck eines Bootes, verschwommen im Vordergrund, betrachtet ein Segelboot in der Ferne. Reisefoto, aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II.

Das ist eine der liebsten Aufnahmen von Cuno vom Shooting auf Terschelling – und genau die Art von Bild, nach der er immer auf der Suche ist, „wo jemand etwas betrachtet, während ich hinter der Person bin und über ihre Schulter filme“. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II und einem Canon RF 24-70mm F2.8L IS USM bei 56 mm, Verschlusszeit 1/6.400 Sek., Blende 1/2,8 und ISO 100. © Cuno de Bruin

Ein Segelboot auf dem Wasser, aufgenommen durch ein Fenster; im Vordergrund lassen sich gerade so unscharfe Stühle und ein Tisch ausmachen.

Wenn du ein natürliches Framing findest, kann das die Erzählung deiner Reise unterstreichen. „Die Aufnahme durch das Fenster macht dieses Bild aus“, sagt Cuno. „Dadurch entsteht ein ganz bestimmtes Feeling. Wohin das Boot wohl fährt?“ Ein schnelles 50-mm-Objektiv bei einer Lichtstärke von 1:1,4 half Cuno dabei, dem Vordergrund eine sanfte Unschärfe zu geben und so einen kinoreifen Look zu schaffen. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II und einem Canon RF 50mm F1.4L VCM. Verschlusszeit 1/4.000 Sek., Blende 1:1,4 und ISO 125. © Cuno de Bruin

5. Ein natürliches Framing für deine Reisefotos finden

Du kannst nicht nur Tiefe erzeugen, indem du eine Person nahe der Kamera positionierst – auch andere Details im Vordergrund können das Framing einer Szene unterstreichen und Betrachtern einen Eindruck eines Ortes vermitteln. Ein natürliche Rahmen, wie Fenster, Blätter oder Gebäude können deine Story stützen und auch Teile der Szene verbergen, die du nicht im Bild haben möchtest. Die Vorschau der Schärfentiefe an deiner Kamera zeigt dir, wie viel vom Vordergrund scharfgestellt ist.

Diese Ebenen sind sehr wichtig, sagt Cuno: „Sie geben den Betrachtern wirklich das Gefühl, als wären sie dort.“ Experimentiere selbst mit dieser Technik, wenn du das nächste Mal in einem Hotel bist, so wie Cuno auf Terschelling. „Du brauchst dazu einfach nur ein Fenster oder Vorhänge. Ich habe sogar ein Bild in meinem Hotelzimmer aufgenommen, bei dem ich unscharf vor zwei gerahmten Bildern an der Wand stehe, mit einer Tasse Kaffee in der Hand.“ Solche Aufnahmen können deine Story ergänzen, ihr Tiefe verleihen und es Betrachtern gestatten, in deine Welt zu treten.

6. Aus Wetteränderungen das Meiste herausholen

Auf Reisen hat man nicht immer den Luxus, lange warten oder an einen Ort zurückkehren zu können. Daher musst du das Meiste aus den Bedingungen herausholen, die du vorfindest. Tatsächlich können Wetteränderungen, wie Cuno sie bei dieser Reise eingefangen hat, deine Story um einen ganz neuen kreativen Aspekt bereichern.

„An dem Tag war alles sehr wechselhaft“, erinnert sich Cuno. „Erst das herrlichste Wetter, dann kamen dunkle Wolken auf und bei Sonnenuntergang war es wieder wunderschön draussen. Wenn das Wetter schlecht ist, dann zeige das auch in deinen Aufnahmen. Ich höre niemals auf, Bilder zu machen. ‚Es regnet, lass uns nach drinnen gehen‘, sagen die Menschen dann vielleicht, aber das sind genau die Momente, in denen du einfach weitermachen solltest.

Bei veränderlichen und herausfordernden Lichtverhältnissen ist eine Vollformat-Kamera wie die reisefreundliche EOS R8 Mark II eine hervorragende Wahl. Verglichen mit dem viel kleineren Sensor einer Kompaktkamera oder an deinem Smartphone, erhältst du bei einer Vollformat-Kamera einen deutlich grösseren Dynamikumfang. Dadurch bleiben in dunklen und in hellen Bereichen mehr Details erhalten. „Es ist auch toll, wenn Menschen von APS-C auf Vollformat umsteigen und beginnen, ihre RAW-Bilder nachzubearbeiten. Sie merken dann: ‚OK, ich kann jetzt mehr vom Himmel zurückholen‘. All das hilft eine Menge“, sagt Cuno.

Widerstandsfähige, wetterfeste Kameras und Objektive sind eine grosse Hilfe, fügt er hinzu, aber hauptsächlich musst du flexibel bleiben und die Chancen ergreifen, die sich dir bieten. „Regen kann auch atemberaubend schön sein. Schliesslich ist er Teil der Reise, die du in Bilder fassen möchtest.“

7. Szenen durch Bewegung zum Leben erwecken

Absichtliche Bewegungsunschärfen durch eine lange Verschlusszeit sind eine weitere effektive Möglichkeit, das Gefühl zu vermitteln, selbst an einem Ort zu sein. Wenn Fahrzeuge und Fussgänger verschwimmen, unterstreicht das z. B. den Eindruck, wie geschäftig eine Szene wirklich ist. Eine Kamera mit integrierter Bildstabilisierung (IBIS) oder ein IS-Objektiv helfen dir dabei, stationäre Elemente scharf zu halten, wenn du mit längeren Verschlusszeiten aus der freien Hand aufnimmst.

„Das ist natürlich nicht immer möglich, manche Bild sind einfach nur Standbilder“, sagt Cuno. „Aber es genügt schon, einzufangen, wie Wasser und Gräser vom Wind bewegt werden, um etwas Bewegung in deine Szene zu bringen. Da kann man beinahe den Wind spüren und hat die Meeresluft in der Nase.“


Im Canon Club erfährst du mehr darüber, wie Cuno de Bruin an die Reisefotografie herangeht.

Written by Marcus Hawkins

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