World Sports Photography Awards 2026: Beurteilung aufstrebender Talente

Der renommierte Sportfotograf Richard Heathcote spricht über seine Tätigkeit als Juror beim Canon Emerging Talent Award und über die nächste Generation von Sportfotografen.
Ein Skifahrer, der vor dem Hintergrund des blauen Himmels über schneebedeckten Bergen einen Saltosprung vollführt, während am oberen Bildrand die Sonne strahlt.

Foto von Claudia Greco, Sonderauszeichnung beim Canon Emerging Talent Award, World Sports Photography Awards 2026. © Claudia Greco

Junge Sportfotografen würden die Dinge anders betrachten, meint Richard Heathcote, Chef-Sportfotograf bei Getty Images. Richard – selbst mehrfacher Preisträger – war kürzlich als Juror beim Canon Emerging Talent Award im Rahmen der World Sports Photography Awards 2026 tätig, wo er von dem hohen Niveau beeindruckt war.

„Ich bin seit 30 Jahren Sportfotograf“, sagt er. „Als ich anfing, wurde mir immer gesagt, abzuwarten, geduldig zu sein, den Bildausschnitt auszufüllen und das Motiv hervorzuheben. Es ging immer darum, einen bestimmten Moment klar und deutlich festzuhalten. Das Portfolio war eine Sammlung eindrucksvoller Fotos dieser einzelnen Momente.“

Die jungen Fotografen von heute konzentrieren sich jedoch viel stärker auf den erzählerischen Aspekt der Sportfotografie, wie die im Rahmen des Canon Emerging Talent Award präsentierten Portfolios zeigen.

„Soziale Medien spielen bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle“, sagt Richard. „Immer mehr Menschen fotografieren für Social-Media-Inhalte, anstatt das zu tun, was man als klassische Sportfotografie bezeichnen würde.“ Das sei nichts Schlechtes. Es sei interessant, zu sehen, wie Menschen die Ereignisse betrachten, über die sie berichten, und wie sie mehrere Fotos miteinander kombinieren.

„Jüngere Fotografen wachsen nicht damit auf, Zeitungen oder Zeitschriften zu kaufen, auf deren Titelseiten diese einzelnen grossen, beeindruckenden Bilder zu sehen waren – sie sehen sich Inhalte auf Smartphones, Tablets und Laptops an“, fügt er hinzu. „Dadurch ist ganz natürlich dieses erzählerische Element entstanden, ähnlich wie bei der Arbeit eines Reportagefotografen. Das spiegelt besser wider, wie Sportfotografie heute genutzt wird. Wenn man sich die Social-Media-Feeds von Sportvereinen oder -organisationen ansieht, handelt es sich bei den Fotos nicht unbedingt um einzelne herausragende Bilder. Vielmehr ergänzen sie sich gegenseitig und bilden ein Thema.“

Nicht alle Beiträge, die Richard bewertete, folgten diesem Ansatz. „Es war wirklich alles dabei", erzählt er. „Manche Portfolios enthielten fünf klar abgegrenzte Momente einzelner Ereignisse, die nicht wirklich miteinander in Zusammenhang standen. Sie waren fantastisch. Ein grosser Teil der Bilder wies jedoch einen klaren Zusammenhang auf – ein Bild führte zum nächsten.“

Das Erlernen der Bildbearbeitung ist eine weitere Fähigkeit, die Sportfotografen beherrschen müssen. „Es gab einige Bilderserien, bei denen ein oder zwei Aufnahmen unglaublich stark, die anderen aber nicht ganz ideal waren – man fragte sich fast, ob sie wirklich vom selben Fotografen stammten.“

Das mit Gold ausgezeichnete Portfolio mit Wintersport- und Basketball-Aufnahmen von Tom Weller gehörte zu Richards Favoriten. Die Stärke der einzelnen Aufnahmen und die kreative Vision des Fotografen verliehen dieser ungewöhnlichen Kombination eine ganz eigene Verbindung. „Die Wintersportbilder waren sehr gut umgesetzt“, sagt Richard. „Das Bild des Skispringers mit dem Spiegelbild ist mir besonders aufgefallen. Der Fotograf hatte sich offensichtlich Gedanken über seine Position gemacht und sich überlegt, wohin die Linien verlaufen – er stand nicht einfach nur da und drückte auf den Auslöser.“

Ein Techniker mit lilafarbenen Handschuhen arbeitet an einem Tisch an der Schaltung einer Canon Kamera.

Besitzt du eine Canon Ausrüstung?

Registriere deine Ausrüstung, um mit Canon Professional Services (CPS) Zugang zu Expertentipps, Gerätewartung, inspirierenden Veranstaltungen und exklusiven Sonderangeboten zu erhalten.
Eine Luftaufnahme eines schnell fahrenden Formel-1-Rennwagens. Die Rennstrecke und die Zuschauer erscheinen dabei verschwommen. Aufgenommen von Jayce Illman mit einer Canon EOS R3.

Richards Favorit war ein Portfolio mit fünf Formel-1-Fotos. „Auch wenn es keine Geschichte gab, gingen die Bilder nahtlos ineinander über – das ist das A und O eines grossartigen Sport-Portfolios.“ Die Bilder, darunter auch diese Schwenkaufnahme, sind laut ihm sehr gut gelungen. Der Fotograf Jayce Illman wurde beim Canon Emerging Talent Award mit einer besonderen Auszeichnung geehrt. Aufgenommen mit einer Canon EOS R3 mit einem Canon RF 100-500mm F4.5-7.1 L IS USM Objektiv bei 135 mm, Verschlusszeit 1/13 Sek., Blende 1:10 und ISO 500. © Jayce Illman

Worauf Juroren bei der Sportfotografie achten

Die grosse Vielfalt der eingereichten Arbeiten machte die Beurteilung zu einer grösseren Herausforderung, doch es gab einen Aspekt, auf den Richard unabhängig vom Motiv stets als Erstes achtete: die Wirkung.

Ein Bild „muss einen einfach packen“, sagt er. Das allein reicht jedoch nicht aus. „Es muss auch dazu anregen, sich im Bild umzuschauen. Wenn es um Storytelling geht: Wo sind die Verbindungen innerhalb des Bildausschnitts? Führt eine Sache zur nächsten? Gibt es etwas in diesem Bildausschnitt, das wichtig wird, wenn man sich ein anderes Bild in diesem Portfolio ansieht?“

Die technische Qualität der Bilder spielt weiterhin eine entscheidende Rolle. „Bei einem Storytelling-Ansatz muss man sich nicht unbedingt an die Regeln halten“, sagt Richard. „Aber ich bin der Typ Fotograf, bei dem ein Gesicht scharf sein muss. Wenn man eine langsame Schwenkaufnahme eines Formel-1-Wagens macht, muss der Helm des Fahrers scharf sein – denn das ist das menschliche Element im Bild. Es gibt zwar verschiedene Stile, aber für mich ist das einfach ein grundlegendes Muss in der Fotografie.“

Durch die Fortschritte in der Technologie spiegelloser Kameras hat sich das Feld bis zu einem gewissen Grad angeglichen, und es sind zweifellos neue kreative Möglichkeiten entstanden.

„Der grösste Unterschied, den ich beim Wechsel von der Film- zur Digitalfotografie gespürt habe, war die Möglichkeit, die Ergebnisse sofort zu sehen“, erklärt Richard. „Wenn man etwas ausprobiert und nicht ganz sicher ist, wie es wohl aussehen wird, kann man sofort sehen, ob es geklappt hat oder nicht. Wenn man zum Beispiel eine lange Belichtungszeit wählt, sieht man den Unterschied zwischen 1/8 Sek. und 1/15 Sek. und kann die Einstellungen schnell anpassen.“

Es sind jedoch die riesigen Fortschritte beim Autofokus, die es sowohl neuen als auch erfahrenen Sportfotografen erleichtern, bei hoher Geschwindigkeit schärfere Aufnahmen zu machen. „Er ist so gut, dass er dir tatsächlich dabei hilft, die Bilder besser zu komponieren“, sagt Richard. „Die Motivnachführung der Canon EOS R System Kameras ist mittlerweile so zuverlässig, dass man entscheiden kann, wo das Motiv im Bildausschnitt sein soll, einfach drauflos schiessen und sicher sein kann, dass der Autofokus es perfekt an dieser Stelle erfasst.

„Ich glaube, die Kameras verhelfen einem zu kreativeren Ergebnissen. Sie helfen dir bei der Arbeit und sorgen für eine effizientere Nutzung der Zeit.“

Eine Turnerin hängt an einer Stange, die Beine nach oben gestreckt, die Augen eingerahmt von ihren Knöcheln. Aufgenommen von Sportfotografin Ashley Ray.

World Sports Photography Awards 2026

Wirf einen Blick hinter die Kulissen der WSPA 2026 und erfahre, wie aufstrebende Talente neue Perspektiven in die Sportfotografie einbringen.
Ein Radfahrer sichtbar durch einen kleinen Spalt in der Ecke eines zerbrochenen Fensters, aufgenommen von Harry Talbot mit einer Canon EOS R5 Mark II.

Ein weiteres Portfolio, das sich sehr natürlich anfühlte, war Harry Talbots eindrucksvolle Serie von Radsportaufnahmen, für die er eine besondere Auszeichnung erhielt. Richard hob die Arbeit wegen ihrer Konsistenz hervor. „Manche Portfolios enthielten ein oder zwei unglaublich starke Bilder, aber die übrigen Bilder trafen nicht ganz ins Schwarze“, sagt er. „Es liegt an uns, den erfahreneren Fotografen Feedback zu geben und jüngeren Fotografen dabei zu helfen, überzeugendere Portfolios aufzubauen.“ © Harry Talbot

Die nächste Generation von Sportfotografen fördern

Durch mehr Effizienz haben Profis wie Richard mehr Zeit, um aufstrebende Fotografen zu unterstützen. „Ich glaube, die meisten Leute in der Sportfotografie sind sehr zugänglich und hilfsbereit“, sagt er und räumt ein, dass es nicht immer einfach ist, jedem Feedback zu geben, wenn man unter hohem Zeitdruck arbeitet.

„Es liegt in unserem Interesse, die besten Talente zu finden und zu fördern. Es ist eine Branche, die sich massiv weiterentwickelt, aber die Menschen werden immer kreative Sportfotos wollen. Ein Videoclip kann fesselnd sein, aber ein wirklich gutes Sportfoto lässt einen innehalten.“

Für Richard bieten Möglichkeiten wie der Canon Emerging Talent Award eine wichtige Plattform, um junge Fotografen zu würdigen. Und selbst diejenigen, die nicht gewonnen haben, können die Teilnahme als Teil ihrer Entwicklung betrachten. „Es gibt viele Wettbewerbe, bei denen ich mitgemacht habe und in die engere Auswahl kam, aber am Ende leer ausging. Das motivierte mich, besser zu werden, indem ich mir die Arbeiten anderer Fotografen ansah, experimentierte und Fragen stellte.“

Wie die diesjährigen Beiträge zeigen, bringt die nächste Generation bereits frische Perspektiven in die Sportfotografie ein – unterstützt durch Werkzeuge, die ihnen helfen, neue Wege zu gehen.

Written by Marcus Hawkins

Ähnliche Artikel

Ideen für kreativere Actionfotografie

Lorenz Holder verrät, wie er seine Actionfotos mit viel Kreativität aus der Masse abhebt, indem er auf Distanz geht, Spiegelungen aufnimmt und vieles mehr.

So fängt die Canon EOS R1 entscheidende Momente ein

Drei professionelle Sportfotografen sprechen über den Wettbewerbsvorteil, den die EOS R1 bietet.

Auf dem Feld mit der besten professionellen Kamera für die Sportfotografie von Canon

Der Chief Sports Photographer bei Getty Images, Richard Heathcote, erzählt, wie die EOS R1 sowohl seine Bilder als auch seinen Workflow verbessern.

Die Kunst der Actionfotografie: Hinter den Kulissen in Jaipur

Erfahre, wie Martin Bissigs akribischer Vorproduktionsprozess zu preisgekrönten Sportaufnahmen im Bruchteil von Sekunden führt

Newsletter sichern

Hier klicken, um inspirierende Geschichten und interessante Neuigkeiten von Canon Europe Pro zu erhalten.