Kameratechnologie entschlüsseln: Farbeinstellungen für Videos

Ein kurzer Leitfaden zu den Video-Farbeinstellungen von Canon Kameras und wie sie dir mehr kreative Möglichkeiten geben – vom Moment der Aufnahme bis zur endgültigen Bearbeitung.
Auf dem rückwärtigen Display einer Canon EOS R50 V werden Farbfilter ausgewählt.

Von verblichenen Vintage-Tönen, um Nostalgie zu wecken, zu einem nachdenklichen, kühlen Blau – Farben sind ein wichtiges Stilmittel für das Storytelling in Videos. Ob du Videos für die sozialen Medien, ein Heimvideo oder ein ganzes YouTube-Epos aufnimmst, Farben helfen dir, visuell Emotionen zu kommunizieren, Gefühle in deinen Zuschauern zu wecken und ihre Aufmerksamkeit auf wichtige Details zu lenken.

Reisefilmerin Giulia Gartner verwendet Licht und Farben, um ihren Filmen den emotionalen Ton zu verleihen. Ihr Kurzdokumentarfilm über einen Parkour-Athleten in Portugal, aufgenommen mit einer Canon EOS R6 V, ist da ein gutes Beispiel. Die dynamischen Bewegungen ihres Motivs bringen die Story voran, aber es ist ihr bewusster Einsatz der Farben zur „Blauen Stunde“, der die nachdenklichere Seite der Lebensgeschichte von Luís zur Geltung bringt.

„Diese tiefen Blautöne bergen so viele Emotionen, und ich liebe es, damit zu spielen“, sagt Giulia. „Insbesondere wenn einem Teile der Story ans Herz gehen. Man kann diese dunkleren Töne einsetzen, um Stimmung zu erzeugen, und um farbliche Kontraste hinzuzufügen – zum Beispiel, indem man von einer dunklen Szene der Blauen Stunde zu einem Sonnenaufgang schneidet.“

Canon Kameras bieten mehrere Möglichkeiten, Farben zu handhaben, und deinen Aufnahmen einen eigenen Look und ein bestimmtes Feeling zu verleihen – von Bildstil-Vorlagen bis hin zu Custom Picture-Dateien, mit denen du den endgültigen Look später, beim Nachbearbeiten des Films, festlegen kannst.

Die Kameras EOS R6 V und EOS R50 V wurden für Videoaufnahmen entwickelt und haben jeweils eine Shortcut-Taste, mit der du direkt auf den Farbmodus zugreifen kannst. So gelangst du von einem zentralen Ort aus an alle wichtigen Farbwerkzeuge: Bildstile, Custom Picture-Einstellungen und die Farbfilter-Option, die verschiedene ausdrucksstarke Effekte ermöglicht.

Filmemacherin Giulia Gartner hält in warmem Licht Canon EOS R6 V gegen eine dunkle Landschaft.

Anstatt nur Szenen zur Blauen Stunde aufzunehmen, fing Filmemacherin Giulia Gartner auch die warmen Töne der goldenen Stunde zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ein. „Das gelb-orange Licht ist so schön und irgendwie nostalgisch“, sagt sie. „Es hat mich einfach umgehauen, wie schön diese Töne sind.“

Nahaufnahme der Color-Taste einer Canon EOS R6 V Kamera.

Die COLOR-Taste an der Canon EOS R6 V gibt dir sofortigen Zugriff auf die Farbsteuerung der Kamera, und damit auf Bildstile und Farbfilteroptionen, ob bei Videos oder Fotos.

Was sind Canon Bildstile?

Vielleicht hast du selbst schon Bildstile verwendet, die man auf Bilder und Videoclips anwenden kann. Das sind Voreinstellungen, die verschiedene Kombinationen anpassbarer Merkmale vorschlagen, wie Farbe, Kontrast und Schärfe. Beispielsweise wird die Schärfe beim Bildstil „Porträt“ reduziert, um Hauttöne weicher erscheinen zu lassen, während der Bildstil „Landschaft“ schärfer ist, mit leuchtenderen Blau- und Grüntönen, um Outdoorszenen besser zu ergänzen.

Du kannst jeden Parameter einzeln einstellen, um einen unverwechselbaren Look zu schaffen, oder von Grund auf deine eigenen Bildstile erstellen. Wenn du nicht gerade in RAW-Video aufnimmst, wird der Bildstil schon beim Aufnehmen auf deine Bilder angewendet, wie bei Weissabgleich und Belichtung. Es ist also wichtig, schon vor dem Aufnehmen die richtigen Einstellungen zu wählen.

Was sind Canon Custom Picture-Einstellungen?

Mit Custom Picture-Einstellungen kannst du eine Kombination von Einstellungen anwenden, wie Farbraum, Farbmatrix und sogenannte Look Files (zu diesen später mehr). Anders als Bildstile und Farbfilter-Einstellungen, die einen ganz bestimmten Look in deine Aufnahmen „einbacken“, musst du die mit Custom Picture-Einstellungen aufgenommen Clips in der Regel noch nachbearbeiten, um das fertige Video zu produzieren. Einige Custom Picture-Einstellungen liefern dir fertige Aufnahmen direkt aus der Kamera. Zum Beispiel muss Canon 709 nicht nachbearbeitet werden, Canon Log 2 und Canon Log 3 schon. Canon Log gibt dir bei der Nachbearbeitung dafür mehr Möglichkleiten beim endgültigen Look.

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Was ist Canon Log?

Canon Log nimmt Bilder mit geringem Kontrast und gedämpften Farben auf. Dadurch bleiben in hellen Bildbereichen und dunklen Schatten mehr Details erhalten als mit den Standard-Videoeinstellungen.

Du kannst also aufatmen, wenn dein Canon Log Video beim Ansehen stumpf und trostlos erscheint – genau so soll das Format aussehen. Das erleichtert nicht nur die Farbkorrektur, um Farbstiche zu entfernen und deine Aufnahmen natürlich aussehen zu lassen, du kannst auch das Color Grading kreativ einsetzen.

Canon Log ist noch wegen einer weiteren Eigenschaft sehr nützlich: der hohen Konsistenz, wenn du Clips von verschiedenen Kameras kombinieren möchtest. Du kannst damit von einer ähnlichen Basis ausgehen und die gleiche Art von Grading auf die Aufnahmen anwenden – besonders nützlich für Content Creator, die mit mehreren Kameras YouTube-Videos, Inhalte für die sozialen Medien oder grössere Projekte drehen.

Canon Log 2 vs. Canon Log 3

Einige Profi-Filmemacher bevorzugen Canon Log 2, da es einen noch grösseren Dynamikumfang und mehr Schattendetails einfängt als Canon Log 3. Dafür kann die Nachbearbeitung damit länger dauern, wenn du beste Ergebnisse erzielen möchtest. Bei Canon Log 3 geht das Colour Grading deutlich schneller und einfacher, eine tolle Wahl für tagtägliche Aufnahmen, bei denen du dir dennoch Flexibilität in der Bearbeitung wünschst.

Canon Log 3 steht auf einer Vielzahl von EOS R System Kameras zur Verfügung, einschliesslich EOS R7, EOS R8 und EOS R50 V. Die EOS R6 V und andere ausgewählte Kameras bieten darüber hinaus noch Canon Log 2.

Was ist eigentlich View Assist?

Canon Log Aufnahmen sehen bei der Aufnahme flach und kontrastarm aus. Deshalb gibt es auf kompatiblen Kameras die View Assist-Funktion, die dir beim Filmen eine natürlicher aussehende Vorschau der Aufnahmen zeigt, während die Log-Aufnahmen unangetastet bleiben. Das gibt dir das Beste beider Welten: eine nützlichere kamerainterne Ansicht, mit der du Belichtung, Farbe und Komposition besser einschätzen kannst. Dann kannst du beim Nachbearbeiten das Meiste aus den zusätzlichen Schattendetails und der Flexibilität einer Log-Datei herausholen.

Was ist der Unterschied zwischen Farbkorrektur und Color Grading?

Bei der Farbkorrektur geht es im Grunde darum, die Aufnahmen auszubalancieren und technisch korrekt aussehen zu lassen. So schaffst du einen Ausgangspunkt, um dann deine Kreativität spielen zu lassen. Du entfernst vielleicht einen blauen oder orangefarbenen Farbstich aus dem Bild, lässt Hauttöne natürlicher erscheinen, und korrigierst Probleme mit Belichtung oder Kontrast. Ein Video sollte nach der Farbkorrektur ganz „normal“ aussehen.

Das Color Grading lässt dich kreativ werden und verleiht deinen Aufnahmen Charakter. Damit kannst du deinem Video einen ganz bestimmten Look oder Stil geben – ob warm, nostalgisch, ungeschönt oder mit hohem Kontrast. Das ist so wie bei der Nachbearbeitung von Fotos, wo Farbe, Kontrast und Töne geändert werden, um die gewünschte Stimmung zu erzeugen. Beispielsweise könntest du ein kinoreifes Grading mit Aquamarin und Orange anwenden, das die Schatten in Richtung Blau-Grün verschiebt und Highlights und Hauttöne wärmer erscheinen lässt. Oder du nimmst Sättigung heraus, um einen dramatischen Effekt zu erzeugen. Das Colour Grading kannst du entweder manuell anwenden, oder du verwendest eine LUT, um schnell einen bestimmten Look oder eine Stimmung hinzuzufügen (mehr zu LUTs weiter unten).

Wenn du vorhast, ein Grading auf dein Video anzuwenden, dann solltest du mit RAW-Video oder flach aussehenden Log-Aufnahmen arbeiten, da beide Formate mehr Bilddaten für spätere Einstellungen bewahren. Das RAW-Videoformat gibt dir die grösste Flexibilität, da du hier Farbtemperatur, Belichtung und viele weitere Parameter angeben kannst, als würdest du sie an der Kamera einstellen. Der Nachteil: Es füllt schnell deine Speicherkarten und erfordert mehr Rechenleistung, um aus den RAW-Sensordaten eine Videodatei zu machen, die du dir ansehen kannst.

Ein Mitarbeiter sitzt vor zwei grossen Monitoren und passt die Farbkorrektur eines Videos an, das eine Frau in einer städtischen Umgebung zeigt.

Canon Log- und RAW-Video bewahren mehr Detailreichtum und Dynamikumfang für Farbkorrektur und Grading. So wird es einfacher, genau den gewünschten Look zu erhalten und Aufnahmen von verschieden Kameras aufeinander abzustimmen.

Was ist eine LUT?

Die Canon EOS R6 V und verschiedene andere EOS Kameras sind mit LUT-Dateien (Look-Up Table) kompatibel, die du auf die Kamera laden und im Menü „Benutzerdefiniertes Bild“ als Look Files registrieren kannst. Im Grunde sind diese Dateien Voreinstellungen für das Colour Grading. Du kannst damit einfach einen bestimmten Look schaffen, ohne einzelne Farb- und Kontrasteinstellungen vornehmen zu müssen. Ausserdem kannst du LUT Dateien auch in fortschrittlicher Bearbeitungssoftware verwenden, damit die kamerainterne Vorschau und dein endgültiges Video genau gleich aussehen.

Wenn du deinen Inhalten ein konsistentes Finish verleihen möchtest, wende einfach eine LUT auf eine ganze Videoserie an. So schaffst du dir einen unverwechselbaren visuellen Stil, und die Nachbearbeitung geht schneller von der Hand.

Erkunde die Canon LUT Bibliothek, um mehr über LUTs zu erfahren und ganz verschiedene kreative Looks herunterzuladen, wie „Bleach Bypass“, „High Key“ oder „Faded Sepia“.

Auch wenn du nicht in RAW oder Canon Log filmst, erleichtert dir die Canon Color Science, deine Aufnahmen von verschiedenen EOS Kameras aufeinander abzustimmen. Canon Objektive, Kamera-Bildsensoren und DIGIC X Prozessoren arbeiten harmonisch miteinander, um konsistente Farben zu erzeugen, die reichhaltig und doch natürlich wirken. Hauttöne erscheinen warm und schmeichelnd, und deine Aufnahmen sehen direkt aus der Kamera einfach toll aus.

„Ich liebe es, mich mit Farben auszudrücken“, sagt Giulia Gartner, die ihre Projekte meistens in Canon Log 2 aufnimmt. „Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich Canon liebe: Die Canon Color Science passt einfach zu meiner Art des Filmemachens. Farben sind ein sehr wichtiger Teil meines kreativen Ausdrucks.“

Ob du lebensechte oder stilisierte Farben bevorzugst – wenn du dich mit kreativen Tools wie Bildstilen, Canon Log und LUTs vertraut machst, erhältst du mehr Kontrolle darüber, wie deine Videos letztendlich aussehen. Es geht aber nicht darum, den Look deiner Aufnahmen aus Prinzip zu ändern. Es geht darum, die Story bewusst so zu erzählen, wie du es möchtest.

Die Auswahl der richtigen Farbeinstellungen

  • Schneller Turnaround: Bildstile oder Farbfilter
  • Leichte Bearbeitung: Custom Picture oder Canon Log 3
  • Erweitertes Grading: Canon Log 2 oder RAW
  • Konsistente visuelle Marke: Verwende die gleiche LUT in allen Videos einer Serie

FAQ zu Canon Farbeinstellungen

  • Das hängt davon ab, ob du deine Aufnahmen sofort verwenden möchtest oder mehr Wert auf die Farbqualität legst. Wenn du dir einfach toll aussehende Videos direkt aus der Kamera wünschst, oder Aufnahmen unter Zeitdruck bearbeiten musst, dann sind Bildstile oder Farbfilter die einfachsten Optionen. Für erweitertes Colour Grading verwendest du am besten Canon Log 2 oder Canon Log 3.

  • Beide sind für verschiedene Dinge konzipiert. Bildstile sind einfacher, wenn du schnell liefern musst, Canon Log bietet dir mehr Flexibilität bei der Bearbeitung. Canon Log ermöglicht einen grösseren Detailreichtum und Dynamikumfang, und ist vielleicht die bessere Wahl für wichtige Videoprojekte – wenn sich der zusätzliche Aufwand lohnt.

  • Canon Log 2 priorisiert einen maximalen Dynamikumfang und lässt dich in dunkleren Bereichen mehr Details extrahieren. Dafür gehen Belichtung und Grading bei Canon Log 3 schneller und einfacher von der Hand.

  • In der Regel, ja. Log nimmt man absichtlich mit geringem Kontrast und geringerer Farbsättigung auf. Durch Anwenden einer LUT in Videobearbeitungssoftware kannst du Canon Log-Aufnahmen schnell den gewünschten Look verleihen und sie dann weiter verfeinern.

  • Ja, aber die Look-Up-Tabelle muss mit dem verwendeten Farbprofil und den Aufnahmen kompatibel sein.

  • Die Farbkorrektur sorgt für eine ausgeglichene, konsistente Basis; mit Color Grading schaffst du einen künstlerischen Look. Bei der Korrektur geht es also darum, dass das Video „richtig“ aussieht, während das Grading ihm Charakter, Stimmung und Stil verleiht.

Verfasst von Marcus Hawkins

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