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Kunst mit Action

Lorenz-Holder

Fotograf Lorenz Holder begann seine Karriere zwar als Semi-Pro-Snowboarder – eine ernsthafte Verletzung zwang ihn aber zu einer Auszeit und brachte ihn zur Fotografie, mit der er den Sport nun im Bild festhält, anstatt ihn aktiv zu betreiben. In einem exklusiven Interview sprach er mit dem CPN Autor Steve Fairclough, um seine Arbeit und seinen Ansatz zu besprechen, wie er Bilder gestaltet – und warum er gerne mit Canon EOS DSLRs und EF Objektiven arbeitet.

Lorenz Holder war in jungen Jahren nicht gerade von der Fotografie besessen: „Ich denke, es war rund um die Jahrtausendwende, als ich meine erste Kamera bekam und ich 20 oder 21 war“, erinnert er sich. „Ich drehte vorher schon ein paar Filme und ein Freund hatte eine 35mm Filmkamera. Ich schaute durch den Sucher und sie hatte ein lichtstarkes Objektiv – ich war komplett hin und weg wegen der optimalen Steuerung der Schärfentiefe. Es war ein Schlüsselerlebnis, denn sie machte ein wirklich schönes Bokeh – das war der Moment, als ich dachte ,OK – das mit dem Filmen lasse ich mal, die Standbilder sehen einfach besser aus!‘“

Lorenz fährt fort: „Ich war damals ein Snowboarder mit Semi-Profi Qulifikation. Ich war nicht so gut, wie die Leute es jetzt sind, denn ich habe nie Geld dafür bekommen – ich habe nur das Board und die Ausrüstung kostenlos gestellt bekommen, so konnte ich mich in den Bergen austoben. Aber es war nie mein Plan, davon leben zu können.“

Lorenz Holder wuchs in München in der Nähe der Alpen auf und startete schon als Zwanzigjähriger mit seiner Karriere als Semi-Profi-Snowboarder. Eine üble Verletzung bedeutete für ihn, mit dem Snowboarding schon im Jahr 2003 aufzuhören – und an diesem Punkt entdeckte er den Spass an der Fotografie. Er nutzte seine Kenntnisse im Action-Sport, um seinen ganz persönlichen fotografischen Stil zu entwickeln, der den Sportler oft nur als kleinen Bestandteil in einer grösseren Landschaft oder Komposition darstellt. Er arbeitet jetzt an persönlichen Projekten und für kommerzielle Kunden wie Nitro Snowboards, Mini und Adidas. Seine Bilder haben den begehrten Red Bull Illume Image Quest Award bei den beiden letzten Events gewonnen, die im Jahr 2013 und 2016 stattgefunden haben.

Lorenz-Holder-Biker-Metall-Treppe

© Lorenz Holder – Canon Fotograf. Ein BMX-Biker auf einer surreal aussehenden Metalltreppe, die als Aussichtsplattform dient; ein persönliches Projekt. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem EF 24-70mm 1:2.8L USM Objektiv bei 24mm, die Belichtungszeit betrug 1/400 Sek. bei Blende 6,3, ISO 500.

„Ich mochte schon immer Vollformatkameras, das ist das Wichtigste für mich“, sagt er. „Ich fotografiere normalerweise im Freien, eine hohe ISO-Einstellung ist von daher gesehen nicht wirklich notwendig. Sie (die EOS 5D Mark III) ist einfach die perfekte Kamera für meine Art der Fotografie. Ich brauche nicht viele Autofokuspunkte, weil ich immer die Schärfe vorab einstelle. Es ist ja nicht so, als würde ich den 100-Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen fotografieren, wo man einen schnellen Autofokus braucht. Ich kann ziemlich gut vorhersagen, wo sich der Sportler während seiner Bewegung befinden wird, so dass ich nur vorab auf die Stelle scharf stelle, um sicherzustellen, dass ich nicht vom Autofokus ,ausgetrickst‘ werde – oder so.“

Die Entscheidung für Canon

Nachdem er seine junge Karriere im Snowboarden gegen die Fotografie getauscht hat, entschied sich Lorenz für die Kameras aus der Canon EOS Familie. Er erinnert sich: „Ich denke, meine erste Kamera war eine EOS 30 mit Kleinbildfilm und als ich alle Objektive beisammen hatte, war mir klar, dass ich bei der Marke Canon bleiben werde. Also begann ich mit einer EOS 30 und meine erste Digitalkamera war eine EOS 20D, dann eine EOS 30D und eine EOS 40D. Dann wechselte ich zur EOS 5D Mark II und der EOS 5D Mark III.“

„Ich mochte schon immer Vollformatkameras, das ist das Wichtigste für mich“, sagt er. „Ich fotografiere normalerweise im Freien, eine hohe ISO-Einstellung ist von daher gesehen nicht wirklich notwendig. Sie (die EOS 5D Mark III) ist einfach die perfekte Kamera für meine Art der Fotografie. Ich brauche nicht viele Autofokuspunkte, weil ich immer die Schärfe vorab einstelle. Es ist ja nicht so, als würde ich den 100-Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen fotografieren, wo man einen schnellen Autofokus braucht. Ich kann ziemlich gut vorhersagen, wo sich der Sportler während seiner Bewegung befinden wird, so dass ich nur vorab auf die Stelle scharf stelle, um sicherzustellen, dass ich nicht vom Autofokus ,ausgetrickst‘ werde – oder so.“

Lorenz erinnert sich: „Ich habe das beim Umgang mit den Blitzgeräten gemerkt – speziell im Fotostudio – da hat man nur die Chance für eine einzige Aufnahme. Ich bin nicht wirklich der Typ für Reihenaufnahmen, der die laufende Kamera einfach drauf hält – ich mache ganz bewusst nur eine einzige und richtig gute Aufnahme. Die Kamera funktioniert wirklich gut für meine Art von Fotografie. Was ich wirklich schätze ist ihre Zuverlässigkeit. Sie ist im Regen, bei starkem Schnee und an wirklich kalten Tagen ein zuverlässiger Partner. Das ist eine sehr wichtige Sache für mich, dass sie in der Umgebung funktioniert, wo ich Fotos mache. Wenn Sie Ihrer Kamera nicht vertrauen können, weil es nur ein wenig nass ist, dann haben Sie wahrscheinlich die falsche Kamera.“

Inspirationen und Ideen

Abgesehen von Lorenz Equipment überzeugt auch die Tatsache, dass die Sportler in seinen Bildern fast nebensächlich sind. Er zitiert den schwedischen Fotografen und Artdirektor Peter Lundstrom als den „wahrscheinlich grössten Einfluss auf meinen Stil – weil er so kreativ fotografiert und denkt.“

Lorenz erklärt: „Der Hauptpunkt aller meiner Bilder ist der Ort der Aufnahme. Als ich anfing, war ich für ein Shooting über das Snowboarden nach Island unterwegs. Ich habe erkannt, dass es eigentlich ziemlich einfach ist, gute Bilder zu machen, weil die ganze Landschaft so schön war – es war schwer, dort ein schlechtes Bild dort zu machen. In Norwegen ist es genau so – überall nur schöne Landschaft. Das hat mir gezeigt, dass eine schöne Umgebung wirklich entscheidend und die Lage wahrscheinlich der Schlüssel zu einem guten Bild ist. Also suchte ich wirklich interessante neue Orte, an denen ich fotografieren konnte.“

Er fügt hinzu: „Ich versuche immer, das endgültige Bild vorher zu visualisieren und es mit der Kamera zu gestalten. Die meiste Zeit arbeite ich mit einem Stativ, so kann ich wirklich präzise die Perspektive wählen und schon vor der Action die Bildkomposition perfekt gestalten. Wenn dann alles eingerichtet ist, stehe ich einfach da und versuche, den richtigen Moment einzufangen.“

Lorenz-Holder-Mann-Stadt-Surfen

© Lorenz Holder – Canon Fotograf. Eine Doppelbelichtung eines Surfers aus Neuseeland in den Strassen von Berlin; ein persönliches Projekt. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem EF 24-70mm 1:2.8L USM Objektiv bei 24mm, die Belichtungszeit betrug 1/640 Sek. bei Blende 7,1, ISO 200.

Die Tatsache, dass er bereits stark in das Snowboarding involviert war, ist ein wichtiger Pluspunkt für Lorenz. „Ich denke, es ist wirklich wichtig bei Sportaufnahmen, etwas davon zu verstehen – zumindest ein wenig. Wenn man also etwas sieht, kann man vorhersehen, was die nächste Bewegung ist oder wie es eine Millisekunde später aussehen wird.“

Er fügt hinzu: „Ich habe nicht wirklich eine Methode, wie ein Foto auszusehen hat – oder ein Regelbuch oder so was. Ich lasse mich vom Instinkt treiben. Auch wenn es um die Bildkomposition geht, kenne ich zwar einige Fotoregeln – etwa die Drittelregel und ähnliches. Es ist aber eher so, dass mir ein Bild auf Anhieb gefällt oder nicht gefällt. Ich vertraue nur meinem Bauchgefühl und ich glaube, das ist OK so.“

Auszeichnungen und Auftragsarbeiten

Erstaunlicherweise hat Lorenz die letzten beiden Red Bull Illume Image Quest Awards gewonnen (2013 und 2016) – ein internationaler Wettbewerb, der sich für die weltweit beste Action- und Abenteuersportfotografie engagiert. Insgesamt nahmen 5.646 Fotografen aus 120 Ländern am 2016 Award teil. Und von 34.624 Fotografien war auch ein Bild von Lorenz dabei.

Er lässt durchblicken: „Die Richter hatten keine Ahnung, wer die Bilder gemacht hat. Sie haben sich unvoreingenommen entschieden und sie wählten nur das Bild, das ihnen am besten gefiel. Vielleicht waren sie genauso überrascht wie ich! Es ist eine gute Sache, die Bilder als das zu beurteilen, was sie sind und nicht daran, wer sie gemacht hat.“

Neben seinen preisgekrönten Bildern, die oft aus persönlichen Projekten kommen, macht Lorenz auch einige Auftragsarbeiten. „Ich mache einige Jobs für Automarken wie MINI und BMW und ein wenig für Adidas. Ich habe auch für den Snowboard-Hersteller Nitro gearbeitet. In den letzten zehn Jahre habe ich dort einen Status erreicht, wo sie mir bei der Arbeit vertrauen – wenn ich bei den Aufnahmen denke, das könnte funktionieren. Ich habe ziemlich viel freie Hand, das ist schön. Jedes Jahr mache ich Aufnahmen von neuen Boards, Boots, Textilien und so weiter.“

Lorenz-Holder-Satellit

© Lorenz Holder – Canon Fotograf. Ein Snowboarder springt neben einer Satellitenschüssel in Raisting; ein persönliches Projekt. Mit diesem Bild gewann Lorenz Holder den Red Bull Illume Award 2013. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit 18mm Brennweite, Belichtung 4 Sek. bei Blende 3,5, ISO 1.000.

Das perfekte Bild vom Actionsport

Lorenz erinnert sich: „Jemand hat mich mal gefragt, was für mich ein perfektes Sportfoto ausmacht. Ich sagte, dass es in meinen Augen entweder ein Landschaftsbild oder ein Architekturbild ist, dass die Menschen an ihre Wand hängen würden, auch wenn es keinen Sportler zeigt. Das ist nur eine grundlegende Einstellung, die ich wirklich schätze. Wenn es darüber hinaus gelingt, einen Sportler ins Bild zu bekommen, dann ist das in meinen Augen wirklich nah dran an einem perfekten Action-Sportfoto.“

Er fügt hinzu: „Manchmal sind meine Sportler wirklich klein abgebildet – auf einigen Bildern kann man die Menschen nicht einmal auf den ersten Blick erkennen. Ich hatte einmal eine ziemlich komische Erfahrung. Bei einer Ausstellung in Deutschland hatte ich ein Bild, wo sich der Sportler in der rechten oberen Ecke des Bildes befand. Eine Frau kaufte einen Druck von diesem Bild und eine Woche später erhielt ich eine E-Mail, dass sie endlich einen Snowboarder auf dem Bild gefunden hatte.“

„Wenn die Leute die Bilder an ihre Wände hängen, auch wenn es keinen Sportler darin zeigt, dann ist man ziemlich in der Nähe eines perfekten Bildes. Das war ein recht gutes Beispiel dafür, dass sie es für ein gutes Bild hielt – auch wenn sie nicht sofort den Snowboarder entdeckt hat. Ich nenne es eigentlich „Kunstsport“. Aber ich hatte eigentlich nicht vor, eine Serie von Kunstfotos zu machen. An einem gewissen Punkt habe ich gerade erkannt, dass es eher mehr Landschaftsbilder sind als Action-Sport-Bilder. Dann kam mir der Gedanke ,vielleicht ist das mein Stil, vielleicht sollte ich so weiter machen.‘“

Bester Rat

Lorenz gibt jungen und engagierten Sportfotografen einen freundlichen Ratschlag: „Wenn man damit anfängt und versucht, Bilder zu verkaufen und sich einen Namen zu machen, verschickt man eine Menge E-Mails, die nie beantwortet werden. Man sollte geduldig sein und niemals aufgeben. Man sollte auf sich selbst und seine Fotografie vertrauen und wenn man davon überzeugt ist, ein gutes Bild gemacht zu haben, dann ist es wahrscheinlich ein gutes Bild. Man sollte sich immer auf sich selbst konzentrieren und nicht auf das, was andere Leute über die eigenen Bilder sagen.“

Er fährt fort: „Das Ziel eines jeden Fotografen sollte sein, einen eigenen Stil entwickeln. Wenn sich die Leute dann die Bilder anschauen und der Name des Fotografen steht nicht daneben, sollten sie es trotzdem erkennen. Das betrifft nicht nur den Sport – das ist bei jeder Art der Fotografie so, auch bei der Modefotografie. Wenn die Leute nur ein Bild sehen und sagen, oh ja, das ist von diesem Typen – auch wenn es keinen Namen des Fotografen trägt. Dann ist das wichtigste Ziel erreicht: auf den ersten Blick wird in den Bildern der Stil des Fotografen sichtbar.

Lorenzos Kameratasche:

Kameras

EOS 5D Mark III

Objektive

EF 8-15mm 1:4L Fisheye USM

EF 24-70mm 1:2,8L USM

EF 70-200mm 1:2,8L IS USM

Zubehör:

Broncolor Move Outdoor Kit 2

Broncolor Siros 800 L Blitzgerät



Rechte am Interview: Geschrieben von Steve Fairclough